Sprachstörungen nach Hirnverletzungen: Wenn die Sprache verloren geht
Mittwoch, 13.05.2026, 18:15 Uhr
| Veranstaltende: | Collegium generale |
|---|---|
| Referierende: | PD Dr. Basil Preisig, Interdisziplinäre Sprachevolutionswissenschaft, Universität Zürich |
| Datum: | 13.05.2026 |
| Uhrzeit: | 18:15 - 19:45 Uhr |
| Ort: |
Auditorium maximum, Raum 110 Hauptgebäude Hochschulstrasse 4 3012 Bern |
| Anmeldung: | Keine Anmeldung erforderlich |
| Merkmale: |
Öffentlich kostenlos |
Abstract
Wenn infolge einer Hirnverletzung die Sprache verloren geht, gehört dies zu den schwerwiegendsten Folgen einer Hirnschädigung. Meist sind bei einer sogenannten Aphasie (griechisch für „Sprachlosigkeit") alle Formen des Sprachgebrauchs betroffen: das Sprechen, das Verstehen, das Lesen und das Schreiben. Aphasie ist die häufigste Sprachstörung im Erwachsenenalter. Sie betrifft bis zu 35 % der Schlaganfallpatient:innen und jährlich etwa 3,6 Millionen Menschen weltweit.
Gerade weil die Auswirkungen für Betroffene so gravierend sind, ist es von zentraler Bedeutung, die neuronalen Grundlagen der Sprachverarbeitung besser zu verstehen, um zu klären, welche Therapien die Rehabilitation der Sprachfunktionen erleichtern. Die Erforschung der Aphasie hat entscheidend dazu beigetragen, Einblicke in die funktionale Organisation des Gehirns und in die kognitiven Mechanismen der Sprachverarbeitung zu gewinnen. Berühmte Fallstudien von Paul Broca und Carl Wernicke aus dem 19. Jahrhundert prägen bis heute die Vorstellung, dass sich Sprachfunktionen wie das Sprechen und das Verstehen klar umschriebenen Hirnarealen zuordnen lassen.
In diesem Vortrag stelle ich die typischen Symptome der Aphasie vor. Anhand aktueller Forschung zeige ich, weshalb ein rein lokalisatorisches Verständnis zu kurz greift und warum Hirnverletzungen oft nicht mit den erwarteten Sprachfunktionsstörungen einhergehen. Abschliessend beleuchte ich, welche Wissenslücken noch bestehen, wie diese geschlossen werden könnten und was wir uns davon für die Therapie von Sprachstörungen erhoffen.
