Porträt Geschichte

Geschichte und Architektur

Botanischer Garten

Altenbergrain 21

Mit dem Botanischen Garten besitzt die Universität eine Anlage, deren ursprüngliche wissenschaftliche Bestimmung als botanische Sammlung sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer für Stadt und Bevölkerung kaum weg zu denkenden öffentlichen Institution, einem der beliebten Pärke der Stadt, gewandelt hat. Der Erhalt der wertvollen Bauten geht mit der nicht immer einfachen Aufgabe einher, diese den neuen wissenschaftlichen Anforderungen anzupassen. Grund genug, die Anlage kennen zu lernen! 

Hauptgebäude und Schaugarten

In der Vorgeschichte des Botanischen Gartens werden mehrere Standorte erwähnt: 1789 an der Vannazhalde, um 1800 an der heutigen Kochergasse. Die heutige Anlage im Rabbental entstand in den Jahren um 1860-62. Dieses Gelände bot sich an, weil es seit kurzem durch den gewaltigen Bahndamm der ersten Eisenbahnbrücke, der „Roten Brücke“, vom Wind geschützt war. Schon damals schufen offenbar grosse Infrastrukturbauten gute Voraussetzungen für das Gedeihen seltener und empfindlicher Vegetationen, so wie sie heute auf Autobahnböschungen und Industriebrachen anzutreffen sind. 

Hauptgebäude und Obergärtner Anfang zwanzigstes Jahrhundert

Die Situation wurde 1928-30 mit dem Bau der Lorrainebrücke parallel zur Roten Brücke räumlich uminterpretiert. Dank der hohen Seitenwände wurde der Botanische Garten kaum beschnitten. 1948 stürzte im Zug der Vorbereitungen für den Neubau des heutigen Instituts für Pflanzenwissenschaften allerdings ein Teil der Stützmauer des Viadukts ein, weil der gewaltige Kunstbau auf dem künstlich aufgeschütteten Untergrund nicht genügend Halt fand. Der Schaden konnte zum Glück repariert werden.

Die Geschichte der modernen Architektur ist untrennbar mit der Entwicklung der Baumaterialien Stahl und Glas um die Mitte des 19. Jahrhunderts verbunden. Dank ihren spezifischen Anforderungen gehörten Gewächshäuser zu den ersten Bauten, an denen diese neuen Materialien und die zugehörigen Konstruktionsarten erprobt werden konnten, welche bis heute weite Verbreitung geniessen.

Gewächsaus aus Stahl und Glas

Vor diesem historischen Hintergrund verdienen die vier Glashäuser vor dem Hauptgebäude besondere Aufmerksamkeit. Ein Lageplan um 1860 zeigt sie als Teil des ursprünglichen Projekts der Architekten Dähler & Schultz, die den Architekturwettbewerb für den neuen Botanischen Garten gewonnen hatten. Obschon die Glashäuser Renovationen und Veränderungen (Einbau von Heizungen etc.) über sich ergehen lassen mussten, ist ihre Ausstrahlung als anmutige Zweckarchitektur ungebrochen.

Situationslan historisch

Zur ursprünglichen, unter der Leitung von Kantonsbaumeister Friedrich Salvisberg konzipierten Anlage gehört auch das Hauptgebäude, welches einst das Auditorium, die botanischen Sammlungen, das Gärtnerhaus sowie im Zwischentrakt die Orangerie bzw. das Kalthaus aufnahm. Das Haus wurde 1905 umgebaut und um ein Geschoss aufgestockt; eine Ahnung von der ursprünglichen Zierlichkeit der Architektur im Laubsägeli-Schweizerhaus-Stil vermitteln die erhaltenen Eisenguss-Balkone.

Hauptgebääude neu und historisch

Vom rückwärtig rings um das Hauptgebäude angelegten Kranz von Bauten aus dem späten 19. Jahrhundert hat nur das so genannte Birlihus überlebt; ein nüchterner Sichtbacksteinbau, wie er um die Jahrhundertwende vielerorts für Industrie und Gewerbe errichtet wurde. Ein ähnlicher Bau, welcher wohl 1905 die Orangerie des umgebauten Hauptgebäudes abgelöst hatte, sowie ein mit gusseisernem Zierwerk hübsch hergerichtetes Palmenhaus gehörten zu den Um- und Zubauten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit der Realisierung der Schauhäuser von 1969-1972 wurden sie ihrer Aufgabe ledig.

Kranzbauten spätes 19. Jahrhundert

1969-1972 errichteten die Architekten Kissling & Kiener die neuen Schauhäuser mit den bis tief über den Aarehang hinab reichenden Unterbauten der Anzuchthäuser. Im Vergleich zu den vier erhaltenen ältesten Gewächshäusern zeigt sich eindrücklich der gewaltige Fortschritt, den die Bautechnologie mit ähnlichen Materialien innerhalb eines Jahrhunderts zurück gelegt hatte. Neu stellt der Beton in der subtil abgetreppten Gesamtanlage sein Potential als plastisches Baumaterial unter Beweis; Glas wird nun in riesigen Tafeln verarbeitet. Die auf verschiedenen Niveaus begehbare Anlage mit ihren intimen und exponierten Terrassen und Durchgängen wird nicht nur von SpezialistInnen geschätzt.

Neues Schauhaus

Literatur:

Die historischen Illustrationen sind freundlicherweise vom Botanischen Garten zur Verfügung gestellt worden.