Universität für alle Collegium generale

Literarische Lesungen im Herbst 2020

Krieg

Im Herbstsemester organisiert das Collegium generale die „Literarischen Lesungen“ in Zusammenarbeit mit der Professur für neuere deutsche Literatur und Komparatistik. Die Autorenlesungen werden jedes Jahr zu einem ausgewählten Thema ausgerichtet, dazu werden Autoren und Autorinnen aus dem In- und Ausland eingeladen.

“irgendwo ist immer Krieg”, heisst es in Isabelle Lehns Roman Binde zwei Vögel zusammen. Das gilt auch für unsere Gegenwart. Sei es in Syrien, Libyen oder Afghanistan, im Irak oder im Jemen, in Mali, in Nigeria oder in der Ost-Ukraine. Mit dem Krieg widmen wir die Literarischen Lesungen einem Thema, das andere Krisen und Konflikte zeitweise verdrängt zu haben scheinen, das an Dring­­lichkeit aber keineswegs verloren hat. Kriege hängen zudem stets zusammen mit Rassismus und Herrschaft, Flucht- und Migrationsbewegungen, Umweltzerstörung und Epi­demien.

@Miron Gradwohl

Mit einem Krieg beginnt, in Homers Ilias, die europäische Literatur. Ihre Geschichte ist seit­her nicht zuletzt eine Geschichte militärischer Gewalt. Wie verhandeln literarische Texte jenseits tages­aktueller Politik und me­dia­ler Berichterstattung die Kriege unserer Zeit? Es soll dabei nicht um die Beschreibung von Schlachten gehen. Wir haben vier AutorInnen ein­ge­laden, die sich mit den Kriegen der vergangenen Jahrzehnte aus ungewöhnlichen Perspekti­ven auseinander­setzen.

13. Oktober 2020, Hörsaal 220, 18.15 Uhr

@A.Sophron

Isabelle Lehn, Leipzig

liest aus «Binde zwei Vögel zusammen». Isabelle Lehn schildert die Übungen in einem Trainingscamp für Afghanistan-Einsätze aus der Sicht eines Statisten, für den die Grenzen zwischen Realität und Simulation zunehmend fraglich werden.

3. November 2020, Hörsaal 220, 18.15 Uhr

Bild von Martin Kordic
© Gunther Glücklich

Martin Kordić, München

liest aus « Wie ich mir das Glück vorstelle». Martin Kordić erzählt vom Bürgerkrieg der 1990er Jahre im multikulturellen Bosnien aus der Sicht eines behinderten Kindes, das nicht allein zum Opfer, sondern auch zum Täter wird.

24. November 2020, Hörsaal 220, 18.15 Uhr

@Thorsten Greve

Anne Weber, Paris

liest aus «Annette, ein Heldinnenepos». Anne Weber beschreibt das Leben von Anne Beaumanoir, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen und dann für die algerische Unabhängigkeit gegen die Franzosen kämpf­te, als “Heldinnenepos.”

15. Dezember 2020, Hörsaal 220, 18.15 Uhr

© Inge Zimmermann

Ralf Rothmann, Berlin

liest aus «Im Frühling sterben». Ralf Rothmann versetzt uns in die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs anhand der Geschichte zweier jugendlicher Melker, die von der Waffen-SS zwangsrekrutiert werden.