Prof. Dr. Heinzpeter Znoj, Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern

Geld und Gaben als Beziehungsmittel

Mittwoch, 08.11.2017, 18:15 Uhr


Veranstaltende: Collegium generale
Redner, Rednerin: Prof. Heinzpeter Znoj, Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern
Datum: 08.11.2017
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: Auditorium maximum
Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Zusammenfassung des Referats

Geld wird gewöhnlich als reines Tauschmittel betrachtet, das für liquidierende Transaktionen verwendet wird, d.h. dass es der Transaktion von Gütern und Leistungen zwischen ökonomischen Subjekten dient, die zuvor und danach in keiner Beziehung stehen müssen. So lange solche liquidierenden Transaktionen nicht beglichen sind, bestehen Schulden, welche eine als belastend empfundene hierarchische Beziehung konstituieren.
Ich werde argumentieren, dass Geld nicht nur in Gesellschaften ohne Staat und ohne Markt als Beziehungsmittel entstanden ist („primitives Geld“ bzw. soziale Währungen), sondern auch heute noch in vielen Praktiken dazu gemacht wird. Ich werde dabei auf die Beispiele Lokalwährungen und Trinkgeld eingehen. Ich verstehe diese Geldpraktiken als kollektiven Versuch, die trennende und vereinzelnde Praxis liquidierender Geldtransaktionen zu kompensieren und damit einer Logik des Austausches zum Ausdruck zu verhelfen, die unsere marktwirtschaftliche Praxis unterdrückt und entwertet, die aber nach wie vor im zwischenmenschlichen Umgang spontan entsteht.
Im ersten Teil werde ich soziale Währungen diskutieren.
Im zweiten Teil werde ich Gaben und Geschenke differenzieren.
Im dritten Teil werde ich beziehungsstiftende alltägliche Geldpraktiken analysieren.
In den Schlussfolgerungen werde ich diskutieren, was die Analyse von Gaben und Geld als Beziehungsmittel für unser Verständnis von Schulden bedeutet.

Homepage von Prof. Dr. Heinzpeter Znoj, Institut für Sozialanthropologie, Universität Bern