Porträt Selbstverständnis

Porträts

"Die Universität Bern setzt ein Zeichen"

Prof. Dr. Doris Wastl-Walter
Vizerektorin Qualität

„Mit der aktuellen Kampagne gegen sexuelle Belästigung verleiht die Universitätsleitung ihrem Anspruch auf ein gutes Arbeits- und Studierklima und auf ein faires und wertschätzendes Arbeitsklima zwischen Frauen und Männern Ausdruck. Die Universität kommt damit ihrer Verpflichtung nach Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit nach und setzt ein Zeichen, denn die Universität Bern duldet keine sexuelle Belästigung. Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie unter www.zu-nah.ch.“

"Die Zurückstellung von Wissenschaftlerinnen ist äusserst irritierend."

Prof. Dr. Michael Gerfin
Departement Volkswirtschaftslehre

Mitglied der Kommission für die Gleichstellung

"Kürzlich erschien in der New York Times ein Artikel, der beschreibt, wie selbst etablierte und renommierte Ökonominnen erleben müssen, wie sie für ihre Arbeit nicht die Wertschätzung erhalten, die ihnen zusteht. Implizit wird suggeriert, dass sie auf die Hilfe ihrer Koautoren (und Ehemänner) angewiesen sind, so dass ihr Beitrag nur als zweitrangig erachtet wird. Angus Deaton, der Nobelpreisträger dieses Jahres und betroffen von der Zurückstellung seiner Ehefrau, sagt, 'this sort of problem was not good for women in science. [And] I think it is real enough'.

Ich empfinde diese Situation als Mann und als Wissenschaftler äusserst irritierend. Besserung ist nur möglich, wenn die Wahrnehmung solcher Phänomene, die ihre Ursache oft im Unbewussten haben, geschärft wird. Darin sehe ich eine wesentliche Aufgabe in meiner Arbeit in der Kommission für Gleichstellung."

"Gleichstellung ist noch nicht erreicht"

Pia Portmann
SUB Vorstand
Ressort Gleichstellung und Kommunikation

Englische Sprach- und Literaturwissenschaften und Philosophie

"Schon als Kind habe ich bemerkt, dass nicht für alle Menschen dieselben Regeln gelten. Ich wusste zwar noch nicht, was Diskriminierung ist, aber hatte schon damals das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Und dieses Gefühl blieb.
In meinem Studium hat sich diese Intuition bestätigt. Ich habe gelernt und erforscht, wie unterschiedlich Männer und Frauen in den Medien repräsentiert werden und wie Menschen, die nicht den binären Geschlechterbildern entsprechen, oft unsichtbar gemacht und stereotypisiert werden.
Im Alltag zeigt sich immer wieder, dass Sexismus allgegenwärtig ist – sei es bei der Arbeit, Zuhause, im Ausgang oder eben auch an der Uni.

Es ist unübersehbar, dass Gleichstellung noch nicht erreicht ist und dass dies allen schadet. Die logische Schlussfolgerung: Man muss etwas dafür tun!"

"Das Modell für bessere Vereinbarkeit"

Prof. Dr. Isabel Roditi
Professorin für Zellbiologie
Vertreterin der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät in der Kommission für Gleichstellung der Universität Bern

 

"Die Idee für das 120%-Modell hatten wir vor vielen Jahren an einem Mittagessen mit Kolleginnen. Jemand meinte, es wäre schön, wenn Postdocs mit Kinderbetreuungspflichten Teilzeit arbeiten könnten. Wir haben uns überlegt, das mit einer Laborantenstelle zu verbinden, so dass es zusammen 120% ergibt und sich die Stellen einen Tag in der Woche überlappen.

Ich habe das Modell der Universität und dem Nationalfonds präsentiert, eine Zeit lang ohne Erfolg. Als damalige Präsidentin des SNF-Fachausschusses Personenförderung konnte ich die Idee aber in das Strategiepapier einfliessen lassen und es wurde angenommen. Das war der offizielle Beginn. Nach dem Nationalfonds hat sich schliesslich auch die Universität dafür interessiert und inzwischen hat es sich hier an den Fakultäten etabliert."

"Macht, was euch wirklich fasziniert"

Prof. Dr. Britta Engelhardt
Direktorin des Theodor Kocher Instituts und Professorin für Immunbiologie
Vertreterin der Medizinischen Fakultät in der Kommission für Gleichstellung der Universität Bern

 

 

"Was ich den jungen Leuten immer nahelege: Macht, was euch wirklich fasziniert! Und überlegt nicht von Anfang an, was euer Berufsziel ist. Das ist ja auch der Geist der Universität im Gegensatz zur Wirtschaft. Wir bilden nicht in erster Linie Berufsleute aus. Wir machen eine akademische Ausbildung. Das heisst wir bilden nicht Leute aus, die in einen präzisen Beruf passen. Wir vermitteln Wissen an intelligente Leute und rüsten sie mit den Werkzeugen aus, sich Inhalte anzueignen und neues Wissen zu erzeugen. So formen wir junge Menschen mit vielen Talenten, die man in vielen Bereichen einsetzen kann."