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Forscher beschreiben Wirkung von MS-Medikament

Das Medikament Natalizumab (Tysabri®) wird eingesetzt, um Patienten mit Multipler Sklerose zu behandeln. Die Universität Bern ist an einer Studie beteiligt, welche die therapeutische Wirkung des Medikaments bestätigt und vor allem besser erklären kann.

Seit einiger Zeit wird zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) das Medikament Natalizumab (Tysabri®) eingesetzt, welches das Immunsystem beeinflusst und den Krankheitsverlauf verzögert. MS ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS), bei welcher körpereigene Abwehrzellen aus dem Blutkreislauf in das ZNS auswandern und dort die Hülle von Nervenzellfortsätzen zerstören. Dies führt zu einer Störung der Informationsübermittlung der Nervenzellen und letztendlich zum vielfältigen klinischen Erscheinungsbild von MS, das sich unter anderem in der Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung oder des Bewegungsablaufs durch Lähmung äussert. Typischerweise treten diese Krankheitszeichen in Schüben auf.

Natalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der an im Blutkreislauf zirkulierende Abwehrzellen andockt und dadurch deren Einwanderung in das Zentralnervensystem und damit den Angriff auf die Nervenzellen verhindern soll. Das Medikament blockiert zwei Eiweissstoffe auf der Oberfläche dieser Abwehrzellen. Ein internationales Team von Forschenden des Max-Planck Instituts für Biochemie (Martinsried, Deutschland) und des Theodor Kocher Institutes der Universität Bern hat nun die Wirkungsweise des Arzneimittels näher beschrieben: Die Forschenden konnten sowohl die Abwehrzelle als auch den Eiweissstoff, die von Natalizumab blockiert werden müssen, beschreiben. Beim Eiweiss handelt es sich um ein Adhäsionsmolekül aus der Integrinfamilie, also um ein Molekül, das für die Signalübermittlung zwischen Zellen und der Aussenwelt eine Rolle spielt. «Die Studie trägt zum besseren Verständnis des therapeutischen Wirkmechanismus des Medikaments bei», kommentiert Britta Engelhardt die Resultate, die nun in «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) publiziert wurden.

Quellenangabe:

Martina Bauer, Cord Brakebusch, Caroline Coisne, Michael Sixt, Hartmut Wekerle, Britta Engelhardt, and Reinhard Fässler: β1-Integrins differentially control extravasation of inflammatory cell subsets into the CNS during autoimmunity. Proceedings of the National Academy of Sciences 2009, doi:10.1073/pnas.0808909106.

30.01.2009