Gute Ideen gesucht und gefunden

Der Ideenwettbewerb Wunsch-Schloss macht seit 2015 Ideen von Bürgerinnen und Bürgern für einen starken Standort Schweiz sichtbar. Für den diesjährigen Wettbewerb waren Ideen gefragt, wie die Herausforderungen der Globalisierung angepackt werden können. «uniaktuell» war dabei am Finale vom 13. September auf Schloss Thun, und berichtet, welche der zehn präsentierten Ideen das Publikum am meisten überzeugte.

Von Brigit Bucher

Das Wunsch-Schloss will innovativen Gedanken politisches Gehör verschaffen. Initiiert wurde der Ideenwettbewerb vom StrategieDialog21 und dem Swiss Venture Club, die Universität Bern fungierte dieses Jahr als Knowledge Partner. «Eine funktionierende und offene Gesellschaft ist neben klugen und gut ausgebildeten Köpfen auch auf deren persönliches Engagement angewiesen. Deshalb unterstützt die Universität Bern als Bildungspartnerin den Ideenwettbewerb», erklärte Rektor Christian Leumann. So hatte die Universität im Vorfeld auch gemeinsam mit der Mittelbauvereinigung diverse Aktivitäten lanciert, um Mitarbeitende und Studierende zum Mitmachen einzuladen.

Die Schweiz als Land mit Laborcharakter

Jobst Wagner, Unternehmer und Initiant der Dialog-Plattform StrategieDialog21, sagte: «Die Leute in diesem Land sollen sich einbringen können. Der StrategieDialog21 will das Land befruchten mit Ideen und hat dazu verschiedene Gefässe entwickelt; eines davon ist das Wunsch-Schloss.» Wagner sieht die Schweiz als innovatives Land mit Laborcharakter: «Wir wollen mithelfen, Gedanken zu entwickeln zu Themen, die uns alle angehen, und dies abseits der bewährten politischen Prozesse».

Andreas Gerber, Präsident des Swiss Venture Club SVC, betonte, dass es wichtig sei, die Bürgerinnen und Bürger zu motivieren, Ideen zu präsentieren: «Und hier beim Wunsch-Schloss wird man auch belohnt dafür.» Dem diesjährigen Sieger oder der Siegerin winkt nämlich ein Treffen mit den Generalsekretärinnen und –sekretären der grossen Parteien und ein All-Around-the-World-Ticket, um die Idee in die Welt hinauszutragen.  

Unterschiedlichste Vorschläge zum Umgang mit der Globalisierung

Aus allen eingereichten Wünschen waren zehn von einer Fach-Jury aus Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur ausgewählt worden. Die Finalistinnen und Finalisten hatten die Gelegenheit, ihre Idee auf der Bühne persönlich vorzustellen.

So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich waren auch ihre Vorschläge, wie die Herausforderungen der Globalisierung angepackt werden könnten. So schlugen Servan Grüninger und Michaela Egli beispielsweise vor, eine politische Dienstpflicht einzuführen: Wissenschaftliche Expertise soll mit dem Wissen von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Lebenswelten kombiniert werden und in politische Entscheidungsprozesse einfliessen. Clarissa John schlug vor, ein Label einzuführen, das den CO2-Fussabdruck von Produkten und Dienstleistungen sichtbar macht. So soll Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten geschaffen sowie Unternehmen zu nachhaltiger Produktion angeregt werden.

Ungewöhnlich auch der Vorschlag von Maximillian Stoller: Die Schweiz solle ihre innere Sicherheit erhalten durch die Stärkung der inneren Zufriedenheit der Menschen, indem ihnen ermöglicht wird, weniger zu arbeiten und die gewonnene Zeit in sich selbst zu investieren. Michael Kümin schlug die Einführung eines Datenpools vor, bei dem Bürgerinnen und Bürger selber festlegen, wer auf welche Daten Zugriff haben soll und Firmen, die die Daten nutzen möchten, einen Teil aus dem Gewinn in einen Fonds einzahlen müssten. So könne der Monopolisierung von Daten entgegengewirkt werden. Weitere Vorschläge waren unter anderen die Schaffung einer Demokratieplattform im Internet, die Wiederbelebung von Dorfplätzen als Begegnungsorte oder eine Online-Börse für gemeinsames Wohnen auf Zeit.

Besuch bei Bundesrat Schneider-Ammann

Bevor der Sieger gekürt wurde, diskutierte der Politbeirat des Wunsch-Schloss die Finalideen auf der Bühne. Der Politbeirat war auch dieses Jahr prominent besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern von allen grossen Parteien: Manfred Bühler (Nationalrat SVP), Martin Landolt (Nationalrat und Präsident BDP), Tiana Angelina Moser (Nationalrätin und Fraktionspräsidentin GLP), Regula Rytz (Nationalrätin und Präsidentin der Grünen), Hans Stöckli (Ständerat SP), Beat Vonlanthen (Ständerat CVP) und Christian Wasserfallen (Nationalrat FDP) waren direkt nach der Session in Bundesbern nach Thun gekommen, um am Anlass teilzunehmen.

Das letzte Wort hatte dann das Publikum: Die 160 geladenen Gäste wählten Robin Röösli zum Sieger. Er hatte vorgeschlagen, die Berufsbildung in der Schweiz aufzuwerten, indem für Auszubildende länderübergreifende Projekte und Auslandeinsätze ermöglicht werden. Damit soll die Sprach- und Fachkompetenz gefördert und der kulturelle Austausch ermöglicht werden. Seine Idee stiess auch bei den Politbeiräten Christian Wasserfallen und Hans Stöckli auf Begeisterung: Sie versprachen ihm, ein Treffen mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann zu arrangieren, wo Röösli seine Idee ausführlich präsentieren könne.

Finalist der Universität Bern

Ins Finale geschafft hatte es dieses Jahr auch ein Angehöriger der Universität Bern: Tobias Vögeli ist Jus-Student und Mitglied des Vorstandes der StudentInnenschaft der Universität Bern SUB. Er schlug vor, eine digitale Plattform mit dem Namen «Regpedia» zu schaffen, auf der länderspezifische Regulierungen und Gesetze einfach verständlich und kompakt dargestellt werden. «Profitieren davon könnten unter anderem Unternehmen, die expandieren wollen und Startups, aber auch Privatpersonen, die ins Ausland reisen, und die wissen möchten, welche Gesetze dort anders sind», sagte Vögeli. Ihm selbst wäre allenfalls dank einer solchen Plattform einiges erspart geblieben, war er nämlich in Pennsylvania auf den Polizeiposten gebracht worden, weil er nicht gewusst hatte, dass Autostoppen dort verboten ist. 

Rektor Leumann gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass nächstes Jahr noch mehr Ideen von Angehörigen der Universität Bern beim Wunsch-Schloss eingehen werden: «Mir ist wichtig, junge Menschen zu gesellschaftlicher Gestaltung zu motivieren und für einen engagierten und leidenschaftlichen Einsatz zu begeistern.»

DAS WUNSCH-SCHLOSS

Der Ideenwettbewerb Wunsch-Schloss macht seit 2015 Bürgerideen für einen starken Wirtschaftsstandort Schweiz sichtbar. Ziel der Initianten StrategieDialog21 und Swiss Venture Club ist es, einen Beitrag zur Schliessung der Kluft zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu leisten.

Zur Autorin

Brigit Bucher arbeitet als Stv. Leiterin Corporate Communication an der Universität Bern und ist Redaktorin bei «uniaktuell».

15.09.2017