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Pariser Klimagipfel 2015: Deutsche durch intensive Berichterstattung eher beruhigt als mobilisiert

Der Klimagipfel von Paris im Jahr 2015 wurde von einer umfassenden Berichterstattung durch die Medien begleitet. Deren Inhalte haben die deutsche Bevölkerung zwar erreicht, ihre Einstellung haben die Menschen jedoch kaum verändert. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Hamburg, an der das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern beteiligt war.

Die 21. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 21) fand Ende 2015 in Paris statt und die Medien weltweit berichteten umfassend. Knapp 70 Prozent der Deutschen erfuhren über das Fernsehen von der Konferenz. Das durchschnittliche Problembewusstsein für den Klimawandel änderte sich jedoch nicht. Insgesamt würden sich die Befragten nach dem Gipfel nicht klimafreundlicher verhalten. Ein Viertel aller Deutschen hörte überhaupt nichts über den Klimagipfel.

Michael Brüggemann und Imke Hoppe vom Exzellenzcluster «Integrated Climate System Analysis and Prediction» (CliSAP) der Universität Hamburg und ihr Team untersuchten, wie stark das Thema die Deutschen über die Medien erreichte. Dazu führten sie erstmals eine repräsentative Befragung in drei Stufen durch. Vor, während und nach der Konferenz wurden 1121 Teilnehmende zu ihrem Wissen und ihren Einstellungen zum Thema Klimawandel befragt, um so den Einfluss der Berichterstattung zu erfassen. Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht.

Einige Deutsche lernten während des Gipfels zwar die Ziele der Konferenz kennen (vorher kannten sie 28 Prozent der Deutschen, nach der Konferenz 36 Prozent), Grundkenntnisse über Klimapolitik gewannen die meisten jedoch nicht hinzu. Das Vertrauen, dass die Weltgemeinschaft den Klimawandel in den Griff bekommt, stieg von 25 auf 30 Prozent. Die Zustimmung für eine führende Rolle Deutschlands beim Klimaschutz sank allerdings während der Verhandlungen von 61 auf 56 Prozent. Unterm Strich lässt sich sagen, dass sich nicht mehr Befragte stärker beim Klimaschutz einbringen würden als vor der Konferenz, etwa durch politisches Engagement, die Wahl klimafreundlicher Nahrungsmittel oder den Umstieg auf grünere Verkehrsmittel. «Die Deutschen waren nach der Konferenz also eher beruhigt als aufgerüttelt», sagt Kommunikationsforscherin Hoppe.

Generell war das Forschungsteam überrascht, dass trotz des immensen Aufwands der Medien so wenige Informationen über den Klimagipfel in der Bevölkerung ankamen. Während der COP 21 waren weitere aktuelle Ereignisse grosse Medienthemen: der Anschlag auf eine Konzerthalle in Paris und die Ausschreitungen und Gewalttaten am Kölner Hauptbahnhof zu Silvester. «Andere Themen wie die Aufnahme von Flüchtlingen haben die öffentliche Debatte dominiert, da konnte der Klimawandel offensichtlich nicht durchdringen», sagt Michael Brüggemann.

Eine Begleitstudie gibt zusätzlich Hinweise, wie Medien das komplexe Thema Klimawandel angehen können. «Die Grundlagen der Klimapolitik auf einfache Art zu erklären, auch gern immer wieder, kommt bei den Menschen sehr gut an», sagt Hoppe. «Je mehr Presse, desto besser – das gilt jedenfalls nicht unbedingt.»

Publikationsdetails:

Brüggemann M., De Silva-Schmidt F., Hoppe I., Arlt D., Schmitt J.B. (2017): The Appeasement Effect of a UN Climate Summit on the German Public, Nature Climate Change, http://dx.doi.org/10.1038/nclimate3409 

 

Quelle: Universität Hamburg

10.10.2017