9 Inno Grants für gesellschaftliche Transformation

Wie kann Forschung die Gesellschaft beeinflussen? Neun Forscher der UniBE beginnen mit einem Inno Grant.

Besserer Umgang mit städtischer Hitze und Schlaflosigkeit, auf dem Laufenden bleiben über Forschungsfortschritte, massgeschneiderte Therapien, Unterstützung von KMUs und die Sicherung lokaler Energieproduktion - viele Ideen, die an der Universität entstanden sind, unternehmen jetzt die ersten Schritte, auf dem Markt umgesetzt zu werden. Die Projekte wurden aus 43 eingereichten in einem mehrstufigen Jury-Verfahren ausgewählt.

Yann Alibert (Physikalisches Institut & CSH)

Rxiv-hub, ein KI-basiertes Empfehlungssystem für Preprints

Täglich werden auf arXiv, dem wichtigsten Preprint-Dienst für die exakten Wissenschaften, mehr Preprints veröffentlicht (monatlich sind es etwa 24.000 Beiträge). Für Forschende ist es daher zunehmend schwierig, mit den Fortschritten in ihrem Fachgebiet Schritt zu halten. Am Physikalischen Institut und dem Center for Space and Habitability haben Yann Alibert und seine Gruppe ein neues, vollautomatisiertes Empfehlungssystem namens „rxiv-hub“ entwickelt, das registrierten Nutzenden für ihre Forschungsinteressen die wichtigsten Preprints bereitstellt. Mithilfe eines speziell entwickelten Large Language Models erfasst das Produkt automatisch die Semantik der Forschungsinteressen des Forschenden und identifiziert die relevantesten, kürzlich veröffentlichten Preprints im jeweiligen Fachgebiet.

Manuela Eugster (ARTORG Center)

Positionssensor für einen medizinischen Miniaturroboter

Medizinische Roboterinstrumente, die in den Körper eingeführt werden, unterliegen zahlreichen Konstruktionsbeschränkungen, sodass Sensorkomponenten häufig außerhalb des Patienten und nicht an der Spitze des Instruments angebracht werden. Das bedeutet, dass das Instrument anhand von Informationen aus größerer Entfernung gesteuert wird, was die Genauigkeit beeinträchtigen und die Erkennung von Problemen während des Einsatzes verlangsamen kann. Manuela Eugster und die Neuro Robotics Group am ARTORG Center for Biomedical Engineering Research und der Universitätsklinik für Neurochirurgie arbeiten an der Entwicklung neuartiger Sensorlösungen, die direkt in medizinische Miniaturrobotersysteme integriert werden können und eine präzise Rückmeldung über die Position der Roboterspitze ermöglichen. Der UniBE Inno Grant wird das Projekt dabei unterstützen, einen Proof-of-Concept für einen Sensor zu realisieren, indem dieser in einen innovativen Zahnmedizinroboter integriert wird, der im Rahmen eines von Innosuisse finanzierten Projekts am BIROMED-Lab, DBE, der Universität Basel in Zusammenarbeit mit der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin der Universität Zürich, der in Basel ansässigen Camlog Biotechnologies GmbH und dem ARTORG Center entwickelt wurde.

Sabrina Jud (Institut für Sportwissenschaft)

Dance Knowledge Hub – Eine Brücke zwischen Tanzwissenschaft und Praxis

Der „Dance Knowledge Hub“ möchte Tanzschaffenden wissenschaftlich fundiertes Wissen zugänglich machen. Er stellt niederschwellige Formate für den Wissenstransfer bereit und bietet Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung. Im Fokus stehen Themen wie gesundheitsorientierte und sichere Praxis- und Trainingsbedingungen, Trainingsoptimierung, motorisches Lernen und Fertigkeitserwerb sowie psychologisch förderliche Lernumgebungen. Der Hub dient zudem als Plattform für den Austausch zwischen Fachpersonen und Organisationen, fördert den Dialog und schafft Synergien zwischen Forschung, Bildung und Tanzpraxis. Ziel ist es, ein nachhaltiges Angebot zu schaffen, das die Qualität von Tanzunterricht und Tanzpraxis stärkt und gesundheitsorientierte Ansätze fördert. Das von Sabrina Jud initiierte und geleitete Projekt an der Abteilung Bewegungs- und Trainingswissenschaft entsteht in enger Zusammenarbeit mit PD Dr. Andrea Schärli und wird den Bedarf von Tanzschaffenden in der Schweiz ermitteln, erste Formate entwickeln und erproben sowie ein erstes Symposium organisieren und evaluieren.

Warissara Jutidamrongphan (Universitätsklinik für Nuklearmedizin)

Vom validierten Algorithmus zum klinischen Instrument für eine personalisierte Tumorbehandlung

Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs erhalten Patienten trotz unterschiedlichen Krebsstadien aktuell eine identische Radioligandentherapie (RLT). Anhand medizinischer Bildgebung (PET-Scans) kann die Grösse der Tumore nicht zuverlässig bestimmt werden, sodass Behandlungsentscheide auf visuellen Schätzungen beruhen. Dies kann zu unnötig hoher Strahlenbelastung und hohen Kosten (über 180'000 CHF pro Patient) führen. An der Universitätsklinik für Nuklearmedizin des Inselspitals hat Warissara Jutidamrongphan STEM mitentwickelt, eine Software, die die Tumorlast im gesamten Körper automatisch direkt aus Routinescans ermittelt. STEM identifiziert, welche Patienten am meisten von der Therapie profitieren werden, und unterstützt objektive Therapieentscheide. Der Inno Grant unterstützt die Transformation von STEM von einer Forschungsmethode in ein klinisches Instrument – der erste Schritt zu einem UniBE Spin-off.

Caroline Kähr Serra (Institut für Marketing und Unternehmensführung)

AIGentGate: Pilotvalidierung einer strukturierten Pre-Sales-Automatisierung für Schweizer KMU

Schweizer KMU haben zunehmend Schwierigkeiten, neue Kunden systematisch zu gewinnen, da die frühe Phase der Akquise zeitaufwendig ist und qualifizierte Vertriebsmitarbeitende schwer zu finden sind. AIGentGate entwickelt und testet einen neuen strukturierten Vertriebsansatz: Unternehmen werden dabei unterstützt, relevante Zielkunden zu identifizieren, gezielt anzusprechen und qualifizierte Termine zu generieren. Im Rahmen des UniBE Inno Grants wird ein Team um Caroline Kähr Serra konkrete Pilotprojekte durchgeführt, um zu prüfen, wie effektiv dieser Ansatz in der Praxis funktioniert und welchen Nutzen er für Unternehmen bringt.

Patrick Kallabis (Geographisches Institut)

MYURBANCLIMATE: Ein webbasiertes Planungsinstrument für standardisierte städtische Temperaturmessnetze

Schweizer Städte sind aufgrund dichter Bebauung und geringer Vegetation deutlich wärmer als ihr Umland. Diese erhöhten Temperaturen bergen erhebliche Gesundheitsrisiken, insbesondere für vulnerable Personen. Temperaturmessnetze helfen Städten, Hitze-Hotspots zu identifizieren und zu beobachten. Jedoch erfordern die Planung und der Aufbau solcher Messnetze Fachwissen, über das die meisten Städte nicht verfügen. myurbanclimate ist ein webbasiertes Planungsinstrument, das diesen Prozess automatisiert. Nutzende markieren ein Gebiet auf einer Karte – myurbanclimate berechnet die optimale Anzahl an Sensoren und deren Platzierung, erstellt einen Wartungsplan und generiert standardisierte Berichte. Dadurch werden städtische Temperaturmessungen für Stadtverwaltungen und Stadtplaner:innen in der ganzen Schweiz zugänglich und erschwinglich.

Sven Nösberger (Department für Chemie, Biochemie und Pharmazie)

GDE Analytics

Da weltweit nach sicheren und nachhaltigen Energieträgern gesucht wird, werden Wasserstofftechnologien künftig voraussichtlich eine Schlüsselrolle spielen. Die Entwicklung effizienter Brennstoffzellen und Elektrolyseure ist jedoch nach wie vor langsam und kostspielig. Als Teil der NanoElectroCatalysis Group hat Sven Nösberger eine neuartige Methode entwickelt, die automatisierte Hochdurchsatz-Experimente mit maschinellem Lernen kombiniert, um die Entwicklung besserer Materialien zu beschleunigen. Durch die Generierung industrierelevanter Daten in bislang unerreichter Geschwindigkeit verkürzt die Methode Entwicklungszyklen, senkt Kosten und trägt dazu bei, saubere Wasserstofftechnologien schneller zur Marktreife zu bringen. Dadurch werden Energiesicherheit gestärkt und die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern reduziert.

Janja Novak (Institut für Veterinärmedizin)

Unterschlupf für Labormauskäfige: Umsetzung evidenzbasierter Haltung in die Laborpraxis

Standardunterkünfte für Labormäuse sind relativ karg gestaltet, da Hygiene und betrieblicher Nutzen Vorrang vor den Verhaltensbedürfnissen der Tiere haben. Diese Diskrepanz kann chronischen Stress auslösen und sowohl das Wohlergehen der Tiere als auch die Validität der Versuche beeinträchtigen. Die Forschung der Abteilung für Tierschutz zeigt, dass Mäuse Unterschlupfe mit tiefer Einstreu bevorzugen, die das Graben ermöglichen – was mit den vorwiegend verwendeten Käfigen mit individueller Belüftung (IVC) weitgehend unvereinbar ist. Janja Novak und ihr Team an der Abteilung für Tierschutz entwickeln einen einfach zu reinigenden Unterschlupf, der ein Grabfach in bestehende IVC-Systeme integriert. Durch die Verbesserung des Wohlergehens unter standardisierten Bedingungen kann diese Innovation präklinische Daten zuverlässiger und besser auf klinische Anwendungen übertragbar machen und bietet gleichzeitig ein grosses kommerzielles Potenzial für eine breite Einführung.

Christelle Robert (Institut für Pflanzenwissenschaft)

Marktfähigkeit eines pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittels zur Schlafunterstützung in der Schweiz

Schlafstörungen betreffen einen grossen Teil der Bevölkerung und haben erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Bestehende Lösungen sind oft nur begrenzt wirksam oder basieren auf Beruhigungsmitteln, weshalb viele Menschen nach natürlichen, wissenschaftlich fundierten Möglichkeiten suchen, um einen besseren Schlaf zu fördern. Christelle Robert und Madeleine Clough von der Forschungsgruppe „Chemische Ökologie und Gesundheit“ am Institut für Pflanzenwissenschaften entwickeln ein pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel, das den Tiefschlaf fördern soll. Im Rahmen des Inno-Grant-Projekts soll geprüft werden, ob dieses Nahrungsergänzungsmittel sicher, glaubwürdig und realistisch auf den Schweizer Markt gebracht werden kann, mit dem Ziel, Menschen, die nach Unterstützung für einen besseren Schlaf suchen, eine neue pflanzliche Alternative anzubieten.

Das Inno Grant an der Universität Bern

Das UniBE Inno Grant ist ein Förderinstrument, das seit 2024 Forschende dabei unterstützt, ein innovatives Produkt oder eine innovative Dienstleistung zu kreieren. Gefördert mit bis zu CHF 10,000 während sechs Monaten werden Projekte mit starkem sozialem und/oder kommerziellem Potenzial. Das Ziel des UniBE Inno Grants ist es, Forschende, KlinikerInnen, Mitarbeitende und Doktorierende zu ermutigen, aktiv an innovativen Projekten zu arbeiten, die den Transfer von Wissen und Technologie in die Wirtschaft und Gesellschaft beschleunigen.