Veranstaltungsreihe «Flucht, Migration, Integration»

Zwei Weltkriege mit gewaltigen Verfolgungen, der Untergang von Grossmächten und die Dekolonisation: Das 20. Jahrhundert war geprägt von Flucht und Migration. Auch heute dominieren Flüchtlingsströme das globale Bild. Dozierende der Universität Bern beleuchten die Hintergründe der aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen.

Von Sara Bloch

Die Zahlen sind bestürzend: Mehr als eine Million Migranten und Flüchtlinge sind 2015 über verschiedene Wege nach Europa gelangt. Ungefähr die Hälfte dieser Menschen, die Krieg und Not hinter sich lassen wollen, kommt aus Syrien und Afghanistan. Die grosse Mehrheit erreicht Europa über das Meer, andere fliehen über Land. Und die Zahlen gehen auch im Winter nicht zurück: Gemäss UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, flohen seit Anfang dieses Jahres schon 105‘479 Menschen nach Europa. Der andauernde Krieg in Syrien trägt wesentlich zu dieser Flüchtlingswelle bei. Die Flüchtlinge, die an die Ufer und Grenzen Europas gelangen, spiegeln nur zu einem kleinen Teil die Realitäten einer letztlich globalen Krise wider. Und doch droht Europa an seinen Enden auseinanderzufallen. Das Mittelmeer, das Ost und West verbindet, ist zu einem Schauplatz von Verzweiflung und Hoffnung geworden. Wir stehen vor einer grossen Herausforderung und eine Diskussion, was Europa zusammenhält und wie wir uns in der Welt situieren, ist dringend nötig.

Fokusthema an der Universität Bern

Mit dem Fokusthema «Flucht, Migration, Integration» stellt die Universität Bern die Frage, ob die momentane Krise auch eine Chance auf Reformen, Innovation und Integration birgt. Hierfür werden vom Collegium generale sechs interdisziplinäre Veranstaltungsabende organisiert, an denen einige der dringendsten Aspekte aufgegriffen werden. Das Fokusthema strebt eine Differenzierung der Zugänge und Perspektiven an und lädt Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichsten Fachbereichen dazu ein, sich kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen. Neben Themen zu politischen und rechtlichen Aspekten finden sich auch Beiträge aus der Archäologie, der Geschichte und der Sozialanthropologie. Die Referierenden stützen sich auf ihre laufenden Forschungen und berichten aus ihren Erfahrungen: Von Feldforschung mit Migrationsbehörden und Grenzpolizei über Spurensuche prähistorischer Mobilität bis zu Möglichkeiten konkreter Integrationsprojekte. Drei übergreifende Fragestellungen werden im Zentrum stehen.  

Migration universell gesehen

Wie ist Migration, ob erzwungen oder freiwillig, in Geschichte und Mythos konzipiert? Welche universellen Fragen von Abgrenzung und Integration sind erkennbar? Die verschiedenen Referierenden spannen den Bogen von den prähistorischen Spuren menschlicher Mobilität über den Umgang mit Migration im spätantiken Römischen Reich zum Selbstverständnis der Schweiz als Nationalstaat mit klaren Grenzen. So stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Migration historisch gesehen der Normalzustand ist.

Migration rechtlich gesehen

Setzt man bei den juristischen und politischen Interdependenzen von Migration an, stellt sich die Frage, ob Migration überhaupt regulierbar ist und wenn ja, wie? Besteht ein Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und politischen sowie wirtschaftlichen Krisen? Was steht überhaupt hinter dem rechtlichen Begriff des «Flüchtlings»? Und ist Flucht und Migration ein illegales Verhalten oder ist es ein Menschenrecht? Die Referierenden berichten über die juristischen Implikationen von Flucht und Migration.

Migration politisch gesehen

Auch der zentralen Frage, wie moderne Gesellschaften mit Migration umgehen sollen, wird nachgegangen. Welche konkreten Massnahmen können bei der Integration von Migranten und Flüchtlingen wirksam sein und was bedeutet «Integration» überhaupt? Wie ist mit der Diversität der Immigrantinnen und Immigranten umzugehen und wie fördert man Toleranz? Die Referierenden diskutieren über Möglichkeiten und Probleme, die der Integrationsprozess mit sich bringt.

Veranstaltungsreihe «Flucht, Migration, Integration»

Die Dozierenden der Universität Bern leisten einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zum besseren Verständnis der Hintergründe der aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Themenfeld «Flucht, Migration, Integration». An sechs Abenden im März und April setzen sich jeweils zwei Referierende mit dem Thema auseinander und greifen, ausgehend von ihrer eigenen Forschung, kontroverse  Fragen auf. Die zwei Referate werden jeweils durch eine moderierte Diskussion abgerundet, mehr Infos hierzu unter:

Zur Autorin

Sara Bloch hat Religionswissenschaft studiert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Geschäftsführerin des Collegium generale. 

29.02.2016