Neue UniBE Venture Fellows starten ihre Projekte

Tiergesundheit fördern, Herzklappen dichter machen und modernste Material- und Energieforschung ermöglichen: Die neuesten Stipendiaten der Venture Fellowship an der Universität Bern bringen neue Hoffnung in die Krebsbehandlung bei Hunden, verbessern Operationsergebnisse und unterstützen die Forschung mit hochintensiven Neutronenstrahlen.

Die Fellows der fünften Kohorte des Venture Fellowship-Programms der Universität Bern werden in den kommenden Monaten ihre Fellowships antreten, mit dem Ziel, Wissen und neuartige Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft zu transferieren. Sie wurden aus 21 Bewerbungen vom Dezember 2025 ausgewählt.

Rémy Boisgard: Cerberis – Wirksame Therapien gegen Krebs bei Hunden

Porträt Rémy Boisgard
Bild: zvg.

Während die Immuntherapie in der Humanonkologie bereits weit fortgeschritten ist, gibt es für viele aggressive Krebsarten bei Hunden noch keine wirksamen und sicheren Behandlungsmöglichkeiten. Am Department of Clinical Research and Veterinary Public Health, Vetsuisse-Fakultät, Universität Bern, übersetzte Rémy Boisgard Mechanismen zur Reaktivierung der menschlichen Immunabwehr gegen Krebs in eine für Hunde geeignete Variante namens Cerberis („Canine Engineered Receptor Blocker for Enhanced Reactivation of Immune Surveillance“).

Das Projekt zielt darauf ab, eine wirksame Therapieoption gegen Zell- und Knochentumoren bei Hunden anzubieten und so die Zeit zu verlängern, die wir mit unseren Haustieren verbringen können. Als neuartige Therapie stellt Cerberis die natürliche Fähigkeit des Hunde-Immunsystems wieder her, Krebs zu erkennen und zu bekämpfen. Mit Hilfe der Fellowship soll der innovative Mechanismus von der Laborvalidierung zum klinischen Proof-of-Concept weiterentwickelt werden.

Lukas Glaus: TightValve – Rekonstruierte Herzklappen direkt während der Operation testen

Porträt Lukas Glaus
Bild: zvg.

Wenn eine Herzklappe undicht wird, kann sie durch eine Operation entweder durch eine künstliche Klappe ersetzt oder rekonstruiert werden. Eine Rekonstruktion ist für Patienten besser, da eigenes Gewebe verwendet wird und nach der Operation keine blutverdünnenden Medikamente eingenommen werden müssen. Derzeit fehlt Herzchirurginnen und -chirurgen jedoch eine zuverlässige Methode, um die Dichtigkeit einer reparierten Klappe bereits während der Operation zu überprüfen. Dies kann Nachjustierungen erforderlich machen, welche die Operation verlängern und ein erhöhtes Risiko für Patienten darstellen.

Der Arzt und Maschinenbauingenieur Lukas Glaus und sein Team vom UniBE-Spin-off TightValve haben sich zum Ziel gesetzt, Operationen an der Aortenklappe sicherer zu machen. TightValve ist ein Gerät, das Undichtigkeiten von rekonstruierten Herzklappen direkt während der Operation erkennt, sodass diese sofort behoben werden können. Die Technologie könnte das Patientenrisiko verringern, Operationszeiten verkürzen und Gesundheitskosten senken. Die Fellowship wird einen ersten Proof-of-Concept am Menschen sowie die Entwicklung einer IP-, Regulierungs- und QMS-Strategie ermöglichen.

Gjon Markaj: Hocheffizienter Neutronendetektor der nächsten Generation

Porträt Gjon Markaj
Bild: zvg.

Neutronen werden zur Forschung in der Materialwissenschaft und der Grundlagenphysik eingesetzt sowie um Anwendungen im Energie- und Sicherheitssektor zu unterstützen. Viele bestehende Detektorsysteme haben jedoch Schwierigkeiten mit den intensiven Strahlen, die an modernen Anlagen erzeugt werden. Ziel dieses Projekts ist es, den von Gjon Markaj und Kollegen am Albert Einstein Center for Fundamental Physics der Universität Bern entwickelten Neutronendetektor zu einem praxistauglichen Gerät für Forschungseinrichtungen weiterzuentwickeln.

Der wesentliche Vorteil des neuen Detektors ist seine Fähigkeit auch jenseits der Leistungsgrenzen vieler bestehender Technologien stabil zu arbeiten. Sein modularer Aufbau ermöglicht die Anpassung an unterschiedliche Laboranforderungen. Die UniBE Venture Fellowship unterstützt die Weiterentwicklung des Prototyps sowie dessen Charakterisierung zusammen mit künftigen Nutzenden und Kunden. Ziel ist es, ein zuverlässiges Detektorsystem zu entwickeln, das anspruchsvollere Experimente ermöglicht und die Grundlage für ein zukünftiges kommerzielles Produkt bildet.

VENTURE FELLOWSHIP

Das Venture Fellowship Programm an der Universität Bern

Das Venture Fellowship Programm der Universität Bern ermöglicht jährlich Jungforscherinnen und Jungforschern während eines Jahres ihre translationale Forschung weiterzuführen, um die technische Machbarkeit (Proof-of-Concept) ihrer Projekte zu prüfen und die Vermarktung entsprechend vorzubereiten. Das Innovation Office der Universität Bern unterstützt sie dabei mit Beratung, Mentoring und Vernetzung, in Kooperation mit be-advanced – der Startup-Coaching Plattform des Kantons Bern. Die mit je 100'000 Franken dotierten Fellowships werden gemeinschaftlich finanziert durch die Universität Bern, das ARTORG Center for Biomedical Engineering Research und das Inselspital. Ferner unterstützt das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) das Programm.