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Darmflora: Sage mir, wo du lebst, und ich sage dir, was du machst

Entzündliche Darmerkrankungen und den Reizdarm heilen: Ein Forschungsteam unter Berner Führung untersucht dazu seit Jahren die Bakterien im Darm minutiös. Die jüngste Forschungsarbeit ist soeben in der renommierten Fachzeitschrift «Nature Communications» veröffentlicht worden.

Im Darm des Menschen leben zehnmal mehr Mikroben als der Mensch Körperzellen hat. Die medizinische Forschung kennt zwar die Bakterien im Darm des einzelnen Patienten, hat aber noch wenig Ahnung von ihrer Funktion. Die Nature Communications-Studie schliesst einen Teil dieser Wissenslücke: Das Forschungsteam um Prof. Andrew Macpherson, Chefarzt Gastroenterologie und Co-Direktor der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin des Inselspitals Bern, weist nach, dass die Lebensweise und Funktion der Bakterien davon abhängt, wo genau sie im Darm zu finden sind. Besonders wichtig sind Bakterien nahe der Schleimhaut. Diese ernähren sich von körpereigenen Stoffen, können jedoch auch Moleküle herstellen, welche dann in den Körper gelangen und dort nach den bisherigen Erkenntnissen der Wissenschaft wichtige Stoffwechselprozesse positiv beeinflussen können.

Von dieser Forschung profitieren fast alle Patienten mit Darmerkrankungen zumindest indirekt. Die Berner Forscher untersuchen, wie sich Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien auf entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und ulzerative Kolitis auswirken. Davon sind in der Schweiz etwa 14‘000 Patienten betroffen. Erforscht werden zudem Nebeneffekte bei der Bestrahlung des Darmes sowie Symptome des Reizdarmes, unter dem in der Schweiz schätzungsweise 1 Million Menschen leiden.

Das Inselspital und seine Genaxen-Stiftung stellen die spezialisierte, in Europa einzigartige Infrastruktur zur Verfügung, welche diese Forschung überhaupt ermöglicht. Zusätzlich zur klinischen Tätigkeit am Inselspital leitet Prof. Macpherson ein Forschungsprojekt, an dem auch Forschungsgruppen der ETH Zürich mitwirken. Prof. Macpherson ist ausserdem Mitglied der vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Swiss-IBD-Kohortenstudie, die sich ebenfalls mit chronischen entzündlichen Darmerkrankungen befasst.

Quelle: Inselspital

22.09.2015