Transparent, licht und einladend

Das Gebäude an der Münstergasse 61/63 ist der älteste nicht-kirchliche Bibliotheksbau der Schweiz. Nach über zwei Jahren Bauzeit wird sich die Bibliothek Münstergasse ab dem 30. Mai als einladende und zeitgemässe Bibliothek in einem historischen Umfeld präsentieren können.

Elio Pellin

Die Anforderungen, die Kundinnen und Kunden an eine Bibliothek stellen, sind 2016 andere als 1974, 1905, 1833 oder 1794. Selbstverständlich sind gedruckte Bücher im Bibliotheksbetrieb nach wie vor wichtig. Der digitale Wandel der letzten Jahre hat die Arbeits-, Lern- und Kommunikationsbedürfnisse des Bibliothekspublikums aber dramatisch verändert. Der moderne Bibliotheksbetrieb hat sich deshalb innert weniger Jahre in vielen Bereichen vom unmittelbar präsenten physischen Bestand gelöst. Gefragt sind Arbeits- und Begegnungszonen, die individuelle und kooperative Lern- und Arbeitsformen weit über die Bürozeiten hinaus ermöglichen. Und gefragt sind Dienstleistungen wie Beratung, Schulung, Unterstützung, Vermittlung, die es den Benutzerinnen und Benutzern erleichtern, in der unübersichtlichen digitalen Welt zu verlässlichen und qualitativ guten Informationen zu kommen.

Raum fürs Publikum

Vierzig Jahre nach dem letzten grösseren Umbau bot sich die Gelegenheit, das Gebäude an der Münstergasse nicht nur zu renovieren, sondern baulich an die Anforderungen eines modernen Bibliotheks- und Archivbetriebes anzupassen. Die Burgergemeinde Bern, deren Burgerbibliothek ebenfalls im Gebäude an der Münstergasse untergebracht ist, nahm als Besitzerin der Liegenschaft die Wünsche der Universitätsbibliothek für den Umbau ihrer Teilbibliothek auf und liess das historische Gebäude nach den Plänen der alb architektengemeinschaft umfassend umbauen. Entstanden ist ein transparenteres, lichtes und einladendes Bibliotheksgebäude, das die eigene Geschichte sichtbar macht und den Bedürfnissen des Publikums besser gerecht wird. Insgesamt bietet die neue Bibliothek Münstergasse den Kundinnen und Kunden mehr Raum als die alte Zentralbibliothek. Räume wie der historische Gewölbekeller oder die Lounge und der Kursraum im ersten Obergeschoss sind neu fürs Publikum offen.

Mehr Licht

Die markante Veränderung des Gebäudes zeigt sich besonders augenfällig einerseits mit den neuen, nach historischem Vorbild erstellten Fenstern gegen die Münstergasslaube hin und andererseits im neuen Lesesaal. Der alte und für viele etwas bedrückende Lesesaal wurde nach oben geöffnet. Der Lesesaal ist neu zweigeschossig und bietet mit den Oberlichtern angenehmes Tageslicht. Wer trotzdem lieber abgeschieden und für sich arbeitet, zieht sich an einen der separaten Einzelarbeitsplätze zurück. Wer eine Gruppenarbeit vorbereiten muss oder lieber mit anderen zusammen lernt oder diskutiert, findet im ersten Untergeschoss hinter dem Lesesaal reservierbare Gruppenarbeitsräume.

Historisches besser sichtbar

In den Magazinräumen, die klimatisch optimiert wurden, werden nur noch die wertvollen historischen Bestände aufbewahrt. Im Sonderlesesaal Historische Bestände können die Forschenden angenehmer und besser betreut arbeiten. Und wer nicht professionell mit den historischen Dokumenten zu tun hat, kann in den Wechselausstellungen des Zentrums Historische Bestände schöne Preziosen aus den Altbeständen im Original bestaunen.

Der historische Schultheissensaal im ersten Obergeschoss wurde beim Umbau nicht sichtbar verändert. Der Prunksaal ist aber nicht mehr ausschliesslich ein Lesesaal, sondern bietet neu eine Präsenzbibliothek mit Literatur über den Kanton und aus dem Kanton Bern (Bernensia). Und wie auch im neuen Lesesaal bieten wir im Schultheissensaal mit cUBe eine innovative Verbindung von gedruckten Büchern und elektronischen Angeboten. Mit cUBe sind unmittelbar bei den physischen Beständen über mobile Geräte auch die entsprechenden und immer umfangreicher werdenden elektronischen Angebote sichtbar und recherchierbar.

Gastronomische Neuerung

Wer bei einem günstigen Automatenkaffee Zeitung liest, findet in der Lounge im ersten Obergeschoss ein attraktives Angebot an Zeitungen und Zeitschriften und einen Self Service-Bereich. Die Bibliothek Münstergasse hat sich aber nicht nur architektonisch, sondern auch gastronomisch geöffnet. Die Café Lounge Lesbar im Parterre steht selbstverständlich nicht nur Kundinnen und Kunden der Bibliothek Münstergasse offen. Das Angebot von ausgesuchten Getränken und Speisen aus der Region Bern und Portugal wird wohl nicht lange ein Geheimtipp bleiben.

Universitätsbibliothek Bibliothek Münstergasse

Eröffnung:

Montag, 30. Mai 2016

Tag der offenen Türe:

Samstag, 10. September 2016

Öffnungszeiten:

Mo-Fr 8.00 – 21.00 Uhr, Sa 8.00 – 17.00

Dienstleistungen:

Workshops und Kurzschulungen, Führungen und Einführungen, ausgebautes Beratungsangebot, Ausstellungen und Veranstaltungsreihen, Soundsessel mit Musikstreaming-Angebot, Präsenz-Bibliothek Bernensia, cUBe (mobile Webanzeige von elektronischen Medien)

Zum Autor

Elio Pellin, Dr. phil hist, ist Verantwortlicher für Öffentlichkeits- und Kulturarbeit der Universitätsbibliothek Bern.

18.05.2016