Porträt Geschichte

Geschichte und Architektur

Ehemaliges Kantonales Oberseminar

Muesmattstrasse 27

Was oberflächliche BetrachterInnen, indem sie das ehemalige Oberseminar mit Stilbezeichnungen einzuordnen versuchen, oft übersehen: Das romantisch-schlösschenhafte Äussere steht in einem engen Zusammenhang mit der Funktion des Gebäudes. weiter

Gebäudefoto

Dass Friedrich Bürgi, der 1904 das Gebäude erbaute, das Baugesuch als "Baumeister und Lehrer" unterschrieb, beweist, dass bei der Realisierung des Projekts die Belange der Pädagogik eine wesentliche Rolle spielten! Das aus neugotischen Elementen und Jugendstilornamenten zusammen gestellte Gebäude kann als architektonische Umsetzung reformpädagogischen Gedankenguts betrachtet werden. Tatsächlich ist das ehemalige Oberseminar eines der schönsten unter vielen Schulhäusern, die unverhohlen auf gotisches Formengut anspielen. In der Architektur war die Verknüpfung von Sozialreform und Idealisierung der Gotik ein verbreitetes Thema - von John Ruskin und der Arts&Crafts-Bewegung bis hin zum Bauhaus, dessen Gründungsmanifest eine stilisierte Kathedrale zeigte. Der gotische Steinmetz war, vereinfacht gesagt, der Prototyp für das Bild eines ausgewogenen Menschen, zu dessen Persönlichkeit Kopf, Hand und Herz zu gleichen Anteilen beitragen.

Innenaufnahmen

Der, in hochstehender Handwerksarbeit ausgeführte Schmuck des Hauses - nebst der Bildhauerei verdienen Schmiedeeisen, Ornamentmalerei und Holzwerk besondere Erwähnung - ist somit mehr als das übliche repräsentative Beizeug: nämlich ein moralischer Appell an die BenutzerInnen, im Schulwesen nebst den intellektuellen Fähigkeiten Sinnlichkeit, Taktilität und Schönheit nicht zu vergessen.

Das Gebäude wurde 1984-89 vom Architekturbüro Andreas Furrer einer sorgfältigen Renovation unterzogen, bei welcher u. a. im Dachgeschoss eine Bibliothek eingebaut wurde.

Literatur: 

Kantonales Hochbauamt (Hrsg.), Universität Bern, Erziehungswissenschaften, Umnutzung Areal Muesmatt, Bern 1989