PD Dr. Daniel Cuonz, Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur, Universität St. Gallen

Das Drama des verschuldeten Menschen - Shakespeare, Ibsen, Dürrenmatt

Mittwoch, 15.11.2017, 18:15 Uhr


Veranstaltende: Collegium generale
Redner, Rednerin: PD Dr. Daniel Cuonz, Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur, Universität St. Gallen
Datum: 15.11.2017
Uhrzeit: 18:15 - 19:45 Uhr
Ort: Auditorium maximum
Hauptgebäude
Hochschulstrasse 4
3012 Bern
Merkmale: Öffentlich
kostenlos

Zusammenfassung des Referats

Seit der internationalen Finanzkrise von 2008 ist ein zuvor wenig beachteter Verwandter des Homo oeconomicus in den Fokus des allgemeinen Interesses gerückt: der Homo Debitor, der Mensch, der so rettungslos verschuldet ist, dass er durch seine Schulden in seinem ganzen Menschsein bestimmt wird. Die spätkapitalistische Schuldenwirtschaft scheint maßgeblich davon zu profitieren, dass der verschuldete Mensch im Lauf der Zeit gelernt hat, sich für seine Schulden moralisch schuldig zu fühlen. Es liegt daher auf der Hand, dass in Anbetracht der zunehmenden Verschuldung einer zunehmenden Anzahl von Menschen auch neue Sichtweisen auf das Verhältnis von Schuld und Schulden dringend nötig sind. Dazu braucht es jedoch nicht nur neue Formen von ethischer Phantasie und ökonomischer Kreativität, sondern auch eine unverbrauchte Sprache, in der beides zueinander finden kann.

In dieser Hinsicht können sich die aktuellen Debatten über die Lebensform des verschuldeten Menschen möglicherweise von der Literaturgeschichte weiterhelfen lassen. Denn die Thematisierung der Frage, wie sich Schuld und Schulden ineinander verschieben, einander überlagern oder aufeinander verweisen, gehört zu bemerkenswertesten Langzeitprojekten der neuzeitlichen Literatur. Vor allem in der Geschichte des Dramas, vom Anbruch der Moderne bis ins historische Vorfeld der Schuldenkrise unseres Jahrhunderts, spielen Szenarien der Rückgewinnung von Handlungsspielräume, die in einem Leben in und mit Schulden verloren gehen, eine aufschlussreiche Rolle. Mit William Shakespeare, Henrik Ibsen und Friedrich Dürrenmatt werden in dem Vortrag drei Autoren zur Sprache kommen, die das Drama des verschuldeten Menschen an den neuralgischen Punkten seiner Geschichte maßgeblich geprägt haben.

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