Weiterbildung: Die flexiblen Beiboote des lebenslangen Lernens

Welche übergreifenden Themen werden für die wissenschaftliche Weiterbildung in zehn Jahren relevant sein? Diese Frage stand im Fokus der 6. Herbsttagung des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW. Anhand diverser Thesen richteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jubiläumstagung ihren Blick in die Zukunft und diskutierten intensiv mögliche Szenarien und Entwicklungen.

Von Christine Valentin

Vor 25 Jahren wurde die wissenschaftliche Weiterbildung – dank eines Impulsprogramms des Bundes –  auch an der Universität Bern institutionalisiert. In diesem Vierteljahrhundert ist die Weiterbildung, die aktuell 80 anspruchsvolle Studiengänge anbietet, stark gewachsen und von der Peripherie ins Zentrum der Universität gerückt. Heute bilden sich pro Jahr mehr als 5500 Personen an der Universität Bern weiter und diese vergibt an die 500 MAS-, DAS- und CAS-Abschlüsse pro Jahr.

Laut Adrian Ritz, Präsident der Weiterbildungskommission (WBK), war diese nachhaltige Entwicklung nur dank dem Erfolgsrezept «Handlungsspielraum» möglich: «Die Fakultäten und Instituten konnten so flexibel auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und dank der Beratung und Unterstützung des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW rasch neue Qualifizierungsangebote auf den Markt bringen», sagte der Professor am Kompetenzzentrum für Public Management (KPM).

Mit dem Wachstum der Weiterbildung vom Nischenplayer zu einem relevanten Geschäftsfeld der Universität geht diese erfolgreiche «bottom-up-Strategie» nun jedoch in eine «hybride Steuerung» über. Im Zeitalter des verstärkten Wettbewerbs wird es gemäss Adrian Ritz entscheidend sein, dass die Universität Bern bei der Weiterbildung eine Differenzierungs-Strategie verfolgt und etwa ihre Forschungsschwerpunkte nutzt, um sich in der Gesellschaft und im Bildungsmarkt im Sinne einer Bildungskette zu profilieren.

Weiterbildung der qualifizierten 50+ – eine Aufgabe der Universität?

Mit ihrem Überblick zu den «heissen Themen» der Hochschul-Weiterbildung in Europa bereitete Andrea Waxenegger, bis vor kurzem Präsidentin des europäischen Fachnetzwerks EUCEN, den Boden für die Gruppendiskussionen. Laut der Leiterin des Zentrums für Weiterbildung der Universität Graz sind im europäischen Kontext die Sicherung der Qualität der Hochschul-Weiterbildungen, die Individualisierung der Angebote und die Finanzierung dominante Themen. Mit Blick auf die Altersarmut, die laut Waxenegger in Europa sichtbar zunimmt, nahm die Referentin die Hochschulen in die Pflicht: «Kümmern wir uns um die älteren Hochqualifizierten, die noch zwanzig Jahre arbeiten müssen? Sind die Hochschulen und Universitäten wirklich bereit, auf das Thema ‹Lebenslanges Lernen› einzusteigen und auch diesen Zielgruppen eine Perspektive zu bieten?» Hier sieht Waxenegger die wissenschaftliche Weiterbildung im Vorteil – als wendige «Beiboote» des «grossen Tankers» Hochschule, die rasch auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren können.

Weitreichende Vorschläge

Seine Kompetenz im Bereich der Weiterbildung und beim Schaffen von Netzwerken zeigte das ZUW im interaktiven Teil der Tagung. Die rund 70 Teilnehmenden aus Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen diskutierten in bunt zusammengewürfelten Kleingruppen sehr angeregt und auch kontrovers jeweils eine von neun Thesen – vom Titelschutz über die Öffnung der Universitäten und Fachhochschulen für Personen ohne Hochschulzulassung bis hin zum Fachkräftemangel. Sie formulierten teilweise recht weitreichende Vorschläge, wie die Hochschulweiterbildung auf festgestellte Trends reagieren sollte. Die Thesen basieren auf einer Studie des ZUW zur Zukunft der Hochschulweiterbildung in der Schweiz, die 2016 zusammen mit den Ergebnissen der Diskussion in der Tagungspublikation «zoom» veröffentlicht wird.

ZUW Herbsttagung

Die Herbsttagung des Zentrums für universitäre Weiterbildung ZUW, die jeweils Anfang November stattfindet, widmet sich seit 2010 übergreifenden Themen der Hochschulweiterbildung. Das ZUW präsentiert an der Herbsttagung in der Regel eine Studie zum Thema. Die Referate und die Resultate der Studie werden jeweils im «zoom» veröffentlicht, das im Frühjahr erscheint.

Zur Autorin

Christine Valentin ist eidg. dipl. PR-Beraterin und Museologin MAS. Sie ist verantwortlich für die Kommunikation des Zentrums für universitäre Weiterbildung der Universität Bern ZUW.

Kontakt:

Zentrum für universitäre Weiterbildung ZUW

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12.11.2015