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Zwei Forschende der Universität Bern werden mit 4.8 Millionen unterstützt

Der Planetenphysiker Kevin Heng und die Kunsthistorikerin Beate Fricke erhalten vom Europäischen Forschungsrat je einen «Consolidator Grant» von rund zweieinhalb Millionen Franken. Ihre Projekte befassen sich mit der Suche nach Leben auf Exoplaneten und der Bedeutung des Horizonts in der Kunst.

Spuren von Leben richtig deuten

Die Atmosphären von Exoplaneten zu untersuchen ist – mit der Ausnahme von interstellaren Reisen – die einzige Möglichkeit, bewohnbare Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems zu entdecken. Um Leben aus der Ferne aufzuspüren, wird nach sogenannten Biosignaturen gesucht, das heisst atmosphärische Gase, die eindeutig mit biologischen Prozessen in Zusammenhang stehen. Welche Moleküle dabei als Biosignatur in Frage kommen, hängt jedoch sehr stark von den Umweltbedingungen eines Planeten ab. Dies wird weiterhin durch den Umstand erschwert, dass die Atmosphärenzusammensetzung eines erdähnlichen Planeten nicht von seiner Entstehungsgeschichte geprägt wird, sondern im Wesentlichen durch geochemische Zyklen, wie zum Beispiel dem Kohlenstoffzyklus. Geochemische Prozesse sind ausserdem in der Lage, dieselben Gase zu produzieren wie biologische und könnten daher fälschlicherweise als Hinweise auf Leben interpretiert werden. Das Ziel dieses ERC Projektes ist es daher, ein umfassendes Rahmenmodell aufzustellen, welches die Atmosphäre und den Kohlenstoffzyklus eines Exoplaneten zusammenhängend beschreibt. Damit ist es zum Beispiel möglich, die Stabilität und Eindeutigkeit von Biosignaturen zu untersuchen. Dies ist ein wesentlicher Schritt zur Erstellung eines probabilistischen Modells, mit dem man die mögliche Existenz von Leben auf Exoplaneten aus der Ferne beurteilen kann.

Prof. Dr. Kevin Heng ist Professor für Astronomie und Planetenphysik und der Direktor des Center for Space and Habitability (CSH). Er leitet die Arbeitsgruppe Exoplanets and Exoclimes, welche sich mit Theorie und Simulation der Atmosphären von Exoplaneten beschäftigt. Ausserdem ist er Mitglied des Core Science Teams der von Bern geleiteten CHEOPS-Mission, sowie der Schweizer Vertreter für die LUVOIR-Missionsstudie der NASA, welche das Ziel hat, bewohnbare Exoplaneten im nahen Universum zu entdecken.

Globale Horizonte in der Kunst des Mittelalters

Die fundamentalen Veränderungen in Kunst und Gesellschaft durch globale Beziehungen haben eine lange Geschichte, die weit ins Mittelalter reicht. In Schweizer Sammlungen gibt es zahlreiche bedeutende Objekte aus dem Mittleren Orient, Afrika, Asien, den Hochkulturen Amerikas der vorkolumbianischen Zeit und dem europäischen Mittelalter, in denen Bildraum und Horizont auf neue Weise dargestellt werden. Mit Hilfe des Consolidator Grants will Beate Fricke gemeinsam mit ihrem Team mehr über die Bedeutung und die Funktion des Horizonts in der Malerei, der Kartographie und der Kosmologie herausfinden. Auf diese Weise werden kulturübergreifend mit Expertinnen und Experten, die an Universitäten und Museen im In- und Ausland arbeiten, neue methodische Herangehensweisen für die kunsthistorische Forschung entwickelt. 

Beate Fricke ist Professorin für Ältere Kunstgeschichte an der Universität Bern. Von 2009–2016 hat sie Kunstgeschichte des Mittelalters an der University of California, Berkeley, unterrichtet. Gastprofessuren führten sie nach Shanghai und München. Ihre Forschungen konzentrieren sich auf die Beziehungen zwischen künstlerischer Produktion, Wissen, Kunsttheorie und den zeitgenössischen ökonomischen, religiösen und kulturellen Kontexten. 

Die «Consolidator Grants» aus Brüssel

Der von der Europäischen Union 2007 gegründete «European Research Council» (ERC) ist die wichtigste Förderagentur für europäische Spitzen-Grundlagenforschung. Seine Aufgabe und sein Anspruch ist die Förderung der freien Forschung der besten Forschenden Europas. Die Consolidator Grants haben zum Ziel, herausragende Forscherinnen und Forscher beim Aufbau von unabhängigen Gruppen zu unterstützen und ihre bereits gestartete Karriere weiter zu fördern.

05.12.2017

Prof. Dr. Kevin Heng. © Alessandro Della Bella.
Prof. Dr. Kevin Heng. © Alessandro Della Bella.