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Navigieren auf dem Karriereweg: Ziele und Reflexionen zum Jahresende

Das Jahresende bietet eine einzigartige Gelegenheit, innezuhalten und über die berufliche Laufbahn nachzudenken. Angesichts der sich ständig verändernden Arbeitswelt und neuer Herausforderungen ist es entscheidend, dass wir unsere Karriereziele und -wege reflektieren. Um tiefer in dieses Thema einzutauchen, gibt die Studienleiterin des MAS in Psychology of Career Counseling and Human Resources Management (CCHRM), Ea Eller, Einblicke in die erfolgreiche Karrieregestaltung.

Beitrag: Neslihan Steiner, 2023

Navigieren auf dem Karriereweg

Wenn sich das letzte Quartal dem Ende neigt, wird es für viele Berufstätige und Führungskräfte zu einer Zeit der Introspektion und strategischer Planung. Diese Phase des Jahres bietet Gelegenheit, sowohl zurückzublicken als auch nach vorne zu schauen - eine Zeit, um berufliche Erfolge und Herausforderungen zu bewerten und Pläne für das kommende Jahr zu schmieden. Habe ich meine Ziele erreicht? Welche setze ich mir für das nächste Jahr? Wir haben bei Ea Eller, Studienleiterin des MAS in Psychology of Career Counseling and Human Resources Management nach Tipps gefragt, wie man das Jahr vor einer beruflichen Perspektive Revue passieren lassen kann und welche Fragen man sich stellen sollte mit Blick auf die berufliche Zukunft.

Frau Eller, haben Sie eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man vorgehen sollte bei einem beruflichen Jahresrückblick und Ausblick?

«Schritt-für- Schritt-Anleitungen sind nicht so einfach, nicht alles passt für jeden Menschen in jeder Situation, eine Standortbestimmung ist immer etwas Individuelles. Aber es lohnt sich allgemein, sich am Jahresende Zeit zu nehmen für einen Rückblick: Was war in diesem Jahr eigentlich alles los? Was habe ich alles gemacht – und zwar beruflich, wie auch – was gerne vergessen geht – im ausserberuflichen Bereich (Hobbies, Freiwilligenarbeit, Care-Arbeit für Familie und Freunde, spezielle Engagements…). Wenn man diese Sammlung gemacht hat, kann man sich einerseits mal freuen: Es ist immer wieder gut zu sehen, was eigentlich alles möglich ist in einem Jahr.

Danach kann man diese Sammlung als Ausgangspunkt nehmen, um zu schauen, wo man etwas dazu gelernt hat – und wobei man noch Schwierigkeiten hatte. Dann hat man einerseits eine Sammlung an Kompetenzen und andererseits einen Ansatzpunkt, wo man Entwicklungsfelder hat, die man im nächsten Jahr angehen könnte, wenn man möchte.
Immer hilfreich ist, wenn man Dinge notiert – je nach Vorliebe in einer Tabelle oder eher wie ein Brainstorming, dann kann man die unstrukturierten Gedanken besser sortieren.

Bei einem Rück- und Ausblick kann man sich auch gezielt fragen: Passt mein Leben, so wie es momentan ist, zu mir? Dazu macht man auch zuerst eine Analyse der Ist-Situation. Dann vergleicht man die aktuelle Situation mit einer Soll-Situation: Gibt es Bereiche, die zu kurz kommen oder zu viel Raum einnehmen? Kann ich daran etwas ändern? Wenn ich an einer Stelle etwas ändere, welchen Einfluss hat das allenfalls auf andere Bereiche? Und damit hat man schon einen Ausblick in welche Richtung die Reise weitergehen könnte.»

Bei einem Rück- und Ausblick kann man sich auch gezielt fragen: Passt mein Leben, so wie es momentan ist, zu mir?

Was sind die wichtigsten Aspekte, die man bei der Festlegung von Karrierezielen beachten sollte?

«Eine wichtige Sache: Ziele, die in weiter Ferne liegen, sind meist ein bisschen unscharf, unklar oder viel zu gross, als dass man sie jetzt gleich erreichen könnte (Beispiel.: „Ich möchte in fünf Jahren beruflich im Bereich XY etabliert sein“ oder „Ich setze mir zum Ziel, in drei Jahren, dies oder das erreicht haben“). Das soll einen nicht entmutigen: das ist völlig normal – die Ziele werden quasi automatisch klarer und erreichbarer, wenn sie dann näher kommen. Wichtig ist aber, dass man nicht untätig bleibt, sondern überlegt: Was kann ich aus meiner jetzigen Position an kleinen Schritten in die Richtung unternehmen? Dabei ist wichtig, dass man den Schritt vom Denken ins Tun macht – oder anders gesagt: Es wird sich tendenziell nicht viel ändern, wenn man einfach in seinem eigenen Kopf daran denkt, man muss Gedanken auch in Taten umsetzen. Das kann eine einfache Recherche zu einem Thema sein, man kann andere Menschen befragen, die vielleicht mehr dazu wissen, man kann einen Podcast hören, ein Buch lesen, eine Weiterbildung besuchen… Ausprobieren und ins Tun kommen kann man quasi von „einfach und wenig aufwändig“ bis „schwierig, komplex und aufwändig“.

Bei Zielen, auch bei Karrierezielen lohnt es sich, smarte Ziele zu formulieren (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert), damit man verfolgen kann, ob sich etwas bewegt.

Man darf auch nicht ausser Acht lassen, dass wir nicht auf alles einen Einfluss haben. Manchmal sind Dinge nicht möglich, Türen geschlossen oder Ziele aus unterschiedlichen Gründen nicht erreichbar – da kann zum Beispiel die eigene Gesundheit mitspielen oder die aktuelle Lebenssituation oder weitere Faktoren. Das soll kein Plädoyer dafür sein, dass man zu Hause die Hände verschränken soll – aber eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten und der Situation finde ich wichtig – sonst sammelt man unnötig Frust an. Manchmal ändern sich Umstände, was vielleicht mit 20 nicht möglich war ist dann mit 35 plötzlich möglich – das Bildungssystem der Schweiz ist ja zum Glück in der Zwischenzeit ziemlich durchlässig.»

Wie können Menschen effektiv mit Unsicherheit und Veränderungen in ihrer Karriere umgehen?

«Eine gute Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist – weil Menschen generell unterschiedlich mit Unsicherheiten und Veränderungen umgehen: Gewisse Menschen suchen Veränderung und mögen bis zu einem gewissen Grad die Unsicherheit – andere weniger.

Dass es Veränderungen gibt, gerade in einer Arbeitswelt, die sich immer schneller entwickelt und verändert, ist etwas Natürliches. Oder wie Heraklit gesagt hat: ‘Die einzige Konstante ist der Wandel.’ Mit dem Wandel mitgehen und ihn annehmen ist wohl eine zentrale Strategie, damit umzugehen. Da kommt die Weiterbildung ins Spiel: Wenn ich dranbleibe, mich parallel mit der Arbeit auch selbst kontinuierlich weiterentwickle, werde ich meine sogenannte Employability oder Arbeitsmarktfähigkeit längerfristig erhalten oder verbessern. Schwierig wird es in der Tendenz vor allem, wenn sich jemand lange nicht mehr bewegt hat (also im übertragenen Sinne), sich aber der Job entwickelt hat – dann verliert man irgendwann den Anschluss. Das lässt sich verhindern, wenn man sich regelmässig weiterbildet. Und das muss ja nicht in jedem Fall heissen, dass man gleich ein ganzes Studium absolvieren muss, man kann da bereits sehr viel niederschwelliger anfangen.

Mit dem Wandel mitgehen und ihn annehmen ist eine zentrale Strategie, damit umzugehen. Da kommt die Weiterbildung ins Spiel.

Wie kann man feststellen, ob man einen Karrierewechsel in Betracht ziehen sollte?

«Wenn diese Frage so einfach zu beantworten wäre, wäre ich wohl meinen Job los (lacht). Da spielen sehr viele Faktoren mit hinein. Vielleicht ein Gedanke, der viel entflechten kann, wenn man sich fragt, ob man etwas anderes machen soll. Zuerst einmal versuchen zu differenzieren: Ist es meine aktuelle Stelle, die mich unzufrieden macht? Also, liegt es am Beruf oder am Arbeitsplatz. Weil wenn es „nur“ der Arbeitsplatz ist, dann kann man einfacher wechseln, als wenn man merkt, dass es tatsächlich am Beruf liegt. Liegt es am Beruf, dann ist es wichtig, sich mit seinen Ressourcen und Interessen zu befassen, damit man eine informierte Wahl treffen kann, wie es weiter gehen soll.»

An wen sollte ich mich wenden, wenn ich eine Laufbahn- und Karriereberatung möchte?

«Da gibt es verschiedene Anknüpfungsmöglichkeiten: Zuerst einmal betreiben alle Kantone eine öffentliche Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungsstelle. Das ist ein guter Ausgangspunkt, viele Dienstleistungen sind dort sogar kostenlos erhältlich und die Berater*innen sind alle gut ausgebildet, damit sie gute und möglichst neutrale Beratungen anbieten können.

Für Studierende oder frische Absolvent*innen bieten meist auch die Universitäten eigene Angebote an. Ansonsten gibt es natürlich viele andere private Anbieter. Da kann ich nur empfehlen, darauf zu schauen, welche Qualifikationen die Berater*innen mitbringen. Sind es „dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberater*innen“? Oder Psycholog*innen mit einer Fachweiterbildung in Laufbahn- und Personalpsychologie (SGLP)?  Man muss sicher sein, dass die Person gut und richtig qualifiziert ist. Und dann muss natürlich der persönliche Kontakt passen – nicht mit allen Menschen können alle gut zusammenarbeiten, das darf und soll auch mitspielen.

Und was nicht zuletzt auch hilfreich ist: Man kann auch mit seinem eigenen privaten Umfeld über solche Pläne und Ideen diskutieren – da muss man keine fachlich fundierte Beratung erwarten, aber manchmal hilft auch einfach eine andere Perspektive auf das eigene Leben.»

Weiterbildungsstudiengang MAS Psychology of Career Counseling and Human Resources Management

  • Sie interessieren sich für die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung?
  • Sie möchten im Bereich der Personalselektion oder Personalentwicklung arbeiten?
  • Sie möchten sich nach dem Master in Psychologie fachlich weiterbilden?

Der MAS in Career Counseling and Human Resources Management ermöglicht genau das. Sie erwerben durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis in dieser zweijährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung die Möglichkeit, selbständig in den verschiedenen Berufsfeldern der Laufbahn- und Personalpsychologie zu arbeiten.

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Zur Autorin

Neslihan Steiner ist Verantwortliche Print- und Onlinepublikationen und Social Media in der Stabsstelle Kommunikation des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW.