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Michael Schmid

Michael Schmid, Rudern, 30 Jahre

Michael Schmid ist Ruderprofi, hat an der Universität Bern Sportwissenschaft und Psychologie studiert und im Winter 2018 seinen Master in Psychologie abgeschlossen. Michael ist Olympiateilnehmer (Rio de Janeiro, Brasilien 2016) und Europameister (Račice, Tschechien 2017 und Glasgow, Schottland 2018), seit 2004 gehört er zur Schweizerischen Nationalmannschaft.

Michael Schmid wirkt ruhig, ausgeglichen – als ob ihn die Doppelbelastung zwischen Spitzensport und Studium überhaupt nicht aus der Balance bringen könnte. Und tatsächlich sei das Pendeln zwischen den beiden Standbeinen für ihn grösstenteils gut zu managen gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass Michael, der bereits als Kind zum ersten Mal in einem Ruderboot auf dem Wasser war, früh gelernt hat, sich selber zu organisieren und seine Zeit einzuteilen. „Natürlich ist es wichtig, eine frühzeitige Planung zu machen – dabei gleiche ich meine fixen Trainingszeiten am nationalen Trainingszentrum in Sarnen mit den Veranstaltungen im Studium und anderen Terminen ab. Wichtig ist, dass alle Beteiligten wie Trainer, Dozenten und Professoren frühzeitig informiert sind, damit keine Unzufriedenheiten entstehen.“ In der Regel trainiert Michael an sechs Wochentagen, meist in Sarnen. Dazu kommen diverse Trainingslager im Ausland – zirka zwölf Wochen pro Jahr – und viele Wettkämpfe.

Training - im In- und Ausland

Da die Rudersaison im April mit den ersten Weltcuprennen beginnt und bis zur WM Anfang September andauert, war es für Michael im Herbstsemester immer deutlich einfacher, die Vorlesungen regelmässig zu besuchen. „Eine grosse Erleichterung sind im Studiengang Psychologie die Podcasts. So konnte ich die Vorlesungen irgendwo zwischen einem Training und dem nächsten Termin anschauen und den Stoff lernen.“ Bei Praxisfächern im Sportstudium sei die Organisation und die Flexibilität oft schwieriger gewesen. Im Grossen und Ganzen aber, meint Michael, haben die Dozenten und Professoren Verständnis für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler gezeigt.

Manches dauert länger...

Dass viele Kolleginnen und Kollegen ihr Studium bereits abgeschlossen haben und Michael immer noch am Studieren ist, stört ihn nicht. „Es ist ein anderes Leben beziehungsweise ein anderer Fokus, den ich gewählt habe und der Sport hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ich hatte eine Phase Anfang Zwanzig, in der nicht alles so lief, wie ich mir das sportlich gewünscht und vorgestellt habe. Wichtig ist, die Balance und das passende Mass an Training, aber auch Erholung und Freizeit wiederzufinden.“ Darum rät er auch jungen Sportlern, den Spitzensport auszuprobieren, wenn sich die Gelegenheit dafür bietet. Jedoch immer auch mit einem Ausgleich neben dem Sport, sei es in Form eines Studiums oder einer anderen Ausbildung. Auch wenn der gewählte Ausbildungsweg wohl immer etwas länger dauert als bei Nicht-Spitzensportlern. Die Gefahr, sich nur im Sport zu verlieren oder sich gar nur über den Sport zu definieren, sei da. Gerade aus diesem Grund schätzt Michael immer wieder den Austausch mit Studierenden oder Freunden, bei denen es in den Gesprächen einmal nicht nur um den Sport geht, sondern um Alltagsthemen.

Fokus - Olympia?

Für die Zukunft ist sich Michael noch nicht ganz sicher, in welche Richtung es gehen soll. Im beruflichen Bereich hat er bereits erste Erfahrungen als Arbeitspsychologe gesammelt. Momentan sieht es aber eher danach aus, dass der Sport für ihn in den nächsten paar Jahren den höchsten Stellenwert behalten soll. „Wenn ich mich dafür entscheide, dass die Olympischen Spiele 2020 in Tokio mein Ziel sind, wird das Thema Beruf noch etwas warten müssen. Ab April tritt Michael vorerst seine Arbeitsstelle als Assistent beim Institut für Sportwissenschaft in Bern an.

Wie das Leichteste der Welt

Wenn man mit Michael Schmid spricht, bekommt man das Gefühl, es sei das Leichteste der Welt, auf einem Ruderboot zum Europameistertitel zu fahren und nebenbei noch ein Bachelorstudium in Sport und Psychologie und ein Masterstudium in Psychologie abzuschliessen. Es wird aber auch klar, dass neben seiner unübersehbaren Freude und Begeisterung fürs Rudern ganz viel Selbstdisziplin, Training und Zeitmanagement nötig sind.