Neue Plattform für humane Zelltherapie

Am 23. November 2016 wurde in Bern anlässlich einer Tagung die Gründung einer schweizweiten Plattform für Zelltherapie beschlossen. Anwesend waren über 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und hochkarätige nationale und internationale Referentinnen und Referenten. Entstehen sollen neue Kooperationen zwischen Grundlagenforschung, Klinik und Industriepartnern.

Von Eliane J. Müller, Volker Enzmann und Thomas Krause

Die Ziele waren hoch gesteckt an der ersten gemeinsamen Zelltherapie-Tagung, die von der Plattform für Stammzellforschung und Regenerativmedizin (SCRM) in Bern und dem Schweizerischen Institut für Zelltherapie (SICT) in Genf in Zusammenarbeit mit Sitem-Insel, dem Schweizerischen Institut für Translationale Medizin und Unternehmertum in Bern sowie Klinikdirektoren des Inselspitals organisiert wurde. Das «Joint Meeting on New Cell Therapies» stand im Zeichen der Schaffung multilateraler Vernetzungen in «Switzerland and beyond».

Sitem-Insel stärkt die Zelltherapie in Bern

Sitem-Insel baut ab Januar 2017 auf dem Areal des Inselspitals ein Gebäude für Translationale Medizin. In diesem Gebäude werden Reinräume erstellt. Diese sind unter anderem eine Vorbedingung für die Anwendung und Entwicklung von innovativen Gewebestammzell- und Immuntherapieverfahren in Bern. Um dieses Ziel zu erreichen ist es unabdingbar, Bern nachhaltig mit nationalen und internationalen Spezialistinnen und Spezialisten im Gebiet zu vernetzen. Dazu sollte das Treffen vom 23. November 2016 den Weg bereiten.  

Prof. em. Felix Frey, Managing Direktor Sitem-Insel (links), Prof. Hans-Uwe Simon, Dekan der Medizinischen Fakultät (rechts)
Prof. em. Felix Frey, Managing Direktor Sitem-Insel (links), Prof. Hans-Uwe Simon, Dekan der Medizinischen Fakultät (rechts)
PD Dr. Marisa Jaconi, Vize-Direktorin des SICT
PD Dr. Marisa Jaconi, Vize-Direktorin des SICT

Joint Venture zwischen SCRM, SICT, Sitem-Insel, dem Inselspital und der Industrie

Die SCRM Plattform hat sich mit über 35 Gruppen im Bereich der Stammzellforschung vor vier Jahren an der Universität Bern gebildet und ist heute ein Cluster des Departements für Klinische Forschung, der aktiv mit Sitem-Insel zusammenarbeitet. Dem SICT sind Zelltherapie Zentren der Universitäten Genf, Lausanne, Lugano und Bern/Inselspital angegliedert. Diese beiden Netzwerke haben ihre mehrjährige Zusammenarbeit genutzt, um verschiedene Interessensgruppen im Bereich der Zelltherapie nach Bern zu holen. Dank dem Engagement von Klinikdirektoren des Inselspitals konnten zudem namhafte nationale und internationale Zelltherapie-Spezialistinnen und -Spezialisten eingeladen werden. Sie berichteten über ihre neuesten, spannenden Resultate und legten den Boden für zukünftige Kooperationen. Vertreterinnen und Vertreter von allen schweizerischen universitären Zentren für Zelltherapie debattierten mit Industriepartnern und Angehörigen der Universität und des Inselspitals über das Konzept einer Schweizerischen Plattform für Zelltherapie. Es soll sich dabei um ein Public-Private Partnership Projekt handeln.

Hochkarätige Gastredner im Bereich der Zelltherapie

Prof. Hinrich Abken aus Köln, ein Pionier der CAR-T-Zelltherapie, war von Prof. Gabriella Baerlocher der Universitätsklinik für Hämatologie und Leiterin des klinischen Stammzelllabors als Referent eingeladen worden. In seinem exzellenten Vortrag berichtete er über neuste klinische Erfolge und Fortschritte in der Immuntherapie mittels dieser Zellen. Prof. Lorenz Studer vom Memorial Sloan-Kettering Institut in New York, Gast von Prof. Bassetti der Universitätsklinik für Neurologie, stellte beeindruckende Resultate dank Zelltherapien bei Parkinson Patienten vor. Prof. Outi Hovatta vom Karolinska Institut in Stockholm, von den Prof. Sebastian Wolf und Prof. Volker Enzmann der Universitätsklinik für Augenheilkunde eingeladen, zeigte neue zelltherapeutische Ansätze zur Behandlung von Netzhautdegenerationen auf. Forschungsresultate von Novartis zur Leberregeneration wurden, auf Einladung von Prof. Daniel Candinas und PD Deborah Stroka der Universitätsklinik für Viszerale Chirurgie und Medizin, von Dr. Jan Tchorz präsentiert. Das Leid von Patienten mit blasenbilden Krankheiten der Haut und deren berechtigte Hoffnung auf baldigen therapeutischen Fortschritt dank Stammzelltherapie wurde am Schluss der Tagung auf eindrückliche Art und Weise von Prof. John McGrath vom King’s College in London demonstriert. Prof. McGrath war von Prof. Luca Borradori der Universitätsklinik für Dermatologie eingeladen worden.

Ziel der zu gründenden Plattform für Zelltherapie

Die Referate von Gastrednerinnen und Redner und Vertreterinnen und Vertreter der schweizerischen Zelltherapie-Zentren zeigten eindrücklich das Potential der Zelltherapie im Interesse notleidender Patientinnen und Patienten auf. Um Forschungsresultate in der Schweiz in Zukunft möglichst effizient im klinischen Alltag einzusetzen (Translation), wurden von den Beteiligten an einer «Round Table»-Diskussion drei verbesserungswürdige Bereiche identifiziert, bei denen Dank einer noch zu gründenden nationalen Plattform Fortschritte erzielt werden könnten: Erstens Verhandlungen mit regulatorischen Behörden, zweitens das Erstellen gemeinsamer Studienprotokolle und drittens die Zusammenarbeit mit industriellen Partnern.

Durchwegs Positive Voten in der Podiumsdiskussion

An der Podiumsdiskussion haben sämtliche Beteiligten ihr Interesse zur Gründung einer Zelltherapie-Plattform bekundet und ihr Votum für eine Mitgliedschaft abgegeben. Dr. Steffen Zeisberger, verantwortlich für die Plattform für Regenerativmedizin, bezeichnete die mögliche Gründung einer übergeordneten Struktur als «Win-Win»-Situation. Beide Plattformen wären dann im Biotechnet Schweiz, SwissBiotech und den Nationalen Thematischen Netzwerken der Kommission für Innovation und Technologie (KTI) eingebettet. Die Meinung von Herrn Zeisberger wurde durch Industrievertreter bestärkt. Verschiedene Voten aus dem Publikum, zum Beispiel vom Präsidenten der Biotechnet Plattform für «Tissue Engineering for Drug Development and Substance Testing» TEDD, Prof. Raghunath, sowie Frau Prof. Brigitte von Rechenberg, Dekanin der Vetsuisse Fakultät aus Zürich, haben den Vorteil einer übergreifenden Zusammenarbeit eindrücklich geschildert. Der Managing Direktor von Sitem-Insel, Prof. em. Felix Frey sowie der Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Hans-Uwe Simon, unterstrichen beide das grosse Potential der Zelltherapie, die nach ihrer Meinung noch in den Anfängen streckt und durch bessere Rahmenbedingungen der Translation schneller zur klinischen Anwendung gelangen könnte.

Die Zukunft wird zeigen, ob sich die enthusiastische Beurteilung der Tagung als «historisches Event» durch einen der Referenten, die vielversprechenden Möglichkeiten, die vom Medizinischen Direktor Prof. Andreas Tobler und der Präsidentin des SICT Frau Thérèse Meyer-Kaelin in der Einleitung in Aussicht gestellt wurden sowie der positive Ausblick im Schlusswort von Vizerektor Forschung Prof. Daniel Candinas bewahrheiten werden.

Zur Autorin und den Autoren

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Prof. Eliane Jasmine Müller ist Gründerin und Leiterin der SCRM Plattform und hat die Wissenschaftliche Kommission der Zelltherapie-Tagung präsidiert. Sie wurde an der Universität Freiburg zur Biologin ausgebildet, wo sie ihr Doktorat in Molekularbiologie erworben hat. Nach einem längeren Aufenthalt in Sherbrooke, Kanada, ist sie heute am Departement für Dermatologie der Medizinischen Fakultät und am Institut für Tierpathologie der Vetsuisse Fakultät als Molekular- und Zellbiologin tätig. Sie leitet die Forschungsgruppe für Molekulare Dermatologie am Departement für klinische Forschung und eine Forschungsgruppe im DermFocus an der Vetsuisse Fakultät.

Kontakt:

Prof. Dr. phil. nat. Eliane Jasmine Müller
Universität Bern
Departement Klinische Forschung, Forschungsgruppe Dermatologie
Telefon direkt: +41 31 632 79 19
Email: eliane.mueller@dkf.unibe.ch

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Prof. Volker Enzmann ist ein Mitglied des Führungskomitees der SCRM Plattform und war im Organisationskomitee massgeblich für das gute Gelingen der Zelltherapietagung verantwortlich. Er ist seit 2006 an der Universitätsklinik für Augenheilkunde als Forschungsleiter tätig und seit 2016 Assoziierter Professor für Experimentelle Ophthalmologie. Nach dem Biologiestudium an der Universität Leipzig arbeitete er eben da als Postdoktorand an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde. Von 2001 bis 2006 war er als Dozent / Assistenzprofessor an der Universität von Louisville, KY in den USA tätig. Die Schwerpunkte seiner Forschung sind degenerative Prozesse in der Netzhaut und deren endogene bzw. exogene Wiederherstellung.

Kontakt:

Prof. Dr. Volker Enzmann
Inselspital
Universitätsklinik für Augenheilkunde
Telefon direkt: +41 31 632 89 35
Email: Volker.Enzmann@insel.ch

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Prof. Thomas Krause ist ein Mitglied des Führungskomitees der SCRM Plattform und präsidierte das Organisationskomitee der Zelltherapie-Tagung. Nach seinem Studium der Medizin in Freiburg im Breisgau, wo er auch promovierte, erwarb er seine Ausbildung in Nuklearmedizin eben da. Nach seiner Habilitation und Wechsel nach Bonn übernahm er die Universitätsklinik für Nuklearmedizin Bern als Direktor und Chefarzt. Schwerpunkte der Forschung sind neben der klinisch nuklearmedizinischen Forschung die radiopharmazeutische Grundlagenforschung sowie die Entwicklung neuer Algorithmen zur Bildverarbeitung und quantitativen Analyse.

Kontakt:

Prof. Dr. Thomas Michael Krause
Inselspital
Universitätsklinik für Nuklearmedizin
Telefon direkt: +41 31 632 26 10
Email: thomas.krause@insel.ch

09.12.2016