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Mit «OpenNature» können alle forschen

Schweizer Forschende lancieren am 1. März 2015 – rechtzeitig zu Beginn des klimatologischen Frühlings – die Citizen Science-Plattform «OpenNature.ch». Auf dieser Webseite können Naturfans und Gelegenheitsforscher ihre Beobachtungen zu Jahreszeiten und Wetterextremen in ein persönliches Tagebuch eingeben und so mithelfen, den Einfluss des Klimawandels auf unsere Umwelt zu dokumentieren. Die Universität Bern leitete die Entwicklung des Projekts mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds.

Der Frühling beginnt immer am 1. März. Die Klimaforschenden haben dieses Datum gewählt, um  den Beginn der neuen Saison zu definieren. Am 1. Juni, 1. September und 1. Dezember beginnen für die Forschenden denn auch Sommer, Herbst und Winter. Doch die Jahreszeiten halten sich nicht immer an die Vorgaben der Forscher: Im Dezember 2014 etwa blühten bereits die Haselsträucher. Ab dem 1. März können Naturfans und Gelegenheitsforscher auf der neuen Citizen Science-Plattform «OpenNature.ch» (vgl. Kasten) Jahreszeiten-Beobachtungen zu den Themen Pflanzen, Tiere, Pilze, Landschaft und Wetterextreme eingeben. Die Webseite ermöglicht es, ein persönliches Tagebuch der Jahreszeiten zu führen und gleichzeitig den Klimawandel zu dokumentieren. So notieren Beobachterinnen und Beobachter etwa den Morgennebel, die Grösse von Hagelkörnern, das Ankunftsdatum der Schwalben oder eben die Blüte von Pflanzen.

«Wir wissen, dass viele Menschen jeden Tag ein bestimmtes Phänomen beobachten», sagt Initiant This Rutishauser vom Geographischen Institut der Universität Bern. Allen Beobachterinnen und Beobachtern sei ihre Faszination für Naturerscheinungen gemeinsam. Mit dem Projekt möchten die Wissenschaftler die breite Bevölkerung ansprechen und ihnen bewusst machen, dass auch sie einen Beitrag zur Forschung leisten, wenn sie ihre Beobachtungen teilen. Denn die Forschenden könnten beispielsweise nicht jeden Tag alle Haselsträucher nach blühenden Kätzchen untersuchen, so Rutishauser. Dabei wären diese Daten wichtig zur Entwicklung von Pollenprognosen. Mit der Auswertung von 1605 Beobachtungen von Fliegenpilzen etwa zeigten Forschende kürzlich, dass deren Erscheinungszeiten in den letzten 12 Jahren vielfältiger geworden sind, als sie es noch in den 1960er-Jahren waren.

OpenNature.ch bietet zudem auch Einblicke in neue Forschungsresultate und unterhält einen News-Bereich zu den Themen Jahreszeiten, Wetterextreme und Klimawandel. Damit soll den Beobachterinnen und Beobachtern gezeigt werden, wofür ihre Daten verwendet werden. «Wir möchten ein Citizen Science-Projekt anstossen und alle Menschen in die Forschung einbeziehen», erklärt der Projektleiter und Klimaforscher Stefan Brönnimann von der Universität Bern. Rigorose Qualitätskontrollen seien dabei sehr wichtig. Die Daten von OpenNature sollen, wenn immer möglich, in die Forschung einfliessen. Die Universität Bern betrieb bereits in den 1970er-Jahren ein ähnliches Projekt, BernClim.

Breite Unterstützung durch Wissenschaftler und Kommunikationsprofis

Bei OpenNature.ch handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Schweizer Wissenschaftlern diverser Institutionen und Online-Kommunikationsprofis mit verschiedensten Anknüpfungsmöglichkeiten. Beteiligt sind etwa der ETH-Nebelforscher Werner Eugster und die WSL-Klimatologin Martine Rebetez von der Universität Neuenburg. Der Schweizerische Nationalfonds unterstützt den Aufbau der Webseite mit seinem AGORA-Programm für Wissenschaftskommunikation. Damit fördert er die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Experten aus der Kommunikationsbranche sowie den Austausch von Ideen und Meinungen über wissenschaftliche Forschung mit der breiten Öffentlichkeit. Die inhaltliche und technische Umsetzung von OpenNature.ch erfolgte in Zusammenarbeit mit den externen Partnern textatelier.ch, eyeloveyou und den Programmierern von OpenInteractive.

 

Bürger forschen mit

«Citizen Science» bedeutet «Bürgerwissenschaft» und bezeichnet Forschungsprojekte, die interessierte Laien einbeziehen. Die Beteiligung an einem Projekt kann auf verschiedene Arten stattfinden: Vom Sammeln wissenschaftlich relevanter Daten bis hin zur Teilnahme an wissenschaftlichen Arbeiten ist alles möglich.

In der Schweiz laufen verschiedene Citizen Science-Projekte in der Umwelt- und Naturforschung. Dazu gehören das Online-Feldbuch von InfoFlora (https://obs.infoflora.ch), die Meldeplattform der Vogelwarte (http://ornitho.ch) oder das Phänologie-Projekt PhaenoNet von GLOBE Schweiz (http://phaeno.ethz.ch/globe).

27.02.2015