Niemand zu klein, an der Uni zu sein

Mädchen vor dem Computer und Buben im Tierspital – am Nationalen Zukunftstag haben 130 Kinder und Jugendliche der Uni Bern einen Besuch abgestattet und für sie untypische Berufsfelder erkundet. «uniaktuell» hat ihnen bei einem Blitzschnupperkurs in Gesellschaftswissenschaften über die Schultern geschaut.

Von Ivo Schmucki

Der Nationale Zukunftstag ist eine Erfolgsgeschichte – schon bei der ersten Ausgabe im Jahr 2001 unter dem Namen «Nationaler Tochtertag» nahmen über eine halbe Million Kinder und Jugendliche am Anlass teil. Das Kooperationsprojekt von Gleichstellungsfachstellen und -kommissionen verschiedener Kantone soll junge Menschen ermutigen, ihre Zukunft frei von starren Geschlechterbildern zu gestalten. Obwohl Mädchen und Buben bei der Berufswahl viele Türen offenstehen, ordnen sie nach wie vor viele Jobs dem anderen Geschlecht zu. Am Zukunftstag werden die Rollen getauscht, und die jungen Menschen erhalten einen Einblick in Berufsfelder, die eigentlich mit dem anderen Geschlecht assoziiert werden.

Programme an der Uni Bern sind beliebt

An der Uni Bern wurde am Nationalen Zukunftstag im Jahr 2013 erstmals ein grösseres Programm angeboten. Damals wie heute ist dieses Angebot sehr gut besucht. Dies bestätigt auch Karin Beyeler von der Abteilung für Gleichstellung (AfG), die den Zukunftstag an der Uni Bern koordiniert: «Schon vor der Ausschreibung der Plätze rufen interessierte Eltern bei uns an – die Beliebtheit des Angebots spricht für sich.»

Perspektiven sollen erweitert werden

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am nationalen Zukunftstag können wertvolle Erkenntnisse über die Arbeitswelt sammeln. Gerade in einem Hochschulbetrieb, wo meist die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Vordergrund stehen, ist es interessant, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Karin Beyeler sagt dazu: «Wichtig ist uns, dass die Kinder sehen, dass die Universität ein grosser Betrieb ist mit vielen Mitarbeitenden in den verschiedensten Bereichen und vielen Studierenden in vielen unterschiedlichen Studienrichtungen.»

Der Besuch an der Uni Bern zeigt den Mädchen und Buben auf, dass sie bei der Berufswahl alle Möglichkeiten haben. Ganz im Sinne des Zukunftstags sollen sie Teile des Berufsspektrums kennenlernen, die meist dem anderen Geschlecht zugeordnet werden und so selbst mit Konventionen brechen. Im Zentrum stehen die persönlichen Erlebnisse: «Am Abend wird ein Mädchen seinen Eltern vielleicht davon berichten, wie es in der Informatik selbst etwas programmieren durfte oder ein Junge erzählt von den Tieren, die im Tierspital behandelt werden», erklärt Karin Beyeler.

Blitzschnupperkurs als Gesellschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler

Beim beruflichen Rollentausch an der Uni Bern konnten sich beispielsweise die Mädchen als Weltraumforscherinnen oder die Buben als Bibliothekare versuchen. Ein etwas anderer Ansatz wurde beim «Blitzschnupperkurs als Gesellschaftswissenschaftler_in» angewandt, den das Team der AfG durchführte. Hier wurden die Mädchen und Buben in getrennten Gruppen zu Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern ausgebildet und wissenschaftliche Resultate zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie erarbeitet. So lernten sie nicht nur ein spannendes Berufsfeld, sondern auch einen weiteren Aspekt der Zukunftsplanung kennen.

Nach einer Einführung in das Feld der Sozialwissenschaften haben die Kinder eigenständig eine Umfrage auf die Beine gestellt. Sie sind in kleinen Grüppchen losgezogen und haben auf dem Areal Grosse Schanze Studierenden und Mitarbeitenden verschiedenen Fragen gestellt.

Wichtige Themen werden beleuchtet

Die Ergebnisse der Umfrage wurden mit viel Engagement auf Flipcharts grafisch dargestellt und präsentiert. Eine Mädchengruppe setzte sich mit dem Thema Kinderbetreuung auseinander und kam zum Schluss: «Frauen und Männer geben ihre Kinder häufig in die Kita oder eine Tagesschule, dafür sind diese ja auch da.» Eine andere Gruppe befragte Studierende zu ihren Nebenjobs: «Wir fanden es spannend zu erfahren, wieviel die Leute arbeiten und ob sie nebenbei überhaupt noch Freizeit haben.»

Auch die Buben kamen mit spannenden Resultaten von der Befragung zurück. So hat eine Gruppe festgestellt, dass Mitarbeitende der Universität Bern mit ihrer Arbeit zufrieden sind, Männer aber noch etwas mehr als Frauen. Andere beschäftigten sich mit dem Thema Haushaltsarbeit: «Wir haben herausgefunden, dass Männer weniger häufig Haushaltsarbeiten machen als Frauen.» Dabei haben sie auch die Haushaltsgrösse berücksichtigt: «die meisten Leute, die wir befragt haben, waren verheiratet und leben zusammen».

Die Kinder konnten vom Blitzschnupperkurs viel über den Universitätsbetrieb und das Zusammenspiel zwischen Arbeit und Familie mitnehmen und können so hoffentlich auch einen kleinen Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau leisten.

Die Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männern

Die Universität bekennt sich zur Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie fördert mittels effektiver Gleichstellungsinstrumente und Karrieremodelle den Erfolg von Frauen und Männern im Wissenschaftsbetrieb. Die Universität Bern verfügt deshalb über eine Kommission sowie eine Abteilung für Gleichstellung und verfolgt insbesondere folgende Ziele:

- auf allen Stufen findet sich ein angemessener Anteil beider Geschlechter

- die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern wird von allen aktiv umgesetzt

- die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Care-Verpflichtungen ist für Frauen und Männer möglich

- Geschlechterforschung ist nachhaltig innerhalb der Universität verankert

Der Nationale Zukunftstag

Der Zukunftstag will – wie sein Name sagt – die Zukunft gestalten. Mädchen und Jungen wechseln die Seiten; dadurch lernen sie untypische Arbeitsfelder und Lebensbereiche kennen und machen Erfahrungen fürs Leben. Auf diese Weise öffnen sich Horizonte. Mädchen und Jungen bekommen Mut und Selbstvertrauen, ihre Zukunft losgelöst von starren Geschlechterbildern an die Hand zu nehmen.

Der Nationale Zukunftstag fördert damit frühzeitig die Gleichstellung von Frau und Mann bei der Berufswahl und bei der Lebensplanung. Er ist ein Kooperationsprojekt zwischen Schule, Arbeitswelt und Elternhaus.

Zum Autor

Ivo Schmucki ist Hochschulpraktikant Corporate Communication an der Universität Bern.

10.11.2016