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Klimaerwärmung bereits für jeden dritten Hitzetod verantwortlich

Eine internationale Studie, koordiniert von der Universität Bern und der London School of Hygiene & Tropical Medicine, zeigt erstmals den tatsächlichen Beitrag des menschengemachten Klimawandels an hitzebedingten Todesfällen. Zwischen 1991 und 2018 waren mehr als ein Drittel aller Todesfälle, bei denen Hitze eine Rolle spielte, auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Die bisher grösste Studie dieser Art mit Daten aus 732 Städten in 43 Ländern weltweit wurde soeben in der Fachzeitschrift «Nature Climate Change» veröffentlicht.

Die Klimaerwärmung wirkt sich verschiedentlich auf unsere Gesundheit aus. Ein direkter Effekt zeigt sich im Anstieg der hitzebedingten Krankheits- und Sterberaten. Szenarien zukünftiger Klimabedingungen sagen voraus, dass die Durchschnittstemperaturen erheblich steigen und extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen häufiger auftreten werden. Das führt zukünftig auch zu einem Anstieg der damit verbundenen Gesundheitsbelastung. Bisher wurde noch in keiner Studie untersucht, ob und in welchem Ausmass solche Auswirkungen in den letzten Jahrzehnten bereits eingetreten sind. Die internationale Studie «The burden of heat-related mortality attributable to recent human-induced climate change», koordiniert von der Universität Bern und der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM), belegt nun erstmals, dass 37 Prozent der durch Hitze verursachten Todesfälle zwischen 1991 und 2018 auf vom Menschen verursachte Klimaänderungen zurückgeführt werden können.

Je stärker die Klimaerwärmung, desto mehr Tote

Genauer gesagt wurden in der epidemiologischen Untersuchung die Auswirkungen der menschgemachten Klimaerwärmung analysiert. Dies geschah in einer sogenannten «Detection & Attribution»-Studie, die der Klimaerwärmung den menschgemachten Anteil zuordnet. Konkret untersuchten die Forschenden vergangene Wetterbedingungen unter Szenarien mit und ohne menschlichen Einfluss, und konnten so die menschgemachte Erwärmung und die damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen von natürlichen Veränderungen trennen. «Wir gehen davon aus, dass der Anteil der hitzebedingten Todesfälle weiterwächst, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen oder uns anpassen», sagt Ana Vicedo-Cabrera, Erstautorin der Studie vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin und vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. «Bis jetzt hat die globale Durchschnittstemperatur lediglich um rund 1°C zugenommen, das ist ein Bruchteil dessen, was auf uns zukommen könnte, wenn die Emissionen weiter unkontrolliert wachsen.»

Regionale Unterschiede bei hitzebedingten Gesundheitsrisiken

Zwar ist im Durchschnitt mehr als ein Drittel der hitzebedingten Todesfälle auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen, die Auswirkungen variieren je nach Region aber erheblich. Die Zahl der klimabedingten Hitzeopfer beträgt je nach Standort jährlich zwischen einigen Dutzend bis mehreren hundert Toten, abhängig von den lokalen Klimaveränderungen in jedem Gebiet und der Anfälligkeit der Bevölkerung. Am stärksten betroffen sind Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Mittel- und Südamerika und Südostasien, die in der Vergangenheit nur für einen geringen Teil der anthropogenen Emissionen verantwortlich waren. «Unsere Studie stellt die umfassendste Untersuchung zur Erkennung und Zuordnung aktueller Gesundheitsrisiken in Bezug auf den Klimawandel dar», sagt Antonio Gasparrini, Letztautor der Studie von der London School of Hygiene & Tropical Medicine. «Die Botschaft ist klar: Der Klimawandel wird nicht nur in der Zukunft verheerende Auswirkungen haben, sondern wir erleben bereits jetzt die schwerwiegenden Folgen menschlicher Aktivitäten auf unserem Planeten.»

Jeder dritte hitzebedingte Todesfall in der Schweiz ist auf den Klimawandel zurückzuführen

Auch in der Schweiz mit vergleichsweise kleinen Unterschieden in den Lebensbedingungen und nach wie vor gemässigten Temperaturen sollte man die Hitzerisiken «nicht unterschätzen», wie Ana Vicedo-Cabrera sagt. So sei einer von drei Hitzetoten auf den Klimawandel zurückzuführen, da für die Schweiz die Schätzung bei rund 30 Prozent liegt.

Die Forschung zu Klimawandel und Gesundheit ist eines der Schwerpunktthemen des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung. Eine entsprechende Forschungsgruppe wurde 2019 gemeinsam mit dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern gegründet. Geleitet wird sie von Dr. Ana M. Vicedo-Cabrera, der Erstautorin der soeben erschienen internationalen Studie zu Hitzemortalität und Klimawandel.

Oeschger-Zentrum für Klimaforschung

Das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung (OCCR) ist eines der strategischen Zentren der Universität Bern. Es bringt Forscherinnen und Forscher aus 14 Instituten und vier Fakultäten zusammen. Das OCCR forscht interdisziplinär an vorderster Front der Klimawissenschaften. Das Oeschger-Zentrum wurde 2007 gegründet und trägt den Namen von Hans Oeschger (1927-1998), einem Pionier der modernen Klimaforschung, der in Bern tätig war.

www.oeschger.unibe.ch 

Institut für Sozial- und Präventivmedizin 

Seit 1971, seit 50 Jahren, engagiert sich das Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern für die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden von Individuen und der Gesellschaft. Durch qualitativ hochstehende Forschung in den Bereichen Prävention, Sozialmedizin, Epidemiologie, Biostatistik und Public Health und zusammen mit zahlreichen nationalen und internationalen Partnern steht das ISPM für «Gesundheit für alle».

Neben der Spitzenforschung widmet sich das ISPM unter anderem der Ausbildung der nächsten Generation von Epidemiologinnen und Epidemiologen, Public-Health-Forschenden sowie Ärztinnen und Ärzten. Das ISPM beteiligt sich aktiv an universitären Lehrprogrammen für Studierende der Medizin, Pharmakologie, Biomedizintechnik und Biomedizin.

http://www.ispm.unibe.ch/

Publikation: 

A.M. Vicedo-Cabrera et al.: The burden of heat-related mortality attributable to recent human-induced climate change. Nature Climate Change, 31 May 2021, doi: 10.1038/s41558-021-01058-x, https://www.nature.com/articles/s41558-021-01058-x

31.05.2021