Raus aus den Forschungslabors, rein in Berns Wohnquartiere

In einer mobilen Ausstellung thematisieren Stadt und Universität Bern den Klimawandel. «Container³» gibt Einblicke in die Berner Klimaforschung und zeigt, wie sich Bern für nachhaltige Mobilität und erneuerbare Energien einsetzt.

Von Kaspar Meuli

«Wo Bern in der Champions League spielt», betitelte die «Berner Zeitung» vor ein paar Jahren eine Reportage über das Oeschger-Zentrum, die Drehscheibe der Klimaforschung an der Universität Bern. Der Vergleich ist schmeichelhaft, aber nicht übertrieben: Die Berner Klimaforschung geniesst einen hervorragenden Ruf und ist ein wichtiger Knoten im Netz der internationalen Forschungsgemeinschaft. Berner Forschungsresultate sorgen regelmässig für Aufmerksamkeit in den renommierten Fachzeitschriften, und Berner Forschende figurieren unter den «Most Influential Scientific Minds», einer Zusammenstellung der am häufigsten zitierten Wissenschafterinnen und Wissenschaftler. Und nicht zu vergessen: Bern spielte eine zentrale Rolle bei der Erarbeitung des letzten Berichts des Uno-Klimarats IPCC.

Die wissenschaftlichen Leistungen des Oeschger-Zentrums, das rund 250 Forschende aus den unterschiedlichsten Disziplinen vernetzt – von der Atmosphärenphysikerin, über den Geologen, die Klimatologin und den Biologen, bis zum Historiker, der Politikwissenschafterin und dem Ökonomen – sind also unbestritten. Bloss ist das den Bernerinnen und Bernern kaum bewusst. Ungleich weniger jedenfalls, als wenn YB regelmässig auf dem internationalen Fussballparket mitmischen würde.

Die grosse Klima-Tour

Eigentlich schade, denn die Berner Forschung trägt nicht nur zur Lösung globaler Klimafragen bei, sie forscht auch zu Themen, die speziell für die Region Bern von Bedeutung sind. Deshalb hat das Oeschger-Zentrum beschlossen, aus den Forschungslabors herauszutreten und seine Arbeit unter die Leute zu bringen. Es führt diesen Sommer eine Wanderausstellung der besonderen Art durch. Diese macht vom 17. August bis am 16. September 2017 in allen Berner Stadtteile an sieben Standorten Halt. Die mobile Schau ist in zwei blaugestrichenen, mit einem auffälligen «KLIMA»-Schriftzug versehen Schiffscontainern untergebracht. Ebenfalls Teil der grossen Tour durch die Berner Wohnquartiere sind ein grüner «ENERGIE»- und ein roter «MOBILITÄT»-Container.

Denn Container3, wie sich die «Berner Ausstellung rund ums Klima» nennt, ist ein gemeinsames Vorhaben des Oeschger-Zentrums und des Amts für Umweltschutz der Stadt Bern. Eine Zusammenarbeit, die viel Sinn macht: Die Klimaforschenden verstehen sich als «Honest Broker», als unparteiische Vermittler, die lediglich Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellen. Klimapolitik hingegen ist Sache des Staates; und die Umsetzung einer Energie- und Klimastrategie, wie sie die Stadt Bern entwickelt hat, muss auf kommunaler Ebene geschehen.

Tatsache Klimawandel

Am Eingang des Klimateils der Ausstellung ist Thomas Stocker zu sehen, Professor für Umwelt- und Klimaphysik an der Universität Bern und ab diesem Herbst neuer Präsident des Oeschger-Zentrums. In einem Videostatement liefert er das inhaltliche Fundament von Container3. «Der Klimawandel ist in der Wissenschaft unbestritten», stellt er klar, «die Forschung zeigt, dass der Grund für die Veränderung, die wir heute beobachten, der Mensch ist.» Wer den Klimawandel noch bestreite, habe «kurzfristige wirtschaftliche Motive».

Nach diesem Prolog geht es in den beiden «KLIMA»-Containern um sechs aktuelle Forschungsprojekte. Vorgestellt werden sie in audiovisuellen Präsentationen. Zum Beispiel das Projekt der Doktorandin Anouk Guyer, die der Frage nachgeht, wie sich der Klimawandel auf die biologische Schädlingsbekämpfung im Maisanbau auswirkt. Oder die Arbeit von Hubertus Fischer, Professor für experimentelle Klimaphysik. In einem «Oldest Ice» genannten Projekt sucht er nach dem ältesten Eis der Erde und trägt so mit seinem Team zu einer europäischen Anstrengung bei, das Klima der letzten 1,5 Millionen Jahre besser zu verstehen. 

Schlusspunkt an der «Nacht der Forschung» 

Die beiden «ENERGIE»- und «MOBILITÄT»-Containern zeigen, wie die Stadt Bern den klimafreundlichen Umgang mit Energie und eine nachhaltige Mobilität fördert. Besucherinnen und Besucher erfahren unter anderem, wie sie als Hausbesitzerinnen aber auch als Mieter Energie sparen können und wie die die Berner Velo-Offensive umgesetzt wird. Schlusspunkt der Tour von Container3 durch Berns Wohnquartiere ist das Länggassquartier, wo die Schau auf der grossen Schanze Halt macht und Teil der «Nacht der Forschung» der Universität am 16. September ist.

Berner Pionier der Klimaforschung

Der Klimateil der Ausstellung ist jedoch nicht nur in Bern zu sehen. Während der vom Oeschger-Zentrum organisierten «International Carbon Dioxide Conference» ICDC10 machen die «Klima»-Container vom  21. bis am 25. August im Park des Kursaals Interlaken Halt. Der wissenschaftliche Grossanlass zieht 600 Klimaforschende aus der ganzen Welt an und kommt zu seinem zehnten Jubiläum in die Region zurück, wo er 1981 als «Bern CO2 Symposium» seinen Anfang nahm. Organisiert worden war die erste CO2 -Konferenz unter anderem von Hans Oeschger (1927-1998), nach dem das Berner Klimaforschungszentrum benannt ist. Mit seiner Pionierarbeit lieferte der Berner Physiker grundlegende Erkenntnisse zum Verständnis der Erde als Systems. Es gelang ihm unter anderem nachzuweisen, dass die steigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre eine Folge der Verbrennung fossiler Energieträger sind.

Die Berner Klimaforschung spielte also schon vor 40 Jahren in der Champions League – bloss hiess die prestigeträchtigste Fussballliga der Welt damals noch nicht so. Sie nannte sich Europapokal der Landesmeister.

DAS OESCHGER-ZENTRUM FÜR KLIMAFORSCHUNG (OCCR)

Das Oeschger-Zentrum ist das Kompetenzzentrum der Universität Bern für Klimaforschung. Es wurde im Sommer 2007 gegründet und trägt den Namen von Hans Oeschger (1927-1998), einem Pionier der modernen Klimaforschung, der in Bern tätig war. Das Oeschger-Zentrum bringt Forscherinnen und Forscher aus neun Instituten und vier Fakultäten zusammen und forscht disziplinär und interdisziplinär an vorderster Front. Erst die Zusammenarbeit von Natur-, Human-, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften kann Wege aufzeigen, wie sich dem globalen Klimawandel auf unterschiedlichsten Ebenen begegnen lässt: regional verankert und global vernetzt.

DIE AUSSTELLUNG: EIN THEMA, SIEBEN STANDORTE

Teaser

«Container3 – Eine Berner Ausstellung rund ums Klima» will wichtige gesellschaftliche Themen aus den Amtsstuben und Forschungslabors holen und unter die Menschen bringen. Deshalb findet die Ausstellung nicht an einem zentralen Standort in der Innenstadt statt, sondern bewegt sich in einer grossen Tour durch Berns Wohnquartiere: vom Casino- über den Europaplatz ins Tramdepot Burgernziel und weiter zum Stauffacherplatz, in den Lorrainepark und auf den Eigerplatz. Schlusspunkt der Reise ist das Länggass-Quartier, wo die Schau auf der grossen Schanze Halt macht und Teil der Nacht der Forschung der Universität am 16. September ist.

NACHT DER FORSCHUNG

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Am Samstag, 16. September 2017, lädt die Universität Bern zur dritten «Nacht der Forschung». An diesem grossen Wissensfest gibt die Universität einen Einblick in ihre Forschung – verständlich erklärt und unterhaltsam präsentiert. Die «Nacht der Forschung» findet zwischen 16.00 und 24.00 Uhr in den drei Gebäuden der Universität Bern rund um die Grosse Schanze und auf dem Areal um die Gebäude herum statt.

Zum Autor

Kaspar Meuli ist Journalist und PR Berater. Er ist verantwortlich für die Kommunikation des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung.

17.08.2017