Lehre über Disziplingrenzen hinweg

Zum vierten Mal diskutierten am 19. Februar Dozierende von Schweizer Hochschulen am «Tag der Lehre» der Universität Bern darüber, was gute Lehre ausmacht. In diesem Jahr lag der Fokus auf Interdisziplinarität in der Hochschullehre.

Von Silke Wehr Rappo

Die Thematik stiess auf grosse Resonanz: Zahlreiche Dozierende der Uni Bern sowie anderer Hochschulen interessierten sich für die Herausforderungen und das Potenzial interdisziplinärer Lehre. Am Anfang stand die Auseinandersetzung mit der Frage, was unter dem Begriff zu verstehen ist. Die Referierenden stellten ihre jeweiligen Auffassungen vor und veranschaulichten, unter welchen Bedingungen und in welchen Formen sie derartige Veranstaltungen durchführen. Dabei wurde klar: Es existiert eine breite Vielfalt an Formen beim interdisziplinären Unterricht an Hochschulen. 

Mehrwert für alle Beteiligten

Eine der grossen Herausforderungen interdisziplinärer Lehre ist es, die Disziplinen mit ihren begrifflich und methodisch unterschiedlichen Herangehensweisen miteinander in Dialog zu bringen. Prof. Peter Messerli und Dr. Karl Herweg vom Centre for Development and Environment, erklärten in ihrem Vortrag, dass interdisziplinäre Hochschullehre trotzdem einen Mehrwert für alle Beteiligten schaffen kann: «Es geht darum, künftige Forschende sowie Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung zu befähigen, Erkenntnisse aus anderen Fachrichtungen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern in ihren unterschiedlichen wissenschaftlichen Kontexten verstehen zu können», so Messerli. Die Vermittlung solcher Kompetenzen sei entscheidend für interdisziplinäre Lernprozesse in der Wissenschaft aber auch für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Die Schlussfolgerung: «Interdisziplinäre Lehre ist aus Sicht der Wissenschaft eine Kür, im Hinblick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft aber eine Pflicht!» 

Von ihren Praxiserfahrungen an der Universität Bern berichteten auch Prof. Dr. Martin Grosjean (Oeschger Centre), Dr. Adrian Göldlin (Berner Institut für Hausarztmedizin), Dr. Michèle Amacker und Dr. Tina Büchler (beide Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung, IZFG) sowie Prof. Dr. Tobias Haller (Institut für Sozialanthropologie). Neben den fünf Referierenden der Universität Bern zeigten ausserdem Dozierende der ETH Zürich, der Berner Fachhochschule und der PHBern Vorteile und Herausforderungen interdisziplinärer Lehrveranstaltungen auf.

Austausch beim «Walking Chat»

Beim «Walking Chat» – einem «bewegten Austausch» der Teilnehmenden über ihre eigenen Begriffsauffassungen und interdisziplinäre Lehrpraxis – entstand Raum für Ideen, Fragen und Diskussionen zwischen den Zuhörenden und Referierenden. Die diversen Supportstellen, die bei der Planung und Gestaltung der Lehre Unterstützung bieten, standen im Anschluss an die Referate für Gespräche zur Verfügung. So konnten Interessierte mit den Vertretern der Supportstelle für ICT-gestützte Lehre und Forschung (iLUB), dem Institut für Medizinische Lehre (IML), der Fachstelle Studienangebotsentwicklung (SAE) sowie des Bereichs Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung (HDL) Kontakt aufnehmen.

Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Bruno Moretti, Vizerektor Lehre, plant das Team Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung bereits den fünften «Tag der Lehre», der am 17. Februar 2017 stattfinden wird.

Der Tag der Lehre

Laut der «Strategie 2021» der Universität Bern bilden die hohe Qualität der Lehre sowie die Weiterentwicklung von Lehrmethoden eine der vier universitären Teilstrategien. In diesem Rahmen diskutieren am jährlich stattfindenden «Tag der Lehre» Dozierende der Uni Bern und anderen Hochschulen über exzellente und innovative Lehre.

Best-Practice auf Video

Haben Sie bereits interdisziplinäre Lehrveranstaltungen durchgeführt und dabei positive Erfahrungen gemacht? Dann wenden Sie sich bitte an den Bereich Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung am Zentrum für universitäre Weiterbildung, ZUW (hd@zuw.unibe.ch). Dozierende, die gute und innovative Lehre durchführen, werden auf Video portraitiert und der Öffentlichkeit als Best-Practice-Beispiele zugänglich gemacht.

Zentrum für universitäre Weiterbildung ZUW

Das ZUW fördert die wissenschaftliche Weiterbildung an der Universität Bern.
• es berät und unterstützt die Fakultäten und Institute bei der Entwicklung, dem Aufbau, der Durchführung und der Evaluation von Weiterbildungsangeboten (Kurse, Studiengänge, modular aufgebaute Programme CAS, DAS, MAS)
• es entwickelt eigene Kurse und Studiengänge und führt diese – meistens in den Kursräumen der UniS – selber durch. Dazu gehören die Weiterbildungsangebote Bildungsmanagement, Evaluation, Forschungsmanagement, Hochschuldidaktik, Hochschulmanagement, Luftrecht, Migration, Salongespräche, Tagungsmanagement und Wissensmanagement.
• es fördert und sichert die Qualität der universitären Weiterbildung
• es berät und unterstützt die Verantwortlichen der Weiterbildungsangebote bei ihren Kommunikationsaufgaben (Öffentlichkeitsarbeit, Werbung). Das ZUW ist zudem für die Public Relations und die Dachwerbung der Weiterbildung verantwortlich.
• es erstellt Berichte und Statistiken über die Weiterbildung an der Universität Bern
• es macht Beratungen, Projekte und Evaluationen im Auftrag von externen Kunden. Im Fokus stehen dabei Bildungs- und Weiterbildungsfragen.

Zur Autorin

Dr. Silke Wehr Rappo, Projektleiterin des «Tags der Lehre», ist seit 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin im Bereich Hochschuldidaktik & Lehrentwicklung am Zentrum für universitäre Weiterbildung der Universität Bern. 

22.02.2016