Hoher Besuch aus der Mongolei

Der Aussenminister der Mongolei, Lundeg Purevsuren, besuchte in Begleitung des mongolischen Botschafters das Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Sein Interesse galt den mongolischen Studienprogrammen und einer einzigartigen Sammlung.

Von Nathalie Matter

Schon letztes Jahr wollte er kommen, aber erst jetzt hat es geklappt: Der Aussenminister der Mongolei, Lundeg Purevsuren, besuchte am 3. März das Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern. Empfangen wurden er und der Botschafter der Mongolei, Vaanchig Purevdorj, von Rektor Martin Täuber und der Ko-Direktorin des Instituts, Karénina Kollmar-Paulenz.

Eine Berner Erfolgsgeschichte

Das Institut für Religionswissenschaft der Universität Bern bietet schweizweit als einziges Institut Tibetologie und Mongolistik als Studienprogramme unter dem Namen «Central Asian Studies» an. Die Forschungsarbeit der Berner Mongolistik ist international bekannt. So war Bern «Leading house» in einem Projekt zur Erforschung des mongolischen buddhistischen Kanons, zusammen mit der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Staatlichen Universität St. Petersburg und der Universität in Ulan-Ude. Zu den Erfolgen zählen auch über 1,1  Millionen Franken eingeworbene Drittmittel vom Schweizerischen Nationalfonds für Forschungsprojekte – ein für die Geisteswissenschaften ungewöhnlich hoher Betrag. Finanzielle Unterstützung gibt es ebenfalls von der Mongolischen Regierung, die ein internationales Projekt mit Berner Beteiligung fördert. Zudem wurde dem Institut für Religionswissenschaft eine bedeutende Privatsammlung von buddhistischen Texten aus der Mongolei für eine systematische Erfassung zur Verfügung gestellt.

Wertvolle Schriften

Und nun der Regierungsbesuch: Die Freude am Institut war gross, dass der Aussenminister kurz vor Gesprächen mit der UNO-Menschenrechtskommission in Genf nach Bern kommen konnte. Als erstes wurden den Besuchern in einem Seminarraum ausgesuchte buddhistische Handschriften und Holzdrucke, aber auch säkulare Texte wie etwa ein viersprachiges (Mongolisch, Mandschurisch, Tibetisch und Chinesisch) Wörterbuch aus der Mongolei gezeigt. Sie stammen aus der europaweit einzigartigen Sammlung des Chemikers, Nobelpreisträgers und Ehrendoktors der Universität Bern, Richard Ernst. Seine Sammlung umfasst rund 850 Texte vom frühen 17. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie wurden während des kommunistischen Religionsverbots häufig von Nomaden verborgen und nach der Wende 1990 wieder hervorgeholt und in Umlauf gebracht. Die Texte sind überwiegend in tibetischer Sprache verfasst, nur etwa 200 davon in mongolischer Sprache. Diese Überzahl der tibetisch-sprachigen Texte zeigt, dass das Tibetische auch als Sprache der Liturgie dominierte und im 18. Jahrhundert in der Mongolei aus bisher noch nicht untersuchten Gründen das Mongolische in den Klöstern und Tempeln ersetzte. Die Handschriften und Drucke werden nun am Institut für Religionswissenschaft katalogisiert.

«Es ist uns eine Ehre, Ihnen unsere Studienprogramme und Forschung vorzustellen», sagte Rektor Martin Täuber bei der Begrüssung. Er sei stolz darauf, dass Bern als einzige Schweizer Universität Mongolisch unterrichte und mit kostbaren Artefakten arbeiten könne. Als Geschenk überreichte er dem Aussenminister unter anderem eine Riesen-Toblerone – schliesslich befindet sich das Institut in der ehemaligen Tobler-Schokoladenfabrik, der heutigen Unitobler. Karénina Kollmar-Paulenz, die auf Religions- und Kulturgeschichte Tibets und der Mongolei spezialisiert ist, berichtete über den Aufbau der Mongolistik in Bern, die schon früh ein Erfolg war: «Als ich 1999 damit begann, Mongolisch zu unterrichten, war ich über das rege Interesse der Studierenden überrascht». Auch die Zahl der Doktorierenden sei erfreulich. Kollmar-Paulenz stellte die Sammlung Richard Ernst vor, die auch bisher unbekannte buddhistische Texte enthält.

Mongolische Kultur bewahren

Der mongolischen Regierung war die Berner Arbeit an diesen Mongolica bekannt. Aussenminister  Purevsuren, bekräftigte wiederum sein Interesse daran: „Ich wollte schon immer hierher kommen“. Es sei seiner Regierung ein grosses Anliegen, die Mongolistik ausserhalb der Mongolei nach Möglichkeit zu unterstützen. Da es nur wenig Mongolen gebe – mit nur drei Millionen Bewohnern ist die Mongolei der am dünnsten besiedelte unabhängige Staat der Welt – sei die Erhaltung der mongolischen Kultur von grosser Bedeutung. Deswegen sei er offen für Studierende. Entsprechend liessen sich der Aussenminister und der Botschafter von Studierenden und Doktorierenden über ihre Forschungsprojekte informieren. Trotz des engen Zeitplans sassen die Besucher noch für einen regen Austausch mit dem Rektor und Institutsangehörigen beim Tee zusammen. Dass sich der Aussenminister danach bei allen einzeln verabschiedete, passte zur informellen und freudigen Begegnung.

Zur Autorin

Nathalie Matter ist Redaktorin PR/Media bei Corporate Communication.

04.03.2016