Scientific Culture

Mehr als Zahlen: Für eine Kultur der fairen Forschungsbewertung

Lange stützten sich Forschungsevaluationen vor allem auf bibliometrische Analysen, welche die Zitierhäufigkeit von Publikationen und Zeitschriften als Indikator für wissenschaftliche Qualität und Einfluss heranzogen. Dieses Vorgehen wurde von der akademischen Gemeinschaft zunehmend infrage gestellt und ein verantwortungsvoller Umgang mit solchen Indikatoren gefordert. 2012 wurde die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) veröffentlicht, die konkrete Prinzipien für ein Umdenken in der Forschungsbewertung formuliert. Die Universität Bern hat DORA 2016 unterzeichnet und stellt seither eine qualitative und quantitative Bewertung der Forschung sicher. Denn quantitative Indikatoren allein spiegeln nicht das gesamte Bild wider. Publikationsbasierte Metriken werden verantwortungsbewusst, kontextspezifisch und als Teil einer breit angelegten Portfoliobewertung verwendet. Damit soll die wissenschaftliche Vielfalt anerkannt und Chancengleichheit gewährleistet werden.

Nach der Umsetzung von DORA entwickelt die Universität Bern ihre Massnahmen weiter. Im März 2026 hat sie auch das Agreement on Reforming Research Assessment (ARRA) und die Barcelona Declaration on Open Research Information unterzeichnet. Mit diesem Schritt bekräftigt die Universität Bern ihr Engagement und setzt die Förderung einer Wissenschaftskultur fort, die auf Exzellenz, Integrität und Fairness basiert.

Erfahren Sie im Video mehr über DORA an der Universität Bern.

Aussagekraft und Grenzen bibliometrischer Indikatoren

In den letzten fünfzehn Jahren hat sich die akademische Gemeinschaft mit Nachdruck für eine Reform der Methoden und Verfahren zur Bewertung von Forschung, Forschenden und Forschungseinrichtungen eingesetzt. Traditionelle Bewertungsansätze stützen sich massgeblich auf publikationsbasierte Kennzahlen wie den h-Index und den Journal Impact Factor. Solche bibliometrischen Indikatoren sind zwar hilfreich, um die Forschungsaktivität auf aggregierter Ebene zu messen (z.B. grosse Institutionen wie Institute, Departemente oder Universitäten), bei der Bewertung einzelner Forschender zeigen sie jedoch Schwächen.
Erstens erfassen sie weder die vollständige Bandbreite der Beiträge von Forschenden noch den tatsächlichen Einfluss ihrer Forschung. Zweitens sind diese Indikatoren anfällig für externe Einflüsse wie Elternzeit, Krankheit oder andere persönliche Einschränkungen, die keine negativen Auswirkungen auf die Karriereentwicklung haben sollten. Drittens ist ihre Aussagekraft in kleinen, personenbezogenen Datensätzen statistisch sehr begrenzt. Eine übermässige oder einseitige Orientierung an bibliometrischen Indikatoren kann zudem die «Publish-or-Perish»-Kultur verstärken, in der Quantität über Qualität gestellt wird und die wissenschaftliche Integrität gefährdet ist.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen entstanden 2012 die San Francisco Declaration on Research Assessment (DORA) und 2022 das Agreement on Reforming Research Assessment (ARRA) unter der Federführung der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA). Beide Initiativen verfolgen das Ziel, nicht nur die Bewertungspraktiken zu reformieren, sondern auch einen kulturellen Wandel anzustossen. Dieser soll Forschungsbewertung neu ausrichten, faire akademische Laufbahnen ermöglichen und Inklusion fördern.