FAQ Open Access

Ist Open Access nicht eine Utopie?

Im Gegenteil - trotz ihrer noch kurzen Geschichte kann die Open Access-Bewegung enorme Erfolge verzeichnen und ist dabei, den wissenschaftlichen Publikationsmarkt zu verändern:

Wie kann ich meine eigenen Artikel auf meiner Homepage veröffentlichen, ohne dass ich rechtliche Vereinbarungen verletze?

Dazu gibt es keine einheitliche Antwort, denn bei jedem einzelnen Text gilt das, was Sie mit dem Verlag schriftlich vereinbart haben. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie vor der Vertragsunterzeichnung darauf achten, wie viele und welche Verwertungsrechte Sie dem Verlag einräumen (vgl. dazu auch die FAQ des Schweizerischen Nationalfonds, besonders Pkte. 12 und 13). Die überwiegende Mehrheit der Verlage erlaubt es aber, zumeist das Post-Print (begutachtete, Version des Autors) oder das Pre-Print (eingereichte, aber noch nicht begutachtete Version) selbst zu veröffentlichen: Informationen zur Haltung Ihres Verlages finden Sie in der Datenbank SHERPA/ROMEO.

Besteht nicht die Gefahr von Plagiaten, wenn alles online frei zugänglich ist? Wer sichert mir die Rechte an meinen Texten?

Aus elektronischen Ressourcen per "copy & paste" zu plagiieren ist tatsächlich noch einfacher als aus einem Buch abzuschreiben (plagiiert wurde allerdings auch schon vor dem Internetzeitalter). Das gilt jedoch nicht nur für Open Access-Literatur, sondern für jeden elektronischen Text, sei es Wikipedia oder die Online-Ausgabe einer Tageszeitung. Sobald jedoch der Volltext des Originals im Netz steht, fällt es auch sehr viel leichter, Plagiate durch Textvergleich zu erkennen!

Im übrigen arbeiten Open Access-Verlage und -Zeitschriften meist mit CreativeCommons-Lizenzen, die den AutorInnen die geistigen Urheberrechte und die Namensnennung sichert und ihnen die Möglichkeit gibt, selbst zu bestimmen, wie und in welchem Umfang ihre Publikation weiter verwendet werden darf (ob bspw. nur nichtkommerziell, ob eine Bearbeitung möglich ist etc.). Damit können die einzelnen Autoren und Autorinnen - und nicht der Verlag - darüber bestimmen, wer wie mit ihren Texten arbeiten kann.

Ist es nicht absurd, wenn ich als AutorIn noch Publikationsgebühren bezahlen soll? Schliesslich habe ich schon den Artikel geschrieben und gebe ihn dem Verlag umsonst!

Aus Sicht der Forschenden ist dies unverständlich - bis ein Blick auf die Kostenverteilung im traditionellen Publikationsmodell die Gründe dafür deutlich macht:

Als Autorin oder Autor geben Sie dem Verlag den Inhalt tatsächlich umsonst (oder Sie bezahlen noch Seitengebühren bzw. liefern einen Publikationskostenzuschuss). Das Editorial Board einer Zeitschrift arbeitet ebenfalls normalerweise umsonst, genauso wie die Peer Reviewer. Der Verlag kümmert sich um Lektorat (teilweise), Druck, Vertrieb und Marketing - und verkauft dann die Zeitschriften, zumeist an universitäre Bibliotheken, die Ihre Artikel mit öffentlichem Geld 'zurückkaufen' müssen.

Im traditionellen Modell bezahlt also der Leser - entweder im pay-per-View-Modell (LeserInnen zahlen für das Betrachten eines Artikels) oder indirekt durch die Subvention der öffentlichen Hand in Form von Bibliotheks-Subskriptionen. Im Open-Access-Modell werden die Kosten, die die Publikation mit sich bringt, vor der Publikation erhoben, damit die Leser nichts zahlen müssen.

Studien wie die des britischen Joint Information Systems Committee (JISC) von 2009 legen nahe, dass die Umstellung des gesamten akademischen Publikationssystems auf ein Open-Access-Modell erhebliche Einsparungen mit sich bringen würde. Sicher ist, dass Open Access die Gesamtkosten des Publikationssystems sehr viel transparenter macht - und dass mit dem gleichen Geld eine viel grössere Leserschaft erreicht werden kann.

Ich würde gerne in einer Open Access-Zeitschrift veröffentlichen, aber ich brauche finanzielle Unterstützung für die Publikationsgebühren.

Je nach Förderung Ihres Projektes haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

1. Wenn Sie in einem EU-Forschungsprojekt arbeiten, können Sie Publikationskosten zu 100% budgetieren und abrechnen.
Informationen finden Sie hier:

Bei Fragen rund um EU-Projekte hilft Ihnen auch EUresearch Bern weiter.

2. Wenn Sie vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert werden, können Sie ebenfalls ihre Forschungsgelder für eine goldene Open Access-Publikation (nicht für sogenannte Hybrid-Modelle, d.h. für die Freischaltung eines Artikels) verwenden; ggf. können zusätzliche Mittel beantragt werden. Eine weitere Möglichkeit sind die Publikationskostenzuschüsse des SNF. Detaillierte Informationen finden Sie auf den Seiten des SNF (siehe insbesondere auch die FAQ).

3. Zahlreiche grössere Open Access-Verlage bieten institutionelle Mitgliedschaften an, bei denen die Publikationsgebühr für die Angehörigen beteiligter Institution gesenkt werden. Die Universität Bern ist zur Zeit Mitglied bei BioMed Centralund SpringerOpen; weitere Mitgliedschaften sind in Abklärung. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie uns einen Verlag oder eine Zeitschrift vorschlagen möchten.

4. Wir beraten Sie gern individuell bezüglich Finanzierungs- und Publikationsmöglichkeiten. Kontaktieren Sie uns.

Bedeutet Open Access nicht auch das Ende der kleinen Verlage, gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich?

Die kleinen Verlage stehen seit vielen Jahren unter Druck - mit oder ohne Open Access. Viele insbesondere geisteswissenschaftliche Publikationen sowie Dissertationen können nur mit Publikationszuschüssen der öffentlichen Hand finanziert werden, weil sie als Kleinstauflagen mit hohen Preisen tendenziell ein Verlustgeschäft sind. Open Access kann aber auch eine Chance sein, neue Publikationswege zu gehen und Bücher einem breiteren Publikum überregional zugänglich zu machen. Ein gesamteuropäisches Projekt ist bspw. die OAPEN Library, in der sich mehrere europäische Universitätsverlage zusammengeschlossen haben, die ihre Bücher sowohl on demand als Printversion als auch Open Access zum Download bereitstellen.

Wie steht es um das Peer Review bei Open Access-Zeitschriften? Sind solche Online-Publikationen überhaupt seriös?

Im Gegensatz zu Publikationen auf Preprint-Servern sind Open Access-Zeitschriften ebenso der Qualitätskontrolle durch Peer-Review bzw. herausgeberische Kontrolle verpflichtet wie traditionelle Zeitschriften. Ins Directory of Open Access Journals werden nur wissenschaftliche Zeitschriften aufgenommen, die diese Bedingungen erfüllen. Darüber hinaus müssen die Zeitschriften eine ISSN haben. Durch den Verzicht auf die Printversion erscheinen Artikel in Open Access-Zeitschriften aber häufig schneller als in vergleichbaren traditionellen Zeitschriften.

Wie steht es um die Zuverlässigkeit beim Zugang zu Online-Ressourcen? Ich möchte nicht in einer Open Access-Zeitschrift publizieren, wenn mein Artikel nicht dauerhaft auffindbar und zitierbar ist.

Für alle elektronischen Ressourcen ist wichtig, dass digitale Inhalte langfristig abruf- und zitierbar sind. Dazu gibt es stabile, dauerhafte Internet-Adressen (sogenannte persistent identifier, erkennbar am URL-Präfix DOI oder URN). Viele elektronische Zeitschriften verwenden diese bereits, ebenso die meisten Repositorien. Damit sind Ihre Artikel wesentlich dauerhafter erreichbar als bei einer Ablage auf der eigenen Homepage.

Open Access-Publikationen haben keinen hohen Impact-Faktor / sind in meinem Fachgebiet noch nicht genug bekannt. Für meine Karriere ist es aber wichtig, dass ich in einer bereits breit bekannten Zeitschrift publiziere.

Diese Haltung ist stark im Wandel - zum einen, weil viele Förderorganisation wie der Schweizerische Nationalfonds, die DFG in Deutschland oder der European Research Council es fordern bzw. fördern, dass die von ihnen unterstütze Forschung in Open Access publiziert wird (vgl. die Berliner Erklärung 2003). Zum anderen haben bereits viele Open Access-Publikationen einen Impact-Faktor. Andere brauchen mehr Zeit, da Impact-Faktoren erst nach mindestens drei Jahren vergeben werden können. Je mehr Forschende in Open Access-Zeitschriften publizieren, desto schneller wird der Wechsel stattfinden!

Wenn Sie in einer traditionellen Zeitschrift publizieren, sollten Sie darauf bestehen, dass Sie Ihren Artikel - gegebenenfalls nach einer Embargo-Frist -frei zugänglich machen können (siehe dazu den Abschnitt Publizieren in Open Access).