Was ist Bewusstsein?

Ausser sich sein – Choreomanie und religiöse Ekstase in Süditalien

Mittwoch, 14.12.2022, 18:15 Uhr

Bild von Michaela Schäuble

Veranstaltende: Collegium generale
Redner, Rednerin: Prof. Dr. Michaela Schäuble, Sozialanthropologie, Universität Bern
Datum: 14.12.2022
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: Auditorium maximum, HS 110
Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Anmeldung: Hier Anmelden
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Zusammenfassung des Referats


Zustände, in denen sich das Bewusstsein verändert, gehen oft mit körperlichen Symptomen einher oder können, im Umkehrschluss, (bewusst oder unbewusst) durch bestimmte Körperpraktiken beeinflusst werden. Das ist beispielsweise in religiösen Trancekulten aber auch bei säkularen ekstatischen Empfindungen der Fall.

In meinem Vortrag beschäftige ich mich exemplarisch mit dem apulischen Tarantismus,einem kulturellen Phänomen, das von Medizinern im Mittelalter auch als ›Tanzwut‹ oder ›Choreomanie‹ bezeichnet wurde. Betroffen waren zumeist Frauen, deren Anfälle und Ekstasen auf den Biss einer Giftspinne zurückgeführt wurden. Heilung versprach ein ursprünglich therapeutischer Tarantella-Tanz, bei dem die Betroffenen auf bestimmte Melodien, Rhythmen, aber auch auf Farben reagierten und oft tagelang bis zur kompletten Erschöpfung tanzen mussten. Ausgehend von Filmen, Fotografien und Tondokumenten zum Tarantismus aus dem Nachkriegsitalien interessiere ich mich als Medienanthropologin v.a. für die vielfältigen Remedialisierungen des Phänomens in der Gegenwart und nehme auch die besondere Faszination in den Blick, die dieser Kult in seinen unterschiedlichen Ausformungen bis heute auf Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Tourist:innen ausübt.

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