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Ein Berner Brief aus dem All

Am Sonntag, 15. Januar 2006 kehrt die Kapsel der NASA-Mission «Stardust» nach fast sieben Jahren zur Erde zurück. «Stardust» hatte zum Ziel, Kometenstaub des Kometen Wild-2 einzufangen und zurück zu transportieren. An Bord der Kapsel befindet sich auch ein Mikrochip mit besonderem Inhalt: Auf ihm ist ein Brief gespeichert, den der Berner Professor Paul Wild, Entdecker des Kometen Wild-2, der NASA geschrieben hatte.

Fast sieben Jahre und 4.63 Milliarden Kilometer war «Stardust» in unserem Planetensystem unterwegs, um Kometenstaub und anderes interstellares Material zu sammeln. Am 15. Januar 2006 soll die NASA-Mission mit der Landung der Kapsel in der Nähe von Salt Lake City (Utah) zu Ende gehen. An Bord der Kapsel kehrt auch ein Mikrochip zurück, auf dem ein handgeschriebener Brief des emeritierten Berner Professors Paul Wild gespeichert ist. Wild, einer der profiliertesten astronomischen Beobachter des 20. Jahrhunderts, war von 1980-1991 Direktor des Astronomischen Instituts der Universität Bern. Am 6. Januar 1978 entdeckte er im Observatorium Zimmerwald den Kometen Wild-2, der seither seinen Namen trägt. Zu Beginn der «Stardust»-Mission 1997 sandte Wild dem Projektteam der NASA einen Brief, in dem er der Mission viel Erfolg wünschte und hoffte, die Rückkehr von «Stardust» noch erleben zu dürfen. Seine schöne Handschrift fiel den NASA-Verantwortlichen auf: Seither ist der Brief auf der NASA-Webpage abgelegt und wurde in elektronischer Form auf einem Mikrochip mit «Stardust» auf die lange Reise geschickt.

Über die Mission zu «seinem» Kometen zeigt sich Wild erfreut und «schon ein bisschen stolz» – eine so grosse Bedeutung seiner Entdeckung hatte er anfänglich nicht erwartet: «Von den sieben Kometen, die ich entdeckte, war Wild-2 der unscheinbarste und war am schwierigsten zu erkennen». Wild-2 stellte sich jedoch als wiederkehrender Komet heraus, der sich wegen seiner Nähe zur Erde besonders gut für die geplante Mission eignete.

Beim Abschuss der «Stardust»-Sonde 1999 in Cape Canaveral war Wild noch dabei, die Landung wird er jedoch nicht live mitverfolgen können: Sie wird nachts auf militärischem Sperrgebiet stattfinden. Dennoch ging seine im Brief geäusserte Hoffnung in Erfüllung: Im 81. Lebensjahr darf er den Abschluss der Mission bei guter Gesundheit miterleben.


Erste Kometen-Mission der NASA

«Stardust» war die erste NASA-Mission, die allein der Erforschung eines Kometen gewidmet war. Sie war auch die erste robotische Mission, die interstellares Material ausserhalb des Mondorbits zur Erde zurückbringen sollte. Am 2. Januar 2004 flog die Stardust-Sonde durch den Schweif des Kometen Wild-2, wobei mit einem «Staubfänger», einer Art überdimensioniertem Tennis-Racket, so viel Kometenstaub wie möglich eingefangen wurde.

Die bevorstehende Landung bedeutet eine grosse Herausforderung, da die Relativgeschwindigkeit der Kapsel bezüglich der Erde von etwa 46’440 km/h auf wenige km/h abgebremst werden muss. Mit zwei Manövern (am 5. und 15. Januar 2006) soll zudem erreicht werden, dass die Kapsel tatsächlich am 15. Januar im geplanten Gebiet in der Nähe von Salt Lake City (Utah) landen kann.

Die Wissenschaft erhofft sich von der Analyse des Kometenmaterials Aufschluss über die chemische Zusammensetzung von Wild-2. Da davon ausgegangen wird, dass der Komet sich seit der Entstehung unseres Planetensystems nur wenig verändert hat, enthält das Material auch wichtige Hinweise zur Entstehung der Sonne und unserer Planeten.

11.01.2006