Kleine Nachwuchsforscherinnen erobern das Labor

Anlässlich des «UN Day of Women and Girls in Science» am 11. Februar lud der NCCR TransCure Mädchen im Alter von fünf bis zehn Jahren dazu ein, Laborluft zu schnuppern. Wissenschaftliche Experimente brachten die jungen Forscherinnen zum Staunen und Strahlen.

Von NCCR TransCure

Welche Fähigkeiten hat der Speichel im Mund? Die 32 Nachwuchsforscherinnen wissen es jetzt. Das ‚Bauarbeiter‘-Experiment war eines der Lieblingsexperimente. Hierbei durften die Mädchen die Aktivität eines ihrer körpereigenen Enzyme, der Amylase, testen. Dieser ‚Bauarbeiter‘ befindet sich im menschlichen Speichel und baut in unserem Mund Stärke zu Zucker ab.

Einmal spucken, bitte!

Nachdem die Teilnehmerinnen in ein Gefäss gespuckt hatten, konnten sie den biochemischen Prozess des Stärkeabbaus durch den eigenen ‚Bauarbeiter‘ mittels eines Farbnachweises sichtbar machen. Als Ergebnis konnten sie feststellen, dass die Amylase bei jedem Mädchen unterschiedlich aktiv ist. 

Und wie sehen menschliche Krebszellen oder Flöhe genau aus? In einem weiteren Experiment untersuchten sie unter dem Mikroskop Spinnen, Fliegenlarven oder besagte Krebszellen. Wie echte Forschende fertigten sie von diesen unterschiedlichen Präparaten wissenschaftliche Zeichnungen an.

Der Stift wurde auch im nächsten Versuch gebraucht. Mittels der Chromatographie wurden die verschiedenen Farbkomponenten von Filzstiften aufgetrennt und so das Prinzip einer Proteinreinigung erklärt. Dieses chemische Verfahren zur Auftrennung von Stoffgemischen wird oft im Laboralltag gebraucht, erklärte Prof. Christine Peinelt, eine der Initiantinnen dieses Anlasses. So können zu untersuchende Proteine von anderen Bestandteilen der Zelle getrennt und angereichert werden.

Natürlich mit Auszeichnung! 

Nachdem die Teilnehmerinnen die Experimente ihrer Schnupperstunde abgeschlossen hatten, fertigten sie erfolgreich ein entsprechendes Laborprotokoll an. Das Strahlen der Mädchen wurde noch grösser, als sie zum Abschluss mit einer Urkunde zu Nachwuchswissenschaftlerinnen diplomiert wurden. Auf die Frage, was ihr denn am besten gefallen hat, antwortete die 8-jährige Lena: «Alles! Nächstes Jahr komme ich wieder!»

Enthusiasmus der Nachwuchswissenschaftlerinnen

Möglich gemacht wurde diese Veranstaltung durch den Einsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des NCCR TransCure und des Instituts für Biochemie und Molekulare Medizin (IBMM), die die Teilnehmerinnen während der Experimente anleiteten. Der grosse Enthusiasmus der Nachwuchswissenschaftlerinnen bei der Bewältigung aller gestellten Aufgaben liess die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg werden. Für die Kinderbetreuung und Verpflegung ausserhalb der Labore sorgten der Mitarbeiter und die Mitarbeiterinnen der Stiftung für Kinderbetreuung im Hochschulraum Bern (KIHOB). Aufgrund der positiven Resonanz ist auch für nächstes Jahr wieder ein Laborangebot für die selbe Altersgruppe geplant, versprach der Direktor des NCCR TransCure Prof. Hugues Abriel. Bei entsprechender Nachfrage wird die Veranstaltung dann für Mädchen und Buben angeboten.

Frauen und Wissenschaft

Nach wie vor sind Frauen in der Forschung in der Minderheit. Besonders gross wird der Unterschied in den höheren akademischen Graden. Schweizweit sind lediglich ca. 21% aller Professuren mit Frauen besetzt. In den Medizinischen Fakultäten (18%) und vor allem in den Naturwissenschaftlichen Fakultäten (13%) sind Frauen noch stärker in der Unterzahl. 

Zusammen mit anderen Organisationseinheiten, wie der Abteilung für Gleichstellung der Universität Bern oder der innerfakultären Kommissionen für die Gleichstellung der Medizinischen Fakultät, setzt sich der NCCR TransCure zur Erhöhung des Frauenanteils ein. Neben strukturellen Massnahmen zur Integration der Gleichstellung in den NCCR TransCure, stehen vor allem karrierefördernde Elemente wie z.B. Workshops oder das Mentoring for Women Programm (M4W) sowie Module zur Unterstützung der Work-Life Balance im Vordergrund. Das Schnupperpraktikum im Rahmen des internationalen UN Day of Women and Girls in Science ist dazu gedacht, bei jungen Mädchen Interesse und Begeisterung für die Naturwissenschaften zu wecken. Denn eines ist klar: Wissenschaft macht Spass.

NCCR TransCure

Der Nationale Forschungsschwerpunkt (National Centre of Competence in Research NCCR) TransCure ist ein interdisziplinäres, schweizweites Netzwerk von 19 Forschungsgruppen mit der Universität Bern als Heiminstitution. Der Hauptfokus ist die Forschung im Bereich Membrantransporter und Ionenkanäle. Transporter und Kanäle dienen als «Türsteher», die den Durchgang von Nährstoffen, Arzneien und anderen Substanzen durch die Zellmembranen ermöglichen. Fehlerhafte Transporter können Volkskrankheiten wie neurologische Leiden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Osteoporose verursachen. Die NFS TransCure Projekte kombinieren in einzigartiger Weise Physiologie, Strukturbiologie und Chemie, und umfassen Grundlagen- sowie vorindustrielle pre-klinische Forschung. Neben der Forschungsförderung ist der NFS TransCure auch im Bereich Ausbildung, Chancengleichheit, Technologietransfer und Kommunikation innerhalb und ausserhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft tätig.

Zu den Autorinnen und Autoren

Prof. Hugues Abriel ist der Direktor des Instituts für Biochemie und Molekulare Medizin und des NCCR TransCure. Er ist Delegierter für Gleichstellungsmassnahmen im NCCR TransCure. Prof. Christine Peinelt, die seit 2016 als Projektleiterin im NCCR TransCure tätig ist, unterstützt die Gleichstellungsarbeit. Johanna Portmann ist Koordinatorin für administrative Angelegenheiten und Valentina Rossetti ist wissenschaftliche Koordinatorin und Delegierte für Kommunikation des NCCR TransCure. Kevin Rupp ist als Koordinator für administrative Angelegenheiten im NCCR TransCure tätig und vertritt die Koordinatorin für Gleichstellungsmassnahmen Jolanda Paganoni Zurbrügg während der Mutterschutzzeit.

16.02.2017