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Lungenfibrose: längeres Überleben nach erfolgreicher Rehabilitation

In einer umfangreichen, multizentrischen Studie fand ein internationales Forschungsteam aus der Schweiz, Deutschland, Kanada, USA, und Australien deutliche Hinweise, dass erfolgreiche Rehabilitation bei einer Lungenfibrose mit einer signifikant grösseren Überlebenswahrscheinlichkeit einhergeht. Die im British Medical Journal «Thorax» veröffentlichte Studie mit PD Dr. Sabina Guler Inselspital, Universitätsspital Bern als Erstautorin, wurde von der University of British Columbia in Vancouver geleitet. In der Schweiz arbeiteten das Berner Reha Zentrum in Heiligenschwendi und das Inselspital eng zusammen.

Unter dem Namen «Interstitielle Lungenerkrankung» (abgekürzt aus dem Englischen: ILD) werden eine Reihe von Lungenerkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen zusammengefasst. Betroffen ist jeweils das Interstitium (Gewebe zwischen den Lungenbläschen). ILD kann zu Verwachsungen (Fibrosen) führen die wiederum einen verringerten Sauerstoffaustausch in der Lunge und Atembeschwerden zur Folge haben. Zur Entstehung tragen oft Rauchen und Umweltbelastungen, aber auch Erkrankungen des Immunsystems bei. ILD kann auch nach einem schweren Covid-19-Verlauf auftreten. Die Verbreitung von ILD in Europa wird auf bis zu 100 Betroffene pro 100 000 Einwohner geschätzt. Die Studie ging der Frage nach einem Zusammenhang zwischen erfolgreichen Rehabilitationsmassnahmen und Überlebensdauer nach.

Nach erfolgreicher Rehabilitation - längeres Überleben

Die Studie konnte zeigen, dass ILD-Patientinnen und -Patienten, die eine erfolgreiche Rehabilitation durchlaufen hatten, eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit aufwiesen. Dies konnte in 12 Zentren nachgewiesen werden und zwar sowohl für stationäre, wie für ambulante Rehabilitationsprogramme.

Was wurde genau untersucht?

Die hier vorgestellte Studie hat retrospektiv Patientendaten ausgewertet. Sie war nicht darauf ausgelegt, ursächliche Zusammenhänge zu belegen. Dazu wäre eine randomisierte, kontrollierte Versuchsanordnung nötig gewesen. Es ging hier vielmehr darum, aufgrund umfangreicher, internationaler Daten Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zu ermitteln.

Als Kriterium für den Erfolg einer Rehabilitation wurde die Veränderung der 6 Minuten-Gehdistanz vor und nach der Rehabilitation beigezogen. Eine Zunahme der Gehdistanz wurde als erfolgreiche Rehabilitation interpretiert. Untersucht wurde die stationäre Rehabilitation in vier Zentren und die ambulante Rehabilitation in 10 Zentren.

Insgesamt wurden 701 Patientinnen und Patienten mit einer fibrotischen ILD eingeschlossen. Da die Studie retrospektiv arbeitete, waren die Aufzeichnungen teils lückenhaft oder schwer vergleichbar.

Die 6 Minuten Gehdistanz wurde gruppiert nach über und unter 350m in 6 Minuten. Innerhalb dieser beiden Gruppen wurde weiter unterschieden in eine Verbesserung nach der Rehabilitation von mehr oder weniger als 30m. Die Überlebenswahrscheinlichkeit in % dieser vier Gruppen wurde während 48 Monaten erhoben.

Schlussfolgerung für die Praxis und Beratung

Die Studie gibt deutliche Hinweise auf ein längeres Überleben nach einer guten Rehabilitation. Dazu gehören nebst Kraft- und Ausdauertraining auch Beratungen zur Anpassungen im Lebensstil (z.B. Rauchen) und Informationen über die Krankheit.

Für die Insel Gruppe ergibt sich aus dieser Studie ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung einer systematischen und auf Patientinnen und Patienten abgestimmten Rehabilitation im Gesamtpaket ihrer Dienstleistungen. Gerade mit der aktuellen Herausforderung der Covid-19-Pandemie ergeben sich hier wichtige, neue Handlungsfelder.

Weitere Forschung muss nun verstärkt auf die Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei interstitiellen Lungenkrankheiten zielen. Die pneumologische Rehabilitation wird im Stadtspital Tiefenau künftig weiter intensiviert. Eine Fortsetzung der engen Zusammenarbeit mit dem Berner Reha-Zentrum in Heiligenschwendi ist ebenfalls eingeleitet.

Expertinnen, Experten:

  • PD Dr. Sabina Guler, Oberärztin, Universitätsklinik für Pneumologie, Inselspital, Universitätsspital Bern
  • Prof. Dr. Thomas Geiser, Klinikdirektor und Chefarzt, Universitätsklinik für Pneumologie, Inselspital, Universitätsspital Bern

Quelle: Insel Gruppe

23.09.2021

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