Prof. em Dr. Reinhard Merkel, Strafrecht und Rechtsphilosophie, Universität Hamburg

Willensfreiheit, Schuld und Recht: Eine philosophische Perspektive

Mittwoch, 27.09.2017, 18:15 Uhr


Veranstaltende: Collegium generale
Redner, Rednerin: Prof. em. Dr. Reinhard Merkel, Strafrecht und Rechtsphilosophie, Universität Hamburg
Datum: 27.09.2017
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: Auditorium maximum
Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Zusammenfassung des Referats

Haben wir einen freien Willen, die meisten von uns jedenfalls und manchmal immerhin? Bedeutsam ist die Frage für unser Handeln. Nur dann, so die allgemeine Überzeugung, kann eine Handlung frei sein, wenn dies auch der Willensentschluss gewesen ist, der sie ausgelöst hat. Und nur in einem solchen Fall kann der Handelnde für sein Tun verantwortlich sein.

Was heißt aber hier „frei“? Geläufig ist die Auskunft, frei sei die Entscheidung zu einer Handlung nur dann, wenn der Handelnde sich auch anders hätte entscheiden können. In der philosophischen Diskussion heißt dieser Freiheitsbegriff „Prinzip der alternativen Möglichkeiten“. Nun haben Handlungsentscheidungen ihren Ursprung im Gehirn und die von ihnen ausgelösten Körperbewegungen als das physische Substrat von Handlungen ebenfalls. Gehirne sind aber physikalische Systeme. Sie folgen, heißt das, in ihrem Ablauf den Regularitäten von Naturvorgängen („Naturgesetzen“), die vom Menschen nicht gemacht und nicht beeinflussbar sind. Jeder Gehirnzustand, so scheint es daher, folgt aus jedem unmittelbar vorhergehenden Zustand mit naturgesetzlicher Notwendigkeit. Ein freier Wille, der in diesen Ablauf intervenieren und solche Zustände beliebig abändern könnte, scheint hier keinen Platz zu haben. Das Prinzip der alternativen Möglichkeiten scheint also falsch zu sein.

Ich halte diese Sicht der Dinge für grosso modo plausibel. Dennoch glaube ich, dass sich eine vernünftige Konzeption von Verantwortlichkeit für menschliches Handeln begründen lässt. Wie sie auszusehen hätte, will ich in meinem Vortrag zeigen.

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