Coronavirus

Coronavirus: Informationen zur Selbstorganisation und Hilfsangebote

Häusliche Isolation und Quarantäne sind Ausnahmesituationen, welche die meisten Menschen noch nicht erlebt haben. Die Massnahmen des Bundesrates und das Verordnen von Homeoffice können auf die Psyche einwirken und für Betroffene sehr belastend sein.

Im Folgenden finden Sie Tipps für Mitarbeitende und Studierende zum Umgang mit häuslicher Isolation und Homeoffice, Empfehlungen für Vorgesetzte, sowie Hinweise für Krisensituationen und Kontakte zu Anlaufstellen.

Tipps zum Umgang mit häuslicher Isolation und Homeoffice

Wenn Sie sich Homeoffice nicht gewohnt sind, nehmen Sie sich Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Das heisst zum Beispiel, dass Sie nicht erwarten können, von Beginn an gleich produktiv zu sein wie vorher. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen und sprechen Sie allenfalls mit Ihrer/m Vorgesetzten darüber.

Halten Sie die üblichen Essens-, Schlafens-, Arbeits- und Lernzeiten ein. Versuchen Sie auch den Tag möglichst genau zu planen und ihn aktiv zu gestalten. Dies beugt Kontrollverlust und Hilflosigkeit vor und gibt Sicherheit.

Essen Sie gesund, schlafen Sie ausreichend, vermeiden Sie zu langes Sitzen und gönnen Sie sich bewusst während des Tages kleine Bewegungspausen. Gehen Sie unter Einhaltung der Hygienemassnahmen spazieren, joggen und Fahrrad fahren und machen Sie auch zu Hause Sport. Neben Fitnessgeräten (z.B. Fahrrad- oder Ruderergometer) bieten sich auch Workouts an, die keine besonderen Geräteanforderungen stellen. Neben Sport sind auch Meditations- und Entspannungsübungen hilfreich.

Verbundenheit mit der Familie und dem Freundeskreis gibt Halt. Bleiben Sie mit Kollegen, Freunden und Familie in Kontakt. Sei dies spontan oder verabredet.

Sprechen Sie über die Situation – sie ist für alle aussergewöhnlich und herausfordernd. Sie müssen damit nicht alleine klarkommen. Sprechen Sie aber auch über andere Themen. Behalten Sie zum Beispiel Kaffeegruppen bei und trinken Sie per Videokonferenz gemeinsam Kaffee.

Wenn Sie Angst vor einer Ansteckung haben, lassen Sie sich nicht vollständig dadurch kontrollieren. Gehen Sie trotzdem – unter Einhaltung des «social distancing» und den Hygieneregeln – ins Freie.

Bleiben Sie über zuverlässige, seriöse Quellen über die Situation informiert, aber beschränken Sie den Zugang zu Nachrichten und sozialen Medien. Managen Sie aktiv Ihre Push-Benachrichtigungen.

Versuchen Sie, nicht über alle möglichen Probleme nachzudenken, die in Zukunft auf Sie zukommen könnten. Erinnern Sie sich daran, dass Sie nicht allein sind und die Situation vorübergehen wird.

Wenn Sie selbst nicht unter strengen Isolationsvorschriften stehen und in der Lage sind zu helfen, unterstützen Sie Bedürftige, indem Sie ihnen zum Beispiel Besorgungen machen. Akzeptieren Sie diesbezüglich auch, wenn jemand keine Hilfe durch Sie in Anspruch nehmen möchte. Falls Sie merken, dass Sie Unterstützung brauchen, kontaktieren Sie Freunde, Familie und Arbeitskolleginnen und nehmen Sie die untenstehenden Adressen in Anspruch.

Setzen Sie Ihrer Arbeit strenge Grenzen, um nicht überfordert zu werden und Zeit zum Ausruhen zu haben. Dies beinhaltet u.a. auch Zeiten in denen Sie verfügbar sind (bspw. per Telefon, Email oder Videokonferenz-Tools) einzuschränken und dies entsprechend zu kommunizieren.

Gibt es etwas Positives an der Situation? Können Sie zwischendurch auch zur Ruhe kommen und vielleicht mehr Zeit für die Kinder haben? Finden Sie heraus, was Ihnen wichtig ist im Leben.

Lesen sie ein Buch, schauen Sie Ferienfotos an oder ordnen Sie sie ein, räumen Sie auf, kontaktieren Sie alte Bekannte, meditieren Sie, probieren Sie ein Rezept aus oder Spiele mit ihren Kindern Gesellschaftsspiele – eben, tun Sie, was Sie schon längst mal wieder machen wollten.

Besondere Empfehlungen für Personen, die einer Risikogruppe angehören

Erklären Sie ihrem Umfeld, dass Sie einer Risikogruppe angehören und besonders vorsichtig sein müssen. Sie selber wissen am besten, welche Risiken sie noch eingehen wollen und welche nicht. Stützen Sie sich dabei auf die offiziellen Empfehlungen des BAG.

Auch wenn Sie einer Risikogruppe angehören, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine Corona-Infektion ohne Komplikationen überstehen würden, sehr gross.  Viele chronische Erkrankungen wurden vorsorglich als Risiko eingestuft, obwohl die Datenlage nicht klar ist. Die meisten schweren Verläufe betreffen ältere Menschen mit häufig mehreren schweren Vorerkrankungen. Es lässt sich nur schwer eruieren, welche Faktoren dabei zum erhöhten Risiko beitragen.

Nehmen Sie Hilfe an, zum Beispiel beim Erledigen der Einkäufe.

Empfehlungen für Vorgesetzte

  • Gewähren Sie Ihren Mitarbeitenden Zeit, sich an die neue Situation anzupassen (Homeoffice, Sorge um nahe Angehörige, welche entweder infiziert sind oder Risikogruppen angehören, etc.).
  • Berücksichtigen Sie, dass nicht alle die gleichen Voraussetzungen für Homeoffice haben (kein Platz, Kinder, Lärm, keinen ergonomischen Arbeitsplatz, keine Ablenkung bei monotonen Arbeiten).
  • Zeigen Sie Verständnis, dass nicht alle Arbeitnehmenden unter dieser speziellen Belastung gleich effizient arbeiten können. Setzen Sie keinen unnötigen, zusätzlichen Druck auf und setzen Sie gemeinsam mit den Mitarbeitenden realistische Ziele.
  • Kontaktieren Sie Ihre Mitarbeitenden auch telefonisch und sprechen Sie mit ihnen. Fragen Sie aktiv nach, wie es ihnen in der aktuellen Situation geht.
  • Organisieren Sie regelmässig und häufiger als sonst Online-Meetings im Team und in Kleingruppen.
  • Achten Sie auf die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter*innen. Für Mitarbeiter*innen, die Homeoffice nicht gewohnt sind, kann die Aufrechterhaltung der Work-Life-Balance eine grosse Herausforderung sein. Gehen Sie mit gutem Vorbild voran und nehmen Sie Druck raus: Schreiben Sie bspw. E-Mails nur zu Bürozeiten.
  • Erlauben Sie Personen explizit, nicht immer verfügbar sein zu müssen (bspw. in MS Teams, Skype, Zoom).
  • Erlauben Sie – unter Einhaltung der Hygienemassnahmen – Personen einzeln ins Büro zu gehen (z.B. Rotationsprinzip in Büros mit mehreren Arbeitsplätzen).

Empfehlungen zu persönlichen Krisensituationen

In akuten Krisensituationen ist es wichtig, sich unmittelbar damit auseinanderzusetzen und sich Unterstützung zu holen:

  1. Eigene Warnzeichen frühzeitig erkennen und reagieren.
    Darunter gehört beispielsweise eine anhaltende depressive Stimmung, Verlust von Freude, Anspannung, Angst und Wut oder auch Schlafstörungen.
    Was kann ich jetzt unmittelbar für mich selbst tun (z. B. Ablenkung, Entspannung, angenehme Tätigkeit, Sport, ins Freie gehen, etc.)
     
  2. Unterstützung im eigenen Umfeld holen (Familie, Freunde, Kollegen).
    Das Gespräch, egal ob per Telefon oder Videokonferenz, kann einerseits ablenken, andererseits eröffnet es neue Perspektiven, wenn Sie Hilfe brauchen.
     
  3. Sofern Stufe 1 und 2 für die Bewältigung der akuten Krise nicht ausreichen, zögern Sie nicht auf fachliche Unterstützung zurückzugreifen.
     
  4. Sollten sich Ihre Gedanken um den Tod oder Suizidabsichten drehen, brauchen Sie so schnell wie möglich konkrete professionelle Hilfe. Melden Sie sich bitte unbedingt sofort beim psychiatrischen Notfalldienst unter 031 632 8811.

Unterstützung suchen sollten Sie auch, wenn Sie merken, dass

  • Ihre Angst immer grösser wird und Sie beherrscht
  • Ihre Gedanken nur noch um ein Thema kreisen
  • Sie nicht mehr richtig denken, handeln oder arbeiten können
  • Ihnen der Antrieb fehlt, um Aufgaben anzugehen
  • Sie zu Suchtmitteln greifen oder dauernd zu viel essen
  • Sie sich wie gelähmt fühlen

Hier finden Sie Unterstützung

  • Bei Ihrem Hausarzt
  • Die Dargebotene Hand per Telefon (unmittelbar), E-Mail (Antwort innerhalb von 48h) oder Chat. Das Angebot ist kostenlos, anonym und unverbindlich.
    • Tel: 143 (Erwachsene)
    • Tel: 147 (Jugendliche und junge Erwachsene)
    • Mehr Informationen finden Sie auf: www.143.ch; www.147.ch
  • Psychiatrischer Notfall: Das Notfallteam der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Bern ist 24h (365 Tage) für Sie da. Sie können sich telefonisch melden oder sich direkt im Notfallzentrum des Inselspitals vorstellen.Die Angebote des Kriseninterventionszentrums (KIZ) am Standort Murtenstrasse der UPD richten sich an alle Menschen, die sich in einer psychosozialen Krise befinden.
  • Ärzte-Notruf Kanton Bern
    • Tel: 0900 57 67 47 (Fr. 3.23/Min.)
    • Für Prepaid: 0900 57 67 48 (Fr. 3.50/Min.)
  • Sind Sie direkt betroffen von einer Straftat oder sind Sie Angehörige einer betroffenen Person und haben Sie Fragen, die Sie beschäftigen? Hier bietet die Opferhilfe Bern Unterstützung.
  • Elternnotruf Kanton Bern: Bei Erziehungsfragen, Überforderung, Fragen rund um elterliche Präsenz, Gefährdung und Misshandlung von Kindern (24/7). Tel: 0848 35 45 55
  • Sanitätspolizei: In einer lebensbedrohlichen Situation, ob unfall- oder krankheitsbedingt wenden Sie sich direkt an: Tel.: 144
  • Für Mitarbeitende und Studierende: Beratungsstelle der Berner Hochschulen (im Moment finden die Beratungen telefonisch statt): https://beratungsstelle.bernerhochschulen.ch/de/
  • Die Hochschulseelsorgen an der Universität Bern bieten seelsorgerliche Begleitung und Beratung speziell auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise an. Die Gespräche sind vertraulich und offen für alle.
  • Psychotherapeutische Praxisstelle der Universität Bern. Psychotherapie und Beratung am Telefon und via Videokonferenz: www.psychotherapie.unibe.ch
  • Hier finden Sie PsychologInnen in Ihrer Nähe (viele arbeiten aktuell via Telefon oder Videokonferenz): www.psychologie.ch/psychologensuche

 

Ein internationales von der EU-finanziertes Horizon-2020-Projekt erforscht derzeit die Folgen der Corona Krise in Bezug auf ihre Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Es handelt sich um eine Kooperation von fünfzehn Forschungsstandorten in fünf Ländern. Die Teilnahme am Projekt ist möglich unter folgendem Link.

So schützen wir uns - Hygiene Empfehlungen vom BAG