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Die ganze Welt in tausend Essays

Alexander von Humboldt ist als Naturforscher und Reiseschriftsteller weltweit bekannt. Dennoch waren seine Aufsätze und Artikel bislang nicht erschlossen. Zu Humboldts 250. Geburtstag erscheint nun die Berner Ausgabe seiner «Sämtlichen Schriften». Am 2. September 2019 wird sie in einer Buchvernissage der Öffentlichkeit vorgestellt.

Alexander von Humboldt (1769–1859) wurde durch seine Expeditionen nach Amerika (1799–1804) und Zentral-Asien (1829) weltberühmt. Neben seinen bekannten Buchwerken – wie dem Kosmos – verfasste er in sieben Jahrzehnten mehrere Hundert Aufsätze, Artikel und Essays, die international in Zeitschriften und Zeitungen erschienen und jetzt erstmals gesammelt als «Sämtliche Schriften» herausgegeben werden.

Humboldts «Anderer Kosmos»

Humboldts kleinere Schriften berichten von seinen Expeditionen – etwa von den Urvölkern Amerikas und den Denkmälern, die von ihnen übrig geblieben sind. Sie leisten Beiträge zu zahlreichen Fachgebieten – von der Anthropologie über die Zoologie bis hin zur Klimawissenschaft. «Als öffentlicher Intellektueller nimmt Humboldt Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Themen: zu Kolonialismus, Sklaverei, Welthandel und Judenemanzipation», erklärt Humboldtexperte Oliver Lubrich, Professor am Institut für Germanistik und Herausgeber der «Sämtlichen Schriften». Humboldt entwarf wissenschaftliche Programme und Visionen für weltweite Beobachtungsstationen, multimediale Erlebnisräume und einen Panama-Kanal. Seine Schriften, die er während 70 Jahren veröffentlichte, enthalten zahlreiche Informationen über sein Leben. Und sie sind nicht zuletzt von ästhetischer Qualität. «Als Verfasser vielbändiger Grosswerke war Humboldt aber auch ein Meister der kleinen Formen», so Lubrich. Während er in seinem Kosmos die ganze Welt in einem Buch beschrieb, bilden die Schriften seinen «anderen Kosmos»: die ganze Welt in 1’000 Essays.

Umfangreichste Humboldt-Edition

Diese Essays wurden nun in mehrjähriger Arbeit zusammengeführt. Das Ergebnis: die systematische Sammlung von Humboldts Aufsätzen, Artikeln und Essays in der Berner Ausgabe der «Sämtlichen Schriften». Die Edition, die zunächst in 10 Bänden mit über 6‘800 Seiten im dtv und in zwei Jahren auch digital publiziert wird, umfasst Veröffentlichungen in 15 Sprachen aus 1’240 Zeitungen und Journalen, die an 450 Orten in aller Welt erschienen sind. 95% dieser Texte waren seit Humboldts Tod nie wieder gedruckt worden.

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich an der Universität Bern sammelte, bibliographierte, edierte und kommentierte erstmals Humboldts Schriften. Das Projekt wurde seit 2013 vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert. «Die Berner Ausgabe ist die umfangreichste Humboldt-Edition seit den Lebzeiten des Autors», erklärt Mitherausgeber Thomas Nehrlich, «wir sind glücklich, dass wir diese Pionierarbeit leisten konnten».

Die Berner Ausgabe enthält auch Humboldts letzten Artikel, den der fast 90-Jährige kurz vor seinem Tod publizierte: Darin bittet er die Öffentlichkeit, ihn mit Gutachteranfragen zu verschonen, mit Autogrammwünschen sowie mit «Anerbietungen, mich häuslich zu pflegen, zu zerstreuen und zu erheitern». «Humboldts Biografie wird auf der Grundlage seiner Schriften neu zu schreiben sein», fasst Lubrich zusammen. «Aber die Berner Ausgabe lädt vor allem ein zur Reise und zur Lektüre.»

Gerne laden wir Sie ein zur Buchvernissage Alexander von Humboldts «Sämtliche Schriften»:

Datum:

Montag, 2. September 2019, 18.30 Uhr

Ort:

Wasserwerkgasse 15, 3011 Bern

Die Herausgeber, Prof. Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, stellen die Ausgabe vor, Mitglieder des Editionsteams präsentieren ausgewählte Texte; anschliessend Apéro.

Um Anmeldung bis 29. August 2019 wird gebeten unter: thomas.nehrlich@germ.unibe.ch

Projektseite des Instituts für Germanistik: http://www.humboldt.unibe.ch

Alexander von Humboldt

Der Kosmopolit und Naturforscher Alexander von Humboldt, 1769 geboren in Berlin, bereiste Amerika und Asien und lebte lange in Paris. Er verfasste seine Schriften auf Deutsch, Französisch und Latein, sie erschienen aber auch auf Spanisch, Englisch oder Russisch. Während sieben Jahrzehnten war er in fast allen Disziplinen seiner Zeit tätig: Archäologie, Botanik, Geologie, Kartographie, Mineralogie, Zoologie und viele mehr. Berühmt wurde Humboldt durch seine Forschungsreisen durch die spanischen Kolonien (1799-1804) und das russische Reich (1829) sowie durch sein Grosswerk «Kosmos» (1845-1804), das «die ganze Welt in einem Buch» darstellt.

Weitere Informationen im UniPress «Humboldts neue Welt»

Die Berner Ausgabe

Sieben Textbände enthalten rund 750 Erstdrucke sowie ergänzende Textfassungen. Drei Ergänzungsbände erschliessen das Material: Der Apparatband enthält die Einführung und den Editorischen Bericht, Register der Personen und Orte, Glossare sowie Inhalts- und Quellenverzeichnisse. Der Übersetzungsband stellt Übertragungen der noch nie in deutscher Sprache erschienenen Texte zur Verfügung. Im Forschungsband verfolgen Transversalkommentare 21 Fragestellungen durch das Corpus.

Weitere Informationen des Verlags

Buchvernissage «Botanik in Bewegung»

Literatur- und Pflanzenwissenschaftler haben an der Universität Bern gemeinsam eine Ausstellung und ein Buch über Humboldts Ökologie erarbeitet: «Botanik in Bewegung». Alexander von Humboldt versetzte die Botanik in einem doppelten Sinn «in Bewegung»: Er erforschte Pflanzen auf seinen Expeditionen in freier Natur, und er dynamisierte das System der Naturgeschichte nach Carl von Linné, indem er nicht mehr nur einzelne Arten klassifizierte, sondern ihrer Verbreitung über die Erde folgte und sie im Kontext ihrer Umwelt betrachtete. «Botanik in Bewegung» liefert eine Erzählung von Alexander von Humboldts botanischem Schaffen und setzt es ins Verhältnis zur modernen Pflanzenwissenschaft. Nach ihrer Premiere in Bern ist die Ausstellung «Botanik in Bewegung» noch bis Ende September im Botanischen Garten in Hamburg zu sehen.

Die Buchvernissage findet am Mittwoch, 28. August 2019, um 18.30 Uhr im Botanischen Garten der Universität Bern BOGA, Altenbergrain 21, 3013 Bern, statt (bei schönem Wetter auf der Terrasse, bei schlechtem Wetter im Sukkulentenhaus).

Bitte melden Sie sich unter presse@haupt.ch an.

23.08.2019