UniPress ist in aller Munde

Essen müssen wir alle. Wie wir es tun, macht uns zu dem, was wir sind. Das Wissenschaftsmagazin UniPress wirft neue Blicke auf unser täglich Brot.

Von Timm Eugster

Ein Schlund mit spitzen Zähnen? Nein, eine aufgeplatzte Peperoni in der Makroaufnahme: Das Titelbild der aktuellen UniPress-Ausgabe erschliesst sich nicht auf den ersten Blick, genausowenig wie die weiteren zehn Nahaufnahmen von Lebensmitteln im Heft. Ein neuer Fokus – und schon verliert Alltägliches wie Brot, Käse oder Radiesli seine Selbstverständlichkeit.

Neue Blickwinkel auf Gewohntes eröffnen auch die UniPress-Autorinnen und Autoren. Wer am heimischen Herd steht und im Spaghettitopf rührt, ist sich kaum bewusst, dass Kochen uns einst zum Menschen machte. Der Sozialanthropologe Heinzpeter Znoj stellt entsprechende neue Forschungen zur Evolution der Menschheit vor: Erst als die Primaten lernten, über dem Feuer zu kochen, verfügten sie über genügend energiereiche Nahrung, um ein derart unverhältnismässig grosses Hirn auszubilden, wie es uns Menschen eigen ist. Zudem entwickelte sich um die Lagerfeuer und Kochtöpfe die menschliche Sozialstruktur mit ihren ausgeklügelten Formen von Kooperation und sprachlicher Kommunikation.

Richtig essen – richtig leben

Wie wir uns ernähren, ist nur sehr wenig natürlich vorbestimmt: Essen ist sozial und kulturell kompliziert. Dies zeigt sich aktuell beim Boom vegetarischer und veganer Ernährungsweisen. Wer sich heute fleischlos ernährt, knüpft kaum an entsprechende religiöse, asketische oder philosophische Traditionen an, wie der Religionswissenschaftler Jens Schlieter zeigt. Vielmehr geht es darum, durch seinen persönlichen Ernährungsstil die eigenen Werte in die Realität umzusetzen: Essen für eine bessere Welt. Fragen der «gesunden» Ernährung sind immer mit Fragen nach der «richtigen» Lebensweise verknüpft. Dies zeigt auch die Kunsthistorikerin Christine Göttler am Beispiel des Malers Peter Paul Rubens und seiner Freunde, die um das Jahr 1600 als Angehörige der neuen städtischen Elite einen wahren Kult um das Salz zelebrierten: Als lebensspendender Stoff stand es für Schönheit und Fruchtbarkeit – und galt als sehr gesund. Heute hingegen wird Salz zusammen mit Fett und raffinierten Kohlehydraten für die «Pandemie Adipositas» und damit für zahlreiche Krankheiten und Todesfälle mitverantwortlich gemacht, wie der Ernährungsmediziner Zeno Stanga ausführt. Deshalb versuchen die Behörden der Bevölkerung mit plakativen Empfehlungen eine gesunde Ernährung schmachhaft zu machen, beispielsweise mit Lebensmittelpyramiden. Wie die zahlreichen – und unterscheidlichen – Pyramiden entstanden sind und welche Tücken sie haben, zeigt die Biochemikerin Christine Römer-Lüthi. Es bleibt dabei: Was uns persönlich gut tut, wie wir uns ernähren und wie wir leben wollen, dies ist für jeden Menschen individuell. Und oft ziemlich kompliziert.

Einwanderungsland Schweiz

Die Schweiz ist eine Einwanderungsgesellschaft: 28 Prozent der Bevölkerung ist im Ausland geboren, das ist mehr doppelt so viel wie im klassischen Einwanderungsland USA. Die Personenfreizügigkeit mit der EU hat zu einer massiven Liberalisierung geführt – und zu einer grossen Verunsicherung samt politischen Turbulenzen. Gefragt sind neue Lösungen. Alberto Achermann, Professor für Migrationsrecht, hat Ideen dazu. Im UniPress-Gespräch stellt er sie vor.

Veranstaltungsreihe

Das Collegium generale führt aktuell eine Veranstaltungsreihe zum Thema Essen durch.

Zum Autor

Timm Eugster ist Redaktor bei UniPress

22.04.2016