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Untersuchung zur Dunkelziffer nicht-natürlicher Todesfälle im Kanton Bern

Experten weisen seit mehreren Jahren darauf hin, dass viele nicht-natürliche Todesfälle (Unfälle, Suizide und Tötungsdelikte) unentdeckt bleiben. Um dieses Problem nun etwas besser quantifizieren zu können, wird an der Universität Bern eine wissenschaftliche Studie lanciert. Die Datenerhebung wird gewünscht von der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren und unterstützt durch die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern.

Das Phänomen der Dunkelziffer für nicht-natürliche Todesfälle ist zum Beispiel in Deutschland intensiv untersucht worden. In der entsprechenden Fachliteratur wird die dortige Dunkelziffer etwa für Tötungsdelikte mit 1 zu 1 angegeben; das heisst es wird nur jedes zweite Tötungsdelikt als solches erkannt und untersucht. Eine wesentliche Ursache für diese hohe Dunkelziffer liegt in der häufig nicht sorgfältig genug durchgeführten Leichenschau. In der Schweiz ist das Ausmass dieser Problematik bislang unbekannt. Deshalb soll nun auch hierzulande eine entsprechende Datenerhebung erfolgen.

Was ist geplant?

Das Projekt sieht vor, stichprobenartig eine zweite Leichenschau, die sogenannte Krematoriumsleichenschau, im Kanton Bern durchzuführen. Eine solche ist unter anderem in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Dabei erfolgt unmittelbar vor der Einäscherung eine Besichtigung der verstorbenen Person durch eine Rechtsmedizinerin oder einen Rechtsmediziner. Die Fachpersonen beurteilen, ob am Leichnam Hinweise für eine nicht-natürliche Todesart bestehen und werden diese mit der Todesbescheinigung vergleichen. Die Untersuchung wird nur wenige Minuten in Anspruch nehmen und den Einäscherungsprozess nicht verzögern. Die Datenerhebung wird anonym erfolgen; den Untersuchenden werden die Personalien der Verstorbenen nicht zur Kenntnis gebracht. Der Startzeitpunkt ist für 2018 vorgesehen. Eine entsprechende positive Stellungnahme der Kantonalen Ethikkommission liegt vor.

Im Anschluss an die Untersuchung werden die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Publikation zu dieser Studie:

Jackowski C, Hausmann R, Jositsch D (2014). Eine Dunkelziffer bei Tötungsdelikten in der Schweiz. Fiktion oder Realität? Kriminalistik, 68(10), S. 607-614 https://boris.unibe.ch/59423/

 

11.10.2017