Dr. Daniel Fink, Bundesamt für Statistik & Kriminologie, Lausanne

Schuld, Strafe, Strafvollzug im Wandel. Ein statistisch-historischer Zugang

Mittwoch, 04.10.2017, 18:15 Uhr


Veranstaltende: Collegium generale
Redner, Rednerin: Dr. Daniel Fink, Bundesamt für Statistik & Kriminologie, Lausanne
Datum: 04.10.2017
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: Auditorium maximum
Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Zusammenfassung des Referats

Eine Schuld – nach Duden unter anderem als strafbares Verfehlen definiert – steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur richtigen, angedrohten oder ausgesprochenen Strafe, und diese wiederum zum Strafvollzug. Während sich die Mehrheit der Rechtsgelehrten mit rechtswissenschaftlichen und dogmatischen Fragen von Schuld, Strafe und Strafvollzug beschäftigen, geht es in diesem Beitrag um den gesellschaftlichen Wandel der mit diesen Begriffen bezeichneten Institutionen. Dazu wird insbesondere auf die Strafurteils-, Gefängnis- und Strafvollzugsstatistik zurückgegriffen. Die historischen Datenreihen legen den Schluss nahe, dass, mit wenigen Ausnahmen, alle „grossen Verbindlichkeiten“ im Strafrecht dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen sind und heutige Schuld, Sanktionierung und Strafvollzug dem gestrigen in den Grundlagen zwar gleicht, jedoch nicht mehr dieselben sind. Besondere Beachtung kommt dabei der seit 2007 eingeführten Geldstrafe als Hauptsanktion zu, deren Bedeutung stets zunimmt. In einem grösseren theoretischen Rahmen – Weber, Elias, Foucault – interpretiert, handelt es sich um eine langfristig sich durchsetzende Modernisierung und Zivilisierung des Strafens, also um einen historischen Prozess, an dessen Verlauf weder kleine noch grosse Reformen Grundlegendes zu ändern vermögen.

 

Referent:
Daniel Fink, nach Studien in Basel, Paris und Pretoria, Delegierter im Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Von 1996 bis 2010 leitet er die Sektion Kriminalität und Strafrecht im Bundesamt für Statistik. Seit 2011 ist er Lehrbeauftragter für Kriminalstatistik an der Universität Lausanne; seit 2014 nimmt er einen weiteren Lehrauftrag zu Kriminalstatistik und Kriminalpolitik an der Universität Luzern wahr. Nach einer kleineren Publikation zur Freiheitsstrafe – Überwachen statt einsperren, Neuchâtel, BFS, 2009 – wird er Hauptautor und Co-Herausgeber des Handbuches Strafrecht, Freiheitsentzug, Gefängnis, Bern, Stämpfli-Verlag, 2015. Vor kurzem erschien unter seiner Leitung das Werk Le compte du crime, Kriminalstatistik, Bern, Stämpfli-Verlag 2016, und im Frühjahr 2017 La prison en Suisse, Lausanne, PPUR, 2017. Initiant mehrerer Ausstellungen zur Geschichte von Strafrecht und Gefängnis. So wird vom 9.9.2017 bis 12.12.2017 in Porto (Portugal), im Centro português  de fotografia, das in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht ist, die Ausstellung the portuguese prison photo project gezeigt. Siehe unil.ch/unisciences/danielfink oder gefo.ch.

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