«Wir wollen für unsere Studierenden da sein»

Die Lehre ist ein Grundpfeiler der Strategie 2021 der Uni Bern. Seit 2013 findet jährlich der Tag der Lehre statt, der Expertinnen und Experten in der Lehre mit Dozierenden zusammenbringt und die Stärkung der Lehre an der Uni Bern zum Ziel hat. An der diesjährigen Tagung wurden Perspektiven und Hürden von Lehre mit Videos thematisiert. «uniaktuell» befragte Bruno Moretti, Vizerektor Lehre, dazu.

Interview: Lisa Fankhauser

«uniaktuell»: Herr Moretti, seit wann gibt es den Tag der Lehre?
Bruno Moretti: 2013 fand der erste Tag der Lehre statt – eine Kooperation von Hochschuldidaktik und Vizerektorat Lehre mit dem Ziel, die Lehre an der Uni Bern vermehrt zu stärken. Das Thema des ersten Tags der Lehre war die Verknüpfung von Forschung und Lehre.

Wie wird das Thema des Tags der Lehre jeweils ausgewählt?
Wir überlegen uns, welche Themen strategisch wichtig sind und gerade aktuell werden. So thematisierten wir etwa in vergangenen Jahren die Verbesserung von Prüfungsformen oder die wirksame Kopplung von Kontakt- und Selbststudium. Es sind immer Themen, die konkrete Problemlösungen bieten und zur Verbesserung der Lehre beitragen. Der Tag der Lehre besteht aus Präsentationen von Expertinnen und Experten sowie einer Plattform für Best Practice-Beispiele – letztere werden nicht durch Hochschuldidaktikerinnen und Hochschuldidaktiker, sondern von Kolleginnen und Kollegen aus der Lehre präsentiert und, ich darf sagen, es handelt sich immer um inspirierende Beispiele. Auch in den Pausen wird diskutiert oder werden Informationen und Ideen ausgetauscht.

Wer ist das Zielpublikum des Tags der Lehre?
Beim Tag der Lehre handelt es sich um eine Tagung für Dozierende der Uni Bern, die auch offen ist für Angehörige der BFH und der PHBern. Es kommen aber jeweils auch Besucherinnen und Besucher anderer Unis.

Dieses Jahr war wirksame Lehre durch den Einsatz von Videos das Thema...
Sinn und Zweck des diesjährigen Tags der Lehre war, den durchdachten Einsatz von Videos zu diskutieren und Beispiele von Instituten aufzuzeigen, die bereits Erfahrungen mit dem Einsatz von Videos in der Lehre gemacht haben. Die Teilnehmenden sollten sich Tipps und Anregungen holen, wie Herausforderungen in diesem Bereich gemeistert werden können. Videos eignen sich als Lösung für Veranstaltungen mit grossen Studierendenzahlen sowie auch als selbständige Arbeitsmaterialien für innovative Lehrangebote. Wie bei Podcasts – Vorlesungsaufzeichnungen – machen Videos die Präsenzlehre nicht überflüssig: Bei Podcasts hat sich interessanterweise herausgestellt, dass die Studierenden die Vorlesungen weiterhin besuchen. Sie nutzen die Podcasts also komplementär als Ergänzung zum Präsenzunterricht, etwa gezielt vor Prüfungen.

Diverse Hochschulen bieten kostenlose Onlinekurse für ein breites Publikum an. Wie ist die Uni Bern im Bereich dieser MOOCs («Massive Open Online Courses») aufgestellt?
MOOCs haben einerseits eine Unterrichts- und andererseits eine «Werbefunktion», da gute MOOCs zur Sichtbarkeit einer Hochschule beitragen können. Es gibt aber auch schlecht gemachte MOOCS – einige Hochschulen produzieren diese nur, um «dabei» zu sein. Die Uni Bern hat sich explizit entschieden, vor allem für ihre Studierenden da zu sein und zwar in direktem Kontakt, statt grosse finanzielle Beträge in Projekte zu investieren, die für Studierende keinen Mehrwert bieten. Deshalb verzichten wir auf MOOCs. Vielmehr konzentrieren wir uns auf neue Technologien und Entwicklungen, die die Kontaktlehre optimieren oder andere Formen von Innovation ermöglichen, die die Uni weiterbringen.

Nutzen Sie selber Videos, wenn Sie am Institut für italienische Sprache und Literatur unterrichten?
Wenn es angebracht und sinnvoll ist, verwende ich auch Videos. Grundsätzlich erachte ich es als wichtig, dass Dozierende jene Instrumente verwenden, die optimal zu den Lernzielen und den übrigen Bedingungen ihrer Veranstaltung passen. Dies gilt auch für Videos.

Zur Person

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Bruno Moretti ist seit 2011 Vizerektor Lehre sowie seit 2002 als Professor der italienischen Sprachwissenschaft am Institut für italienische Sprache und Literatur der Uni Bern tätig. Zudem ist er Leiter des Osservatorio linguistico della Svizzera italiana und Autor zahlreicher Veröffentlichungen im Bereich der Soziolinguistik und der Mehrsprachigkeit. Innerhalb seiner Forschungsinteressen nimmt die Untersuchung der sprachlichen Situation in der Schweiz in all ihren Aspekten einen wichtigen Teil ein.

Zur Autorin

Lisa Fankhauser ist innerhalb des Bereichs Corporate Communication für die interne Kommunikation zuständig.

17.02.2017