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Neue Therapie reduziert Blutungsrisiko bei Herzkatheter-Patienten

Laut einer soeben im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Studie reduziert ein neuer Blutgerinnungshemmer das Blutungsrisiko bei Herzkatheter-Patienten deutlich. An der Studie waren auch das Inselspital und die Universität Bern beteiligt.

In der MATRIX-Studie, welche soeben im New England Journal of Medicine publiziert worden ist, wurden 7213 Patienten aus 78 Zentren in 4 europäischen Ländern untersucht. Ihnen allen wurde nach einem Herzinfarkt oder wegen hohem Infarkt-Risiko ein Herzkatheter eingesetzt – ein dünnes Röhrchen, das den Blutdurchfluss im verengten Herzkranzgefäss sicherstellt.

Um die Bildung eines Blutgerinnsels beim eingeschobenen Katheter zu verhindern und die Sicherheit des Eingriffs zu erhöhen, erhielten die Patienten ein blutverdünnendes Medikament: entweder den konventionellen Gerinnungshemmer Heparin oder das neue Präparat Bivalirudin. Es ist als Originalpräparat deutlich teurer als Heparin, wird aber bald als preisgünstigeres Generikum erhältlich sein. In der durch ein Industriekonsortium unterstützten, aber völlig industrieunabhängig durchgeführten Studie unter dem Patronat der Italienischen Gesellschaft für Interventionelle Kardiologie wurde untersucht, welches der beiden Medikamente besser wirkt.

Ergebnis: Bivalirudin reduzierte die Anzahl Blutungen und verringerte, wohl aufgrund der Reduktion von Blutungen, auch die Sterblichkeit. Das Risiko für einen nachfolgenden Herzinfarkt oder einen Hirnschlag blieb dagegen gleich hoch. In den Hauptanalysen, die Blutungen, Todesfälle, Herzinfarkte und Hirnschläge in einer Gesamtschau berücksichtigten, ergaben sich daher keine eindeutigen Unterschiede zugunsten von Bivalirudin.

In ausgewählten Fällen besser

Studienleiter Dr. med. Marco Valgimigli, seit kurzem Leiter der klinischen Forschung an der Universitätsklinik für Kardiologie des Inselspitals Bern: «Unsere Studie liefert Resultate zu einem Zeitpunkt, wo Bivalirudin als Generikum zu einem günstigeren Preis als das Originalpräparat verfügbar wird.» Valgimigli erhofft sich durch von den Studienergebnissen eine zeitgemässere und dabei doch erschwingliche Gerinnungshemmung beim Einsatz von Herzkathetern.

Der Herzkatheter-Spezialist unterstreicht, dass der herkömmliche Gerinnungshemmer Heparin besser abgeschnitten hat als erwartet: „Die Gesamtresultate der Studie rechtfertigen keineswegs eine komplette Umstellung auf Bivalirudin.“ In ausgewählten Fällen mit hohem Blutungsrisiko sei das neue Generikum aber die bessere Wahl.

Prof. Dr. med. Peter Jüni, Direktor des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern, war zusammen mit der Clinical Trials Unit an der Universität Bern massgeblich in die Studie involviert. Sein Urteil: «Die Studie ist exemplarisch dafür, wie klinisch wichtige Fragen ohne direkten Einbezug der Industrie beantwortet werden können.» Die Schweiz sollte sich darum bemühen, bei solchen Studien auch in Zukunft eine führende Rolle zu spielen und in ihrer Forschungsförderung entsprechende Schwerpunkte zu setzen. Ein erster, allerdings kleiner Schritt sei mit dem neuen Förderprogramm für unabhängige klinische Forschung des Schweizer Nationalfonds nun getan worden, so Jüni.

 

Angaben zur Publikation

Marco Valgimigli, M.D. et al.: Bivalirudin or Unfractionated Heparin in Acute Coronary Syndromes, The New England Journal of Medicine, 10. September 2015, DOI: 10.1056/NEJMoa1507854

 

Quelle: Inselspital

14.09.2015