Forschungsschwerpunkte Interfakultäre Forschungskooperationen (IFK)

Interfakultäre Forschungskooperationen (IFK)

Mit den Interfakultären Forschungskooperationen (IFK) werden seit 2018 Netzwerkprojekte aus verschiedenen Fachbereichen gefördert. Damit wird die vernetzte und fachübergreifende Forschung intensiviert. 

An diesen Netzwerkprojekten sind jeweils 8 bis 13 Forschungsgruppen aus mindestens zwei verschiedenen Fakultäten beteiligt. Die Leitung übernehmen jeweils zwei Personen aus unterschiedlichen Fakultäten. 

 

Die drei IFK, die 2018 gestartet sind, wurden in einem kompetitiven Verfahren von der Universitätsleitung bewilligt. Sie orientieren sich an den fünf strategischen Themenschwerpunkten der Universität Bern (Nachhaltigkeit, Gesundheit und Medizin, Materie und Universum, Interkulturelles Wissen, Politik und Verwaltung).

Die Finanzierung beträgt maximal 1.5 Mio. Franken pro Jahr und IFK. Nach einer Zwischenevaluation nach zwei Jahren wurde 2020 entschieden, alle drei IFK für zwei Jahre weiterzuführen bis zum Ende der auf vier Jahre beschränkten Laufzeit.

Die aktuellen Projekte befassen sich mit der Gesundheit von Umwelt, Tier und Mensch, mit religiösen Konflikten sowie mit Schlaf.

One Health untersucht, wie Umweltveränderungen die mikrobiellen Gemeinschaften und damit die Gesundheit von Boden, Pflanzen, Tier und Mensch beeinflussen. © Institut für Pflanzenwissenschaften IPS, Universität Bern

Die IFK One Health untersucht, wie Umweltchemikalien die Gesundheit von Böden, Pflanzen, Tieren und Menschen beeinflussen. In enger Zusammenarbeit untersuchen und quantifizieren 9 Forschungsgruppen aus der Naturwissenschaftlichen, der Vetsuisse und der Medizinischen Fakultät die Auswirkung von Pestiziden, Schwermetallen und Pflanzengiften auf mikrobiotische Gemeinschaften an den Schnittstellen zwischen Böden, Pflanzen, Tieren und Menschen. Der interdisziplinäre Ansatz soll dazu beitragen, besser zu verstehen, wie sich Umweltveränderungen auf die Gesundheit von Nahrungsketten auswirken. 

Die IFK One Health verbindet die strategischen Themenschwerpunkte «Nachhaltigkeit» und «Gesundheit und Medizin» der Universität Bern und fördert die interdisziplinäre Forschung zu einem hochaktuellen Thema in den Biowissenschaften und den angrenzenden Fachgebieten.

Zwischenfazit nach zwei Jahren:

Die IFK «One Health» hat innert kurzer Zeit ein neues, einzigartiges interdisziplinäres Forschungsnetzwerk aufgebaut, um den Einfluss verschiedener Umweltchemikalien auf die Gesundheit von Nahrungsketten und deren mikrobiellen Gemeinschaften zu untersuchen. Es konnten bereits diverse Forschungserfolge verzeichnet werden. «Beispielsweise konnten wir erst kürzlich erstmals detailliert aufzeigen, wie sich die landwirtschaftliche Praxis langfristig auf die Pestizidbelastung in Ökosystemen der Seeböden auswirkt», sagt Matthias Erb, Leiter der IFK «One Health». Darüber hinaus war die IFK auch sehr aktiv in der Lehre (z.B. mit der Summer School «Hidden Players in the Food Chain»), Nachwuchsförderung und Drittmitteleinwerbung.

«In der langen Frist sollen unsere Anstrengungen etwa zu einer möglichst pestizidfreien, nachhaltigen Landwirtschaft beitragen. Die ersten zwei Jahre haben das grosse Potenzial und den enormen Nutzen dieses interfakultären Netzwerks aufgezeigt. Darauf wollen wir aufbauen», so Matthias Erb.

Der interdisziplinäre «One Health»-Ansatz macht auch international Schule. So machen die Forschenden jährlich am 3. November mit dem «One Health Day» auf die grosse Bedeutung interdisziplinärer Forschung zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit von Umwelt, Mensch und Tier Aufmerksam – in diesem Jahr ist dieses Thema aktueller denn je.

Beteiligte Fakultäten

Philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät, Medizinische Fakultät und Vetsuisse-Fakultät

Beteiligte Gruppen

9 Forschungsgruppen mit Expertise in Mikrobiologie, Umweltwissenschaften, Pflanzen- und Tiergesundheit, Humanmedizin und Bioinformatik

Webseite

Website «One Health: Cascading and Microbiome-Dependent Effects on Multitrophic Health»

Die «Kappeler Milchsuppe» ist in der Schweiz zum Symbol für die friedliche Lösung eines Religionskonflikts geworden. Es ist chronikalisch überliefert, dass im Jahr 1529 Angehörige der verfeindeten reformierten und katholischen Heere während der politischen Verhandlungen bei Kappel an der Grenze zur Innerschweiz gemeinsam gegessen haben. Text und Illustration in Heinrich Thomanns Abschrift von Heinrich Bullingers Reformationschronik aus dem Jahr 1605. © Zentralbibliothek Zürich, Ms. B 316, fol. 418v.
Die «Kappeler Milchsuppe» ist in der Schweiz zum Symbol für die friedliche Lösung eines Religionskonflikts geworden. Es ist chronikalisch überliefert, dass im Jahr 1529 Angehörige der verfeindeten reformierten und katholischen Heere während der politischen Verhandlungen bei Kappel an der Grenze zur Innerschweiz gemeinsam gegessen haben. Text und Illustration in Heinrich Thomanns Abschrift von Heinrich Bullingers Reformationschronik aus dem Jahr 1605. © Zentralbibliothek Zürich, Ms. B 316, fol. 418v.

Obwohl Konflikte mit religiösen Dimensionen Vergangenheit und Gegenwart prägen, ist die Bedeutung von Religion in sozialen und politischen Konflikten bisher nicht überzeugend erfasst und erklärt worden. Die Forschungskooperation strebt ein differenziertes Verständnis der ambivalenten Rolle von Religionen in Konflikten an, um adäquate Bearbeitungsstrategien entwickeln zu können. Hauptziel des Projekts ist es, analytische Modelle zu erstellen, welche die diversen ökonomischen, sozialen, psychologischen, kulturellen und politischen Faktoren aufzeigen, die zu Konflikten beitragen – und deren Verbindung zu religiösen Überzeugungen, religiöser Rhetorik, religiösen Motivationen und Akteuren. Dafür erforschen die 12 Gruppen vergangene und aktuelle religiöse Konflikte und Bearbeitungsstrategien. Sie verknüpfen dabei kultur- sowie sozialwissenschaftlichen Methoden mit religiösen Binnenperspektiven.

Der Inhalt und die Methodologie dieser IFK sollen einen substanziellen Beitrag leisten zu zwei strategischen Themenschwerpunkten der Universität Bern: Interkulturelles Wissen und Nachhaltigkeit.

Zwischenfazit nach zwei Jahren:

Die IFK «Religious Conflicts and Coping Strategies» hat seit Projektbeginn unter Einbezug aller beteiligten Disziplinen ein Modell zur Analyse von Konflikten mit religiösen Dimensionen entwickelt. «Das Modell kann sowohl Anwendung in der Wissenschaft als auch in der Politik, in Religionsgemeinschaften, in der internationalen Friedensarbeit finden. Auch Medienschaffende können das Modell nutzen, um in der Berichterstattung eine differenzierte Darstellung von Konflikten mit religiösen Dimensionen zu erreichen», erklärt IFK-Leiterin Katharina Heyden.

Seit 2018 haben die Mitglieder der IFK insgesamt 83 wissenschaftliche Beiträge publiziert oder zur Publikation eingereicht sowie zahlreiche wissenschaftliche Tagungen und Workshops organisiert. Zudem ist in diesem Jahr auch ein interaktives Erklärvideo zum Thema der IFK erschienen. Auch für die Zukunft ist in Forschung und Lehre einiges geplant: «2021 findet unter anderem eine Doctoral School, eine Tagung in Kooperation mit der Plattform versoehnt.ch sowie natürlich unsere eigene Jahrestagung unter dem Titel Gender Religion Conflicts statt», sagt Heyden.

Beteiligte Fakultäten

Theologische Fakultät, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Philosophisch-historische Fakultät und Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZFG)

Beteiligte Gruppen

12 interdisziplinäre Forschungsgruppen aus der Theologie, der Rechtswissenschaft, den Religionswissenschaften, der Islamwissenschaft, Judaistik, Politologie, Geschichte, Sozialanthropologie, Psychologie, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Germanistik und Philosophie.

Webseite

Website IFK «Religious Conflicts and Coping Strategies»

Im Projekt «Decoding Sleep: From Neurons to Health & Mind» wollen Forschende die Mechanismen von Schlaf, Bewusstsein und Kognition besser verstehen. © Tanja Läser / Insel Gruppe AG.

Schlaf blieb im Lauf der Evolution nahezu unverändert erhalten, was auf dessen fundamentale Bedeutung für das Überleben hinweist. Die Forschungskooperation möchte mittels den drei Bereichen «Brain – Mind – Body» ein besseres Verständnis der Mechanismen von Schlaf, Bewusstsein und Kognition erreichen. Schlaf-Wach-Störungen können erste Anzeichen von Erkrankungen sein – wie Parkinson und Demenz oder Depression. Dafür werden molekulare und neurophysiologische Prozesse von Schlaf und Schlafstörungen und deren Zusammenhang mit Hirnschaden, Schmerz und Infektionen untersucht. Zusätzlich sollen mithilfe des Schlafs neue Einsichten zu kognitiven und neuroplastischen Prozessen gewonnen werden. Dazu wird die Bedeutung von Schlaf in gesundem und krankem Zustand bei Tier und Mensch untersucht. Aus den «Big Data» der einzelnen Projektgruppen sollen neue Modellrechnungen von Schlafphasen entwickelt werden – mit dem Ziel, neue Biomarker für Schlaf und Schlafstörungen zu bestimmen.

Die IFK kann dafür auf das universitäre Kompetenzzentrum «Center for Cognition, Learning and Memory (CCLM)», das national vernetzte «Bern Network for Epilepsy, Sleep and Consciousness (BENESCO)», auf international etablierte Netzwerke als auch auf hochspezialisierte Infrastrukturen wie das «Schlaf-Wach-Epilepsie Zentrum Bern (SWEZ)», das «Zentrum für Experimentelle Neurologie» (ZEN) oder das «Swiss Institute for Translational and Entrepreneurial Medicine» (sitem-insel AG) zurückgreifen. Durch ihre Schwerpunkte auf personalisierter Medizin sowie biomedizinischer Technologie trägt sie zur Stärkung des Medizinalstandorts Bern bei.

Zwischenfazit nach zwei Jahren:

Die IFK «Decoding Sleep» hat die letzten zwei Jahre dazu genutzt, die Schlafforschung unter Einbezug verschiedener Disziplinen auf lokaler Ebene neu auszurichten und auch international zu vernetzen. Von den zahlreichen Forschungserfolgen aus dem Berner Konsortium erregten kürzlich die Meldungen Aufmerksamkeit, dass Menschen im Tiefschlaf neue Vokabeln einer Fremdsprache lernen können und dass im Tiermodell die Genesung nach einem Hirnschlag durch die Beeinflussung des Schlafs gefördert werden kann. Darüber hinaus ist die IFK stark engagiert in der Förderung von Forschenden in allen akademischen Karrierestufen. «In Zukunft möchten wir die IFK noch stärker international ausrichten und die Universität Bern dabei unter den weltweit führenden Zentren der interdisziplinären Schlafforschung etablieren», sagt Claudio Bassetti, Leiter der IFK «Decoding Sleep».

Schlaf-Wach-Störungen können erste Anzeichen von Erkrankungen sein – wie Parkinson und Demenz oder Depression. «Wir tragen zu einem vertieften Verständnis bei, was gesunden Schlaf ausmacht, und wie dadurch körperliches, psychisches und mentales Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität verbessert werden können. Nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch die Allgemeinheit soll einen Nutzen aus den Erkenntnissen unserer Forschung ziehen können», so Bassetti.

Ko-Leitung: Prof. Dr. Fred Mast

Kontakt

Prof. Dr. Fred Mast
Universität Bern
Institut für Psychologie, Abteilung Kognitive Psychologie, Wahrnehmung und Methodenlehre
Fabrikstrasse 8
3012 Bern
Telefon direkt: +41 31 631 40 50
Email: fred.mast@psy.unibe.ch

 

Beteiligte Fakultäten

Medizinische Fakultät, Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät und Philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät

Beteiligte Gruppen

13 Forschungsgruppen aus der Neurologie, Psychologie, Physiologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Pneumologie, Infektiologie und Informatik

Webseite

Website IFK «Interfaculty Research Cooperation - Decoding Sleep»

Aktuelles

18.11.20 Medienmitteilung
04.09.20 Medienmitteilung
15.11.19 Medienmitteilung
07.09.18 uniaktuell

«Der interdisziplinäre Ansatz setzt grosses Potenzial frei»

Matthias Erb und Andrew Macpherson sind die Koordinatoren der neuen Interfakultären Forschungskooperation IFK «One Health» der Universität Bern. Im Interview mit «uniaktuell» erzählen der Professor für Biotische Interaktionen und der Professor für Gastroenterologie, wie sie mit fächerübergreifender Forschung den Zusammenhang der Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen entschlüsseln wollen.

02.02.18 uniaktuell

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