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Intensiver Sport in der Jugend hinterlässt ein schmerzhaftes Erbe

Die hohe Arthroserate bei Sportlerinnen und Sportlern könnte eine Folge von Oberschenkelschäden sein, die durch Hochleistungssport in der Jugend verursacht wurden. Dies haben Berner Orthopädische Chirurgen herausgefunden.

Intensiver Sport wie Basketball in der Kindheit und Jugend können zu einer abnormalen Entwicklung des Oberschenkels bei jungen Sportlerinnen und Sportlern führen. Hierdurch wird die Hüfte deformiert und die Beckenrotation eingeschränkt, was zu Schmerzen bei Bewegungen führt. Gemäss einem Team um Prof. Dr. Klaus-Arno Siebenrock vom Departement Klinische Forschung der Universität Bern, Forschungsgruppe Chirurgische Orthopädie, ist dies ist eine mögliche Erklärung, warum Sportler eher zur Entwicklung von Arthrose neigen als Menschen, die sich weniger bewegen. Ihre Arbeit ist in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Clinical Orthopaedics and Related Research» erschienen.

Die Forschenden fanden heraus, dass prä-arthrotische Hüftgelenksverformungen bei Spitzensportlern häufiger auftreten als bei den untersuchten Personen, die keinen regelmässigen Sport treiben. Die Hüftgelenksarthrose tritt auch verstärkt bei Tätigkeiten auf, bei denen die Hüfte intensiver genutzt oder schwerer belastet wird. Klaus-Arno Siebenrock weist auf andere Untersuchungen hin, die zeigen, dass insbesondere männliche Sportler, die intensiv Fussball oder Handball spielen oder an lauf- und sprungintensiven Wettkampfsportarten teilnehmen, einem höheren Risiko ausgesetzt sind, früh an Hüftgelenksarthrose zu erkranken.

Zehnmal höheres Risiko

Siebenrock und sein Team verglichen die Verbreitung der sogenannten «nockenartigen Hüftdeformation» bei Hochleistungssportlern in der Kindheit und Jugend mit altersgleichen Kontrollpersonen. Bei der nockenartigen Hüftdeformation entwickelt sich der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens abnormal und beeinträchtigt den Kontakt zwischen Oberschenkelknochen und Hüftpfanne. Die Forschenden untersuchten den Gesundheitszustand und den Bewegungsbereich von 72 Hüften bei 37 männlichen Profi-Basketballspielern und 76 Hüften bei 38 Kontrollpersonen, die keinen Hochleistungssport getrieben hatten.

Bei Männern und Jugendlichen, die seit ihrem achten Lebensjahr in einem Basketballverein spielten, fanden sie Deformationen am Gelenkkopf des Oberschenkelknochens, welche zu abnormalem Kontakt zwischen Oberschenkelknochen und Hüftpfanne führte. Als Folge waren die Innenrotation der Hüfte eingeschränkt und Bewegungen der Hüfte eher schmerzhaft. Diese Unterschiede waren noch ausgeprägter nach dem Verschluss der Wachstumsfuge des Oberschenkels im Laufe der späten Jugend. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen hatten die Sportler ein zehnmal höheres Risiko einer eingeschränkten Hüftfunktion.

Siebenrock kommt zu der Schlussfolgerung: «Unsere Daten lassen vermuten, dass diese Hüftgelenksdeformation teilweise in der Wachstumsphase entsteht und ihre Ausprägung in der Jugend könnte durch Umweltfaktoren wie Hochleistungssport in der Kindheit und in der Zeit, in der sich die Wachstumsfuge des Oberschenkels schliesst, ausgelöst werden. Deformationen haben einen wesentlichen Einfluss auf degenerative Veränderungen der Hüfte. Die morphologischen Eigenschaften des Oberschenkels als Folge von Hochleistungssport dürften damit eine Schlüsselrolle beim gehäuften Auftreten von Hüftgelenksarthrose bei Sportlern spielen.»

Quelle: Springer-Verlag GmbH, Heidelberg

Bibliographische Angaben:

K.A. Siebenrock, F. Ferner, P.C. Noble, R.F. Santore, S. Werlen, T.C. Mamisch: The cam-type deformity of the proximal femur arises in childhood in response to vigorous sporting activity. Clinical Orthopaedics and Related Research, Juli 2011, DOI 10.1007/s11999-011-1945-4

22.07.2011