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Trinationale Forschung unter einem D-A-CH: Innovativen Krebstherapien auf der Spur

Ein trinationales Forschungsprojekt mit Beteiligung der Universität Bern legt den Fokus auf eine Gruppe von Signalmolekülen, die den programmierten Zelltod regulieren. Ein besseres Verständnis der Funktion und Interaktionen dieser Moleküle kann zur Entwicklung innovativer Therapien bei Krebs und Autoimmunerkrankungen beitragen.

Das Gleichgewicht zwischen Zelltod und Zellwachstum ist kritisch für sehr viele Prozesse in unserem Organismus. Fehler in der Kontrolle des Zelltods können zur Entstehung von Krebs und Autoimmunerkrankungen beitragen. Das gezielte Zell-Sterben – in der Fachsprache programmierter Zelltod oder Apoptose genannt – ist aber auch ein wichtiger Mechanismus zur Vorbeugung der Entstehung von Tumoren. 

Aus diesem Grund bildet die Auslösung des zelleigenen «Selbstmordprogramms» Teil der Strategie von Krebstherapien. Auch für das Immunsystem ist die Apoptose wichtig, da sie garantiert, dass Immunzellen, die sich gegen den eigenen Körper richten würden, auf sichere Art und Weise aus dem Verkehr gezogen werden.

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem österreichischen Wissenschaftsfonds und dem Schweizerischen Nationalfonds geförderte D-A-CH-Forschergruppe hat mit ihrer Arbeit im Februar begonnen. Mitbeteiligt an dem von der Universität Konstanz aus koordinierten Projekt «Neue Einblicke in die Bcl-2 Familieninteraktionen: von der Biophysik zur Funktion» ist die Gruppe des Zelltodforschers Thomas Kaufmann vom Institut für Pharmakologie der Universität Bern. Kaufmann ist Vize-Koordinator der Forschergruppe für die Schweiz und wird eines der 10 Teilprojekte leiten.

Neue Einblicke in ein komplexes Netzwerk von Signalen

Das besondere Interesse der Forschergruppe gilt den Molekülen der sogenannten Bcl-2-Familie (B-cell lymphoma 2), von denen man bereits seit gut 25 Jahren weiss, dass sie den apoptotischen Zelltod regulieren. Die Mitglieder der Bcl-2 Familie sind zentral bei der Entscheidung der Zelle, ob Apoptose ausgelöst oder verhindert werden soll.

Der Forschungsansatz ist umfassend und integrativ angelegt: Es kommen dabei biophysikalische, zell- und molekularbiologische, biochemische, proteinchemische, mausgenetische als auch humanpathologische Ansätze zum Einsatz. Dabei geht die neue Forschergruppe ins Detail der Interaktionen der Bcl-2-Moleküle, die von einer Vielzahl von netzartig zusammenhängenden Signalen bestimmt werden.

Das Ziel der Forschenden ist es, einen weitreichenden Bogen von den biophysikalischen Eigenschaften dieser Moleküle bis hin zu Krankheitsmodellen zu spannen, weshalb auch klinische Partner beteiligt sind. Die neuen Erkenntnisse sollen schliesslich zur Entwicklung von neuen oder verbesserten Behandlungsstrategien – wie sie in klinischen Studien derzeit erprobt werden – beitragen.

Förderung von internationalen Forschungskooperationen

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zunächst für drei Jahre mit rund drei Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt basiert auf einem Abkommen (DACH Lead Agency-Verfahren), das der SNF mit einer Reihe von internationalen Forschungsförderungsorganisationen abgeschlossen hat, um die Förderung internationaler Forschungskooperationen zu ermöglichen.

Neben dem Forschungsaspekt und der geografischen Nähe der Kooperationspartner punktet das D-A-CH-Projekt insbesondere auch mit der intensiven Einbindung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Neben den regelmässigen Treffen des Wissenschaftskonsortiums sind zahlreiche Gastaufenthalte in den Laboren der Kooperationspartner vereinbart, um den wissenschaftlichen Austausch intensiv zu fördern.

 

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck 

17.03.2014