Lernvideos

Erstellen Sie eigene Lernvideos mit der für Sie passenden Produktionsart. Berücksichtigen Sie dabei die wichtigsten Arbeitsschritte und einige zentrale Tipps z.B. zum Audio und zur Nachbearbeitung.

Was sind Lernvideos?

Lernvideos kommen in der Hochschullehre heute vermehrt zum Einsatz – z.B. wenn sich Studierende im Rahmen eines Inverted Classroom auf die Präsenzphase vorbereiten. Dabei ist die Produktion von solchen Videos dank enormen Fortschritten in Software und Technik nicht mehr nur Experten vorbehalten und der Aufwand für die Produktion lässt sich selbst steuern. Beispielsweise kann ein Screencast, bei welchem Abläufe am Bildschirm (z.B. Präsentationsfolien) mit gleichzeitiger Audioaufnahme aufgezeichnet werden, bereits mit geringem technischem Aufwand und in kurzer Zeit entstehen. Es empfiehlt sich, dabei pragmatisch vorzugehen, also keine professionellen Lehrfilme zu erwarten. Zumal bei Lernfilmen die Qualität der Erklärungen und die Struktur der Inhalte für die Erreichung der Lernziele wichtiger ist als eine perfekte Videoproduktion. 

Welche Typen von Lernvideos gibt es?

Lernvideos lassen sich nach Inhalt des Videos oder aber nach Produktionsart unterscheiden. Im Reiter Beispiele finden Sie Beispiele zu vielen der beschriebenen Typen von Lernvideos.

Typen nach Inhalt

  • Erklärvideo: Bei einem Erklärvideo liegt der Fokus auf der Vermittlung eines Inhaltes. Es wird ein Sachverhalt, eine Methode, Theorie oder Ähnliches erklärt.
  • Tutorial: Bei einem Tutorial handelt es sich um ein Anleitungsvideo. Es wird Schritt für Schritt aufgezeigt, wie etwas gemacht wird.

Typen nach Produktionsart

  • Redigierte Vorlesungsaufzeichnung: Bereits aufgezeichnete Vorlesungen werden (z.B. im Folgesemester) in mehrere kürzere Sequenzen, idealerweise nach Themen gegliedert, aufgeteilt und den Studierenden so zur Verfügung gestellt.
  • Screencast: Abläufe am Bildschirm werden mit Hilfe einer entsprechenden Software aufgezeichnet. Die Anwendung von Screencasts für Lehr-/Lernvideos ist vielfältig. Analog zu einer Vorlesung können am Bildschirm Präsentationsfolien mit dem Ton der referierenden Person aufgezeichnet werden. Weiter können Abläufe von Softwareanwendungen (z.B. Recherche-Tools oder Statistikprogramme) direkt am Bildschirm erläutert und aufgezeichnet werden. Auch die Durchführung von interaktiven Webinaren kann aufgezeichnet und später den Teilnehmenden zur Verfügung gestellt werden.
  • Kameraaufnahme (z.B. in Büro, Studio): Aufnahme einer oder mehrerer Sprecher/innen in Referate- oder Interviewform – allenfalls in Kombination mit Requisiten und Präsentationen an Wandtafel oder Leinwand.
  • Legetechnik: Auch «Flachfigurenfilm» genannt. Bei dieser Technik wird mit einer Kamera senkrecht von oben auf eine Tischplatte gefilmt. Die Inhalte bestehen aus zuvor erstellten, zweidimensionalen Figuren und Begriffen, welche auf die Arbeitsfläche geschoben und wieder weggewischt werden.
  • Digital-Animation: Ähnlich wie die Legetechnik, jedoch werden die Inhalte alle in einer Computersoftware bereitgestellt und animiert. Dadurch entfällt die Aufnahme mit einer Kamera.
  • Interaktive Videos: Bereits erstellte Videos werden mit einer speziellen Software mit interaktiven Inhalten (z.B. Übungsfragen) angereichert.

Hinweis: Die aufgelisteten Produktionsarten sind nach Aufwand gegliedert, beginnend mit der am wenigsten aufwändigen Produktionsart.

Welches sind die Produktionsschritte?

Es handelt sich hier um eine umfangreiche Auflistung der wichtigsten Arbeitsschritte. Je nach Ihrer Erfahrung im Umgang mit Videos und der Wahl der Inhalte sowie der Produktionsart Ihres Lernvideos können Sie sich die Arbeitsschritte selbst zusammenstellen.

1. Planung & Drehbuch

  • Ziel und Zielgruppe des Lernvideos definieren: Welche Lernergebnisse will ich mit meinem Video erzielen? Wen will ich ansprechen?
  • Inhaltliche Schwerpunkte und Produktionsart wählen: Grenzen Sie das Thema ein und wählen den passenden Videotyp (allenfalls auch eine Kombination) aus.
  • Drehbuch erstellen: Je nach Komplexität besteht das Drehbuch nur aus wenigen Notizen, die z.B. Ihre bestehenden Präsentationsfolien ergänzen, oder aus einem umfangreichen Planungsdokument. Wichtig ist, dass Sie die Struktur planen und den Ablauf der Videos dokumentieren. Nach Bedarf erstellen Sie Sprechtexte und legen die Kameraeinstellungen fest. Beispielvorlage Drehbuch (DOCX, 40KB)

2. Aufnahme & Produktion

  • Material und Software organisieren: Wir bieten Ihnen Software-Empfehlungen und Möglichkeiten zur Materialausleihe. Reservieren Sie bei Bedarf zusätzliche Räumlichkeiten.
  • Aufnahme vorbereiten: Hier gilt es, den Raum einzurichten und Kameras sowie Mikrofone zu installieren. Bei Screencasts sollten Sie den Computer vorbereiten. Es ist sehr zu empfehlen, frühzeitig Testaufnahmen (Bild & Ton) zu machen.
  • Aufnahme durchführen: Halten Sie sich bei der Aufnahme ans Drehbuch und führen Sie diese in Abschnitten durch. So können Sie einzelne Szenen je nach Gelingen mehrmals wiederholen.

3. Nachbearbeitung & Publikation

  • Video schneiden und bearbeiten: Importieren Sie alle Clips in Ihr Schnittprogramm und fügen Sie diese gemäss Drehbuch zusammen. Fügen Sie nach Bedarf zusätzliche Effekte ein. Am Schluss exportieren Sie das Video.
  • Video publizieren: Publizieren Sie das Video auf einer für Sie geeigneten Plattform. Bei Bedarf können Sie einen Hinweis zu den Lizenzbestimmungen Ihres Videos platzieren.

Allgemeine Tipps bei der Produktion von Lernvideos

  • Einfache Möglichkeit das Video professionell wirken zu lassen: Titelfolie, evt. Kapitel und Abspann hinzufügen.
  • Kurz halten: Stellen Sie besser mehrere kurze Videos zur Verfügung, da bereits nach 5-10 Minuten die Aufmerksamkeit sinkt und längere Videos öfters frühzeitig abgebrochen werden. Bei längeren Videos empfiehlt sich ein Inhaltsverzeichnis, in welchem man per Mausklick zum gewünschten Kapitel springen kann (Beispiel ILIAS «Interaktives Video»).
  • Tempo beachten: Gehen Sie eher schneller vorwärts und formulieren Sie prägnanter als in einem Live-Vortrag. Bei Verständnisschwierigkeiten können Studierende das Video stoppen oder zurückspulen.
  • Ein Drehbuch und gute Vorbereitung helfen Zeit zu sparen.
  • Nehmen Sie nach Bedarf Bild und Ton getrennt voneinander auf. Dies kann die Aufnahme des Videos erleichtern.
  • Beachten Sie die Accessibility (= hindernisfreier Zugang zu Informationen für Menschen mit Behinderung) Ihres Videos. Bewährte Möglichkeiten sind Untertitel oder auch Audiodeskriptionen. Um die Bedienung zu erleichtern, sollten Videoplayer mit der Tastatur bedient werden können.

 

Tipps für Aufnahmen mit einer Screencast-Software

Audio

  • Eine gute Audioqualität ist ausschlaggebend für eine angenehmes Sehempfinden.
  • Verwenden Sie bei Aufnahmen am Computer immer ein externes Mikrofon (wenn möglich mit USB-Anschluss, z.B. Yeti von Bluemic).
  • Machen Sie Ihre Aufnahmen in einem ruhigen und möglichst kleinen Raum. Letzteres minimiert den Hall.

Aufnahmetechnik

  • Tragen Sie möglichst lebendig und engagiert vor, auch ohne Publikum. Ihr Video wirkt so viel ansprechender.
  • Machen Sie in jedem Fall Probeaufnahmen.
  • Unterteilen Sie die Aufnahmen in Abschnitte. So müssen Sie bei Fehlern oder anderen Problemen nur den jeweiligen Abschnitt nochmals aufzeichnen.
  • Falls der Sprecher/die Sprecherin aufgenommen wird, sollte das Licht und der Hintergrund beachtet werden. Seien Sie sich dabei bewusst, dass ein Sprecherbild (auch «Talking Head» genannt) Vor- und Nachteile mit sich bringt. Es kann bei Videos mit eher statischen visuellen Inhalten unterstützend wirken, da durch Gesten und Mimik die nonverbalen Aspekte unterstützt werden. Zudem gewinnen z.B. Argumentationen durch die Nähe zum Referenten an Relevanz und Gewicht. Im Gegenzug kann ein Sprecherbild bei Videos mit dynamischen Inhalten (z.B. Entwicklung mathematischer Formeln) vom wesentlichen Inhalt ablenken. Des Weiteren erhöht eine Sprecherbild Komplexität und Aufwand einer Videoproduktion.
  • Achten Sie darauf, dass alle Programme im Hintergrund (z.B. Mail) ausgeschaltet und die nötigen Programme vorbereitet sind.
  • Überarbeiten Sie Ihre bisherigen Vorlesungsfolien: Weniger ist mehr und im optimalen Fall 'entstehen sie' während des Sprechens.
  • Wählen Sie als Format (z.B. Ihrer Folien) bevorzugt 16:9 (Breitbild für Bildschirme und mobile Geräte). Andernfalls erscheinen bei der Betrachtung des Videos schwarze Balken an den Rändern (Beispiel).

Nachbearbeitung

  • Führen Sie den Blick der Zuschauer mit Hilfe von zusätzlichen Effekten (z.B. Zoom, Abdunkeln oder Pfeile)
  • Setzen Sie sonstige Übergänge und Effekte sparsam ein.
  • Zusätzliche Texteinblendungen geben einem die Möglichkeit, auch im Nachhinein noch Aussagen zu untermauern.

Tools für Lehr-/Lernvideos

Software

* Unsere Empfehlung: Aufnahme und Nachbearbeitung in einem Programm, einfach zu bedienen, gute Videotutorials vorhanden.

Materialausleihe

Lernvideos der Universität Bern

 

Screencast - Tutorial

Dies ist ein Beispiel der Swissbib Basel-Bern. Es handelt sich um ein Tutorial zur Online-Recherche.

 

Screencast - Erklärvideo

Dies ist ein Beispiel aus der Veranstaltung von Dr. Moritz Bigalke. Es handelt sich um einen Screencast von überarbeiteten Vorlesungsfolien und dem gleichzeitigen Einsatz des Sprecherbildes (Beispiel folgt bei 1:58). 

 

Kameraaufnahme

Dies ist ein Beispiel aus einem Projekt «LernToolKit» der Universität Bern. Es handelt sich um ein Lernvideo mit Kameraaufnahmen in einem Studio und nachträglicher Bearbeitung am PC. 

 

Schnitt- und Legetechnik

Dieses Erklärvideo zum Thema «Nachhaltige Entwicklung» wurde mit der Schnitt- und Legetechnik produziert. 

 

Videoanimation

Dies ist ein Beispiel für ein computeranimiertes Lernvideo. 

Beratung: Bei DIY-Produktionen (kostenlos)

Das iLUB-Team verfügt über die technische Ausrüstung, die Software und das Know-how, damit Sie eigene Lehr- und Lernvideos erstellen können. Gerne unterstützen wir Sie bei Ihrem Projekt.

Produktion: Professionelle Videos erstellen lassen (kostenpflichtig)

Möchten Sie professionelle Videos erstellen lassen, stehen Ihnen zwei intern zwei Anlaufstellen zur Verfügung, welch für Sie die komplette Produktion oder einzelne Produktionsschritte übernehmen (z.B. Storyboarding, Animation oder Postproduktion). Dabei ist zentral, dass die Produktion auf den jeweiligen Verwendungszweck und die Art und Weise der Publikation zugeschnitten ist.