Das «wir» der anderen: Personenformen und die Vielfalt menschlicher Sprachen
Mittwoch, 27.05.2026, 18:15 Uhr
| Veranstaltende: | Collegium generale |
|---|---|
| Referierende: | Prof. Dr. Linda Konnerth, Sprachwissenschaft, Universität Bern |
| Datum: | 27.05.2026 |
| Uhrzeit: | 18:15 - 19:45 Uhr |
| Ort: |
Auditorium maximum, Raum 110 Hauptgebäude Hochschulstrasse 4 3012 Bern |
| Anmeldung: | Keine Anmeldung erforderlich |
| Merkmale: |
Öffentlich kostenlos |
Abstract
«Wir» bedeutet nicht immer «wir». Wenn man sagt, «Wie geht es uns denn heute?» bedeutet «uns» eigentlich «dir» oder «Ihnen». Nicht selten ist «wir» auch gleichbedeutend mit dem unpersönlichen «man». Ausserdem kann sich «wir» auf «dich-und-mich» beziehen, aber auch auf «ich-und-andere», bspw. wenn ich mit einem Bekannten über meine Familie spreche. Letztere Unterscheidung fällt im deutschen «wir» zusammen, aber in knapp der Hälfte der Sprachen der Welt gibt es hierfür unterschiedliche Pronomina. Insbesondere das «du-und-ich»-«wir», linguistisch «Inklusiv» genannt, wird immer wieder unterschiedlich von seiner eigentlichen Bedeutung verwendet, was zu Sprachwandel führen kann. Dieser Vortrag berichtet von einem natürlich gewachsenen «Sprachlabor», in dem diese Thematik untersucht werden kann, nämlich den Südzentralsprachen der sino-tibetischen Sprachfamilie. Dabei werden wir sehen, dass soziopragmatisch motivierte Kommunikationsmuster grammatische Systeme verändern und mit der Zeit zur Diversifizierung menschlicher Sprachen beitragen.
