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Komplementärmedizin in der Grundversicherung: Nicht billiger, aber persönlicher

Im Rahmen des Programms Evaluation Komplementärmedizin (PEK) wurden die Kosten von Schul- und Komplementärmedizin verglichen. Eine Untersuchung des Instituts für Evaluative Forschung in der Orthopädie der Universität Bern zeigt nun, dass die Behandlungskosten pro Patient in der Schul- und in der Komplementärmedizin praktisch identisch sind.

Die Kosten der Komplementärmedizin sind seit längerem Gegenstand kontrovers geführter Diskussionen. Eine Studie der Universität Bern vergleicht Kosten und Kostenstruktur von ambulanten Leistungen zwischen Schul- und Komplementärmedizin zulasten der Grundversicherung. Die Resultate zeigen nun, dass unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsstruktur der Patienten, die jährlichen Kosten pro Patient praktisch identisch sind. Es bestehen jedoch beträchtliche Unterschiede in der Art und Weise, wie sich die Kosten zusammensetzen. 56 Prozent der Kosten, die von Ärzten mit Fähigkeitsausweis in Komplementärmedizin verrechnet werden, entsprechen den direkten Behandlungskosten, die sich vor allem aus dem Gespräch zwischen Arzt und Patient und ärztlichen Verrichtungen, die im Rahmen von Konsultationen durchgeführt werden, ergeben. Bei Ärzten ohne komplementärmedizinische Tätigkeit beträgt der Anteil der direkten Konsultations- und Behandlungskosten 39 Prozent. Umgekehrt dazu verhalten sich die Kosten für Medikamente: In der Komplementärmedizin entfallen 35 Prozent der jährlichen Kosten pro Patient für Medikamente, die entweder direkt abgegeben oder als Rezepte verschrieben werden, in der Schulmedizin sind es 51 Prozent. Die restlichen Kostenanteile entfallen jeweils für Laboranalysen und Physiotherapie.


Mehr menschlicher Kontakt in der Komplementärmedizin

In Zusammenhang mit früher publizierten Resultaten des PEK-Programms würde deshalb ein Einschluss der Komplementärmedizin in die Grundversicherung weder zu einer markanten Senkung noch Steigerung der Kosten in der ambulanten medizinischen Versorgung führen. Die Kostenstruktur der Komplementärmedizin weist jedoch darauf hin, dass diese Methoden auf Behandlungsformen beruhen, die wesentlich Patienten zentrierter sind als in der Schulmedizin. In diesem Sinne zeichnet sich Komplementärmedizin durch mehr Interaktion zwischen Arzt und Patient aus – und kann damit auch die Forderung nach mehr «Empowerment» der Patienten eher erfüllen.


Die Daten stammen aus dem PEK-Projekt

Insgesamt wurden in der Berner Studie Daten von 585 Ärzten aus der ganzen Schweiz untersucht. 262 dieser Ärzte besassen einen Fähigkeitsausweis in Komplementärmedizin (Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin, Neuraltherapie oder anthroposophische Medizin). Damit wurde eine Gruppe von 172 Hausärzten ohne Tätigkeit in Komplementärmedizin verglichen. Eine weitere Gruppe von 151 Ärzten, die ebenfalls zum Teil komplementärmedizinische Methoden anwenden, aber nicht über einen entsprechenden Fähigkeitsausweis verfügen, wurde ebenfalls in die Studie miteinbezogen. Alle Daten wurden im Rahmen des PEK-Projekts gesammelt und wurden für die Untersuchung vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und von santésuisse zur Verfügung gestellt.


Sponsor der Studie:

Die Studie wurde durch Mittel des Instituts Evaluative Forschung in der Orthopädie der Universität Bern finanziert. Das BAG und santésuisse hatten gemäss Datenlieferungsverträgen keinerlei Einfluss auf die Analyse und Interpretation der Daten.


Quellenangabe:
Busato A, Eichenberger R, Kuenzi B.: Extent and structure of health insurance expenditures for complementary and alternative medicine in Swiss primary care, BMC Health Services Research 2006, 6:132; doi:10.1186/1472-6963-6-132.

12.10.2006