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Forschungspreis 2014 zeichnet Projekt gegen Blutkrankheiten aus

Der diesjährige Johanna Dürmüller-Bol DKF Forschungspreis des Departements Klinische Forschung DKF der Universität Bern geht an den Hämatologen Ramanjaneyulu Allam. Der mit CHF 30'000.- dotierte Forschungspreis wurde am Tag der Klinischen Forschung 2014 verliehen.

Der Gewinner des Johanna Dürmüller-Bol DKF Forschungspreises 2014 heisst Dr. Ramanjaneyulu Allam. Er forscht in der Forschungsgruppe Hämatologie (Erwachsene) in der Gruppe von Prof. Dr. Anne Angelillo-Scherrer im Departement Klinische Forschung der Universität Bern und an der Universitätsklinik für Hämatologie und Hämatologisches Zentrallabor des Inselspitals.

Der Johanna Dürmüller-Bol DKF Forschungspreis 2014 dient der Nachwuchsförderung in der Klinischen Forschung der Medizinischen Fakultät der Universität Bern. Er wurde am Tag der Klinischen Forschung 2014 am 5. November verliehen.

Wie eine fehlerhafte Blutbildung entsteht

Die Forschung von Ramanjaneyulu Allam befasst sich mit sogenannten Ribosomopathien, also Krankheiten des Ribosoms, einer grossen und komplexen molekularen «Maschine» in allen lebenden Zellen. Es wird zur Herstellung von Proteinen benötigt, die unter anderem für die Blutbildung nötig sind.

Erkrankungen des Ribosoms führen zu defekten Proteinen, was wiederum die Blutbildung stört. Schwere Formen von Blutkrankheiten werden unter anderem mit Bluttransfusionen und auch Knochenmarktransplantationen therapiert. Dabei ist jedoch unklar, warum Defekte in Ribosomen nicht Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben, sondern häufig nur zu einzelnen, aber schweren Beeinträchtigungen führen. 

Ramanjaneyulu Allam hat nun herausgefunden, dass ein bestimmtes Protein (RNH1) eine wichtige Rolle bei der Produktion von roten Blutkörperchen spielt. Fehlt dieses Protein, führt dies bei Mäusen zum Tod in der frühen Embryonalphase. In ähnlicher Weise kann diese Fehlproduktion von roten Blutkörperchen bei Patienten mit einer bestimmten schweren chronischen Blutarmut beobachtet werden.

Das Forscherteam von Allam möchte nun untersuchen, inwieweit RNH1 auch beim Menschen zur Krankheitsentstehung beiträgt und welcher molekulare Mechanismus dahinter steckt. Die geplanten Experimente könnten möglicherweise neue therapeutische Strategien gegen chronische Anämie hervorbringen.

Ramanjaneyulu Allam (35) wurde in Indien geboren und studierte Naturwissenschaften an der  Sri Venkateswara University in Tirupati. Nach seinem Abschluss 2002 erhielt er ein Forschungsstipendium am All India Institute of Medical Sciences (AIIMS) in Neu-Delhi, wo er bis 2006 arbeitete. Als Doktorand ging er anschliessend nach Deutschland an die Universität München. 2010 wechselte er an die Universität Lausanne, wo er durch ein Stipendium der Louis-Jeantet-Stiftung unterstützt wurde. 2014 kam er an die Universität Bern, wo er sich seither mit der Bildung von Blutzellen und deren Erkrankungen befasst.

Fondation Johanna Dürmüller Bol stiftet Forschungspreis

Von 2012 bis 2016 wird der Forschungspreis von der Fondation Johanna Dürmüller-Bol gestiftet. Sie will damit in ihren Förderfeldern Medizin und Wissenschaft Nachwuchsforschende der Medizinischen Fakultät der Universität Bern motivieren und unterstützen.

Am Tag der Klinischen Forschung wurden neben dem Johanna Dürmüller-Bol DKF Forschungspreis 2014 weitere Preise verliehen und Projekte vorgestellt.

Am Anlass traten neben dem Forschungspreisgewinner auch die US-Botschafterin für die Schweiz und Liechtenstein, Frau Suzan G. LeVine, sowie Prof. Dr. Thomas Eschenhagen, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), auf. Suzan LeVine äusserte sich unter anderem zur Kultur der Innovation in den USA und der Schweiz sowie zum Austausch von Studierenden und Forschenden, Thomas Eschenhagen sprach zum Thema Translationale Medizin (Schnittstelle zwischen präklinischer Forschung und klinischer Entwicklung).

Förderpreise zu je CHF 2'000.-

Am Tag der Klinischen Forschung wurden neben dem DKF-Forschungspreis weitere Preise verliehen:

Der diesjährige Förderpreis für die beste präklinische Arbeit ging an Giulio Loforese, Departement Klinische Forschung, Universität Bern, Forschungsgruppe Viszerale- und Transplantationschirurgie für seine Arbeit «Regulation of hippo pathway during liver regeneration».

Der Förderpreis für die beste klinische Arbeit wurde Sophie Braga-Lagache, Departement Klinische Forschung, Universität Bern, Forschungsgruppe Protein- und Zellbiologie verliehen für ihre Arbeit «Quantitative protein measurement of circulating plasma microparticles by data-independent nanoLC-MS2».

Der Förderpreis für die beste Arbeit einer Medizinstudentin oder eines Medizinstudenten ging an Sebastian Sahli, Universitätsklinik für Neurochirurgie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Departement Klinische Forschung, Universität Bern, Cluster for Regenerative Neuroscience. Titel seiner Arbeit: «Increased yield of dopaminergic neurons by chronic minocycline treatment and HIF-1 alpha stabilization».

Der diesjährige Alumni MedBern Preis wurde Dr. Tim Vanbellingen, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Departement Klinische Forschung, Universität Bern, Cluster for Regenerative Neuroscience verliehen für seine Arbeit «Home-based training to improve manual dexterity in patients with multiple sclerosis: a randomized controlled trial».

05.11.2014