Traumberuf Programmiererin

Wie erkennt ein Computer Gesichter? Welche Programmiersprachen gibt es? Und wie entstehen Videospiele? Insgesamt 248 Kinder und Jugendliche besuchten am Nationalen Zukunftstag die Universität Bern. «uniaktuell» hat eine Gruppe Mädchen an das Institut für Informatik begleitet.

Von Maria Meier

Fast 250 Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klasse waren am 9. November in den Hörsälen, Büros und Labors der Universität Bern unterwegs. Sie lernten verschiedene Berufe kennen und schnupperten Hochschulluft. Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 11 bis 13 Jahren nahmen an insgesamt 25 von der Universität Bern organisierten «Spezialprojekten» teil. 

Eines der Projekte, das sich speziell an Mädchen richtete, fand im Institut für Informatik statt. Zwanzig Schülerinnen hatten sich dafür angemeldet und wurden von zwei Informatikstudentinnen durch den Vormittag und die Räumlichkeiten des Instituts begleitet. Auf dem Programm standen zwei Workshops, in denen die Schülerinnen erfuhren, wie etwa die Gesichtserkennung funktioniert oder wie ein Computerspiel entsteht.

Für eine offene Berufs- und Studienwahl

«Unabhängig von Rollen- und Prestigedruck verschiedene Arbeitsbereiche kennenzulernen, darum geht es am Zukunftstag», erklärt Adrien Ott von der Abteilung für Gleichstellung (AfG). Die Abteilung organisiert und koordiniert den Zukunftstag an der Universität Bern. Der Hochschule sei es ein grosses Anliegen, Kinder und Jugendliche für eine offene Berufs- und Studienwahl zu sensibilisieren. 

Die Bedeutung dieses Themas verdeutlichte sich am breiten Angebot. Mit insgesamt 287 Halbtagesplätzen war die Universität Bern am diesjährigen Zukunftstag der grösste Anbieter von «Spezialprojekten» im Kanton. 14 verschiedene Institute und Abteilungen öffneten ihre Türen für die Kinder und stellten sich ihren Fragen. 

Mit spezifischen Angeboten wie jenem am Institut für Informatik versuche die Universität Bern, dem Fachkräftemangel in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) aktiv entgegenzuwirken und das Geschlechterverhältnis in gewissen Studienfächern und Abteilungen auszugleichen, erklärt Adrien Ott.

«Ich kann das!»

Professor Oscar Nierstrasz, Geschäftsleitender Direktor des Instituts für Informatik, hiess die Mädchen am Institut willkommen. Er findet das Engagement der Universität wichtig. Tatsächlich ist die Informatik eines der Studienfächer, das am wenigsten Studentinnen hat – bloss 13 Frauen zählt das Institut auf 100 Studierende. Am Zukunftstag soll deshalb gerade bei Mädchen das Interesse an Informatik geweckt und ihnen ein Einblick in die Wissenschaft der Informationsverarbeitung ermöglicht werden.  

Eine Herzensangelegenheit ist die Nachwuchsförderung von Mädchen im naturwissenschaftlichen Bereich auch für Ursula Zybach, Präsidentin des Grossen Rates. Die studierte Lebensmittelingenieurin besuchte die Schülerinnen am Institut für Informatik und erzählte ihnen von ihren Erfahrungen als Frau in einem technischen und mehrheitlich männerdominierten Umfeld.

Im Gymnasium war Ursula Zybach das einzige Mädchen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Typus C. «Das war anstrengend», erinnert sie sich. Am Zukunftstag ermutigte sie die Mädchen dennoch dazu, auch technische Berufe zu wählen. «Die wichtigste Erkenntnis während des Studiums war: ich kann das!», erzählt Ursula Zybach. Eine Erkenntnis, die sie den Mädchen unbedingt weitergeben wolle.

Die Machbarkeit betonte auch Ramona Imhof, die im Master Informatik studiert und die Schülerinnen am Zukunftstag begleitete. Sie hatte sich früh daran gewöhnt, als Mädchen in der Minderheit zu sein. Bei der Studienwahl liess sie sich dann auch nicht vom ungleichen Geschlechterverhältnis oder von stereotypen Klischees vom Beruf des Informatikers abhalten. «Ich wollte selber Probleme lösen können, ohne dabei von anderen abhängig zu sein», erklärt sie. Über die weibliche Unterstützung am Zukunftstag freute sich Prof. Oscar Nierstrasz und pflichtete dem prominenten Gast Ursula Zybach zu: «Ohne Vorbilder ist es schwierig, die Mädchen für technische Berufe zu motivieren.»

In einer Stunde zum eigenen Computerspiel

Im zweiten Workshop im Computerraum des Instituts konnten die Mädchen selber wirken. Unter der Anleitung von Doktorierenden programmierten die zwanzig Schülerinnen in einer Stunde Schritt für Schritt ihr eigenes Computer-Spiel. Dabei waren Teamwork, exaktes Vorgehen und Kreativität gefragt.

Je weiter fortgeschritten die Zeit, desto lebhafter wurde es im Computerraum. Das konzentrierte Programmieren hatte sich gelohnt. Schon bald hüpften lustige Figuren auf bunt gestalteten Hintergründen über die Bildschirme. Am Schluss war die Zeit gar zu kurz – einige der Mädchen hätten gerne an ihrem Computerspiel weitergetüftelt.

«Ich wusste zuerst überhaupt nicht, was Informatik ist, aber heute habe ich gemerkt, dass es Spass macht», erzählt eines der Mädchen nach dem Workshop. Am besten habe ihr das Programmieren gefallen und dabei zu sehen, wie die Figuren nach und nach zum Laufen gebracht werden konnten, sagt sie begeistert. Ob aus ihr wohl einmal eine Game-Designerin wird? «Das wäre cool», meint sie, aber zuerst schaue sie am Nachmittag noch bei den Chemikerinnen vorbei.

Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Die Universität Bern bekennt sich zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie fördert mittels effektiver Gleichstellungsinstrumente und Karrieremodelle den Erfolg von Frauen und Männern im Wissenschaftsbetrieb. Die Universität Bern verfügt deshalb über eine Kommission sowie eine Abteilung für Gleichstellung. Die Abteilung für Gleichstellung (AfG) der Universität Bern bietet zu diesem Zweck verschiedene Kurse, Workshops, Mentoringprogramme, Coachings und Beratung an.

Nationaler Zukunftstag

Das Ziel des Nationalen Zukunftstags ist die Förderung der offenen geschlechterunabhängigen Berufs- und Lebensplanung von Schülerinnen und Schülern. Am Zukunftstag öffnen Hunderte von Betrieben, Organisationen, Berufsfachschulen und Hochschulen in der ganzen Schweiz ihre Türen. Mädchen und Jungen der 5. bis 7. Klasse sind eingeladen, Bezugspersonen an die Arbeit zu begleiten oder an spannenden «Spezialprojekten» teilzunehmen.

Zur Autorin

Maria Meier ist Hochschulpraktikantin Corporate Communication an der Universität Bern.

10.11.2017