«Ich bin dankbar, Teil einer dynamischen Innovationsgemeinschaft zu sein.»
Die Planung einer Strahlentherapie ist ein komplexer Prozess mit mehreren Iterationen, die den Therapiebeginn bestimmen. Amith Kamath möchte diesen mit seinem Projekt beschleunigen und den behandelnden Fachpersonen ermöglichen, die Strahleneffekte der Konturierung zu verfolgen und zu quantifizieren, um so maximale Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten. An der Universität Bern findet er dafür ein sehr unterstützendes Umfeld.
Steckbrief
| Name | Amith Kamath |
|---|---|
| Projekt | ContourAId |
| Expertise | BTech Electrical Engineering, MS Computer Science, PhD Biomedical Engineering |
| Arbeitsort | Medical Image Analysis, ARTORG Center for Biomedical Engineering Research |
Eine Strahlentherapie zu planen ist zeitaufwändig und fehleranfällig. ContourAId ist ein Tool zur Effizienzsteigerung der Konturierung (Definition der Tumorgrenzen und der Strahlendosis für den Patienten). Es unterstützt Ärzte bei der Beurteilung der Auswirkungen von Konturabweichungen auf die Dosis, insbesondere in Abhängigkeit von deren Nähe zu empfindlichen Organen. Das übergeordnete Ziel ist eine schnelle und gleichzeitig sichere Planung der Strahlentherapie.
Amith Kamath, wie möchten Sie den medizinischen Arbeitsablauf verändern? Heute wartet jeder, der eine Strahlentherapie benötigt (etwa 250'000 Menschen pro Jahr), bis zu einer Woche auf den Beginn der Behandlung. Das liegt daran, dass die Behandlungsplanung mehrere Schritte durchlaufen muss: Zunächst zeichnet eine Strahlentherapeutin die Konturen des Tumors und der gesunden Organe von Hand ein (auf einem zweidimensionalen Bild; in einigen Spitälern wird dies KI-unterstützt). Anschliessend bewertet eine vorgesetzte Person die Qualität dieser Konturen. Nach der Freigabe muss ein Medizinphysiker die Strahlendosis in 3D berechnen, die mit dem im Spital verfügbaren Scanner abgegeben werden kann. Seine Aufgabe ist es, die Dosis auf die Bestrahlungsziele (die Tumore) zu maximieren und gleichzeitig in gesundem Gewebe, wie z. B. den Augen oder Ohren, so weit wie möglich zu minimieren. Das Ergebnis dieser Aufgabe ist ein Behandlungsplan. Mit ContourAId möchten wir Radioonkologen zeitsparende und fundierte Entscheidungen ermöglichen, indem wir ihnen die Einbeziehung klinischer Informationen in den Konturierungsprozess erlauben. Wir hoffen, dass dieses System die Effizienz und Kommunikation verbessert und so eine schnellere und effektivere Therapieplanung ermöglicht. Je nach Tumorart kann ein Hinauszögern des Behandlungsbeginns zu Tumorwachstum führen. Durch eine Beschleunigung des gesamten Prozesses wird die Behandlung effektiver.
Was inspiriert Sie? Es ist mir wichtig, nicht nur wissenschaftliche Artikel zu schreiben, die dann in einem Bücherregal verstauben. Etwas Nützliches für Kliniken zu entwickeln, inspiriert mich. Ich komme aus einer Familie von Ärztinnen und Ärzten und schätze es, ihre Arbeitsabläufe durch technische Innovationen zu vereinfachen. Ich lasse mich auch von der Innovationsgemeinschaft hier inspirieren und bin dankbar, ein Teil davon zu sein. Die Forschungsgruppe für Medical Image Analysis am ARTORG Center und die Universität Bern haben eine lange Tradition von Spin-offs, die wirkungsvolle klinische Produkte hervorbringen. Meine Berater drücken das so aus: „Wenn ich von einem einzigen Patienten höre, dass unsere Arbeit geholfen hat, bedeutet das mehr als wissenschaftliche Zitate.“
Wo steht Ihre Innovation derzeit? Auf der technischen Seite entwickeln wir gerade eine erste funktionsfähige Version unseres Produkts, um sie mit unseren klinischen Partnern zu validieren. In schnellen Iterationen mit ihnen wollen wir die Problem-Lösung Passung und Benutzerfreundlichkeit unseres Designs testen. Am Ende der Fellowship wollen wir eine Version unseres Tools haben, die von Klinikerinnen und Klinikern zur täglichen Verwendung angenommen wird. Auf der unternehmerischen Seite möchten wir zusätzliche Finanzierung sichern und unser Team erweitern. Die Klärung der regulatorischen Anforderungen mit Unterstützung eines speziellen Teams hier am ARTORG Center steht ebenfalls an. Wir planen ausserdem, regelmässige Symposien zum Einsatz von KI in der Strahlentherapie abzuhalten (das erste „BART” fand im Frühjahr 2025 statt), um eine starke Gemeinschaft von Anwendern und Interessierten zu bilden.
Wie unterstützt Sie die UniBE Venture Fellowship auf diesem Weg? Die Fellowship gibt mir die Freiheit, über die reine akademische Forschung hinauszugehen und mich auf die praktische Umsetzung zu konzentrieren. Sie erweitert also unseren Handlungsspielraum und gibt uns als angehende Unternehmer Zeit, strategische Ausrichtungen mit weniger Druck zu erkunden. Darüber hinaus ist auch das Netzwerk der Venture Fellows sehr wertvoll. Wir tauschen uns über zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten aus und darüber, wie wir diesen Übergang gemeinsam bewältigen können. Ausserdem haben zwei Stipendiaten aus dem letzten Jahr den BRIDGE Proof of Concept erhalten. Solche Vorbilder zu haben, denen man nacheifern und von denen man lernen kann, ist toll. Teil dieses florierenden Ökosystems zu sein, das persönliche Coaching und die Interaktion mit Unitectra und der breiteren Community sind allesamt grosse Pluspunkte.
Welche Learnings möchten Sie anderen weitergeben? Die meisten von uns, die an diesem Programm teilnehmen, sind akademische Forschende. Der Übergang zu einem Start-up-Mindset ist eine steile Kurve. Ein Produkt zu entwickeln, das nicht unbedingt akademisch interessant ist, aber am besten für den Markt geeignet, ist keine triviale Aufgabe. Mit dem Innovation Office, dem ARTORG Center und sitem-insel haben wir ein grossartiges lokales Umfeld, um Forschung in die Praxis zu überführen. Daher würde ich allen raten, sich frühzeitig mit all diesen Menschen zu vernetzen und sich gegenseitig zu unterstützen, Ihre Projekte voranzubringen. Für mich war es sehr hilfreich, dass andere Start-ups im ARTORG Center gerne ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu regulatorischen Schritten oder Pitching geteilt haben. Ausserdem habe ich im zweiten Jahr meiner Promotion den Innosuisse-Kurs absolviert und mich am Masterstudiengang für translationale Medizin beteiligt, den ich wärmstens empfehlen kann, da er mich zum Innovation Office geführt hat. Für mich lautet die allgemeine Erkenntnis, die Augen offen zu halten und bewusst zu netzwerken.
Venture Fellowship
Das Venture Fellowship Programm der Universität Bern
Das Venture Fellowship Programm der Universität Bern ermöglicht jährlich Jungforscherinnen und Jungforschern während eines Jahres ihre translationale Forschung weiterzuführen, um die technische Machbarkeit (Proof-of-Concept) ihrer Projekte zu prüfen und die Vermarktung entsprechend vorzubereiten. Das Innovation Office der Universität Bern unterstützt sie dabei mit Beratung, Mentoring und Vernetzung, in Kooperation mit be-advanced – der Startup-Coaching Plattform des Kantons Bern. Die mit je 100'000 Franken dotierten Fellowships werden gemeinschaftlich finanziert durch die Universität Bern, das ARTORG Center for Biomedical Engineering Research und das Inselspital. Ferner unterstützt das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) das Programm.
