Grenzüberschreitender Kampf gegen Parasiten

Vom 25. Juli bis am 7. August fand an der Uni Bern zum ersten Mal die Sommerschule MeBoP (Middle Eastern Biology of Parasitism) statt. Das Besondere daran: Teilgenommen haben 17 Studierende, Forschende, Ärztinnen und Ärzte aus dem Bereich Parasitologie aus Ländern, die besonders von Krankheiten betroffen sind, die von Parasiten übertragen werden. «uniaktuell» hat mit Isabel Roditi gesprochen, die am Institut für Zellbiologie die Durchführung der Sommerschule massgeblich betreut und unterstützt hat.

Von Brigit Bucher

Parasiten können beim Menschen Krankheiten wie Malaria, die afrikanische Schlafkrankheit oder Leishmaniose verursachen. Ziel der Sommerschule MeBoP war, Studierenden, Forschenden, Ärztinnen und Ärzte aus betroffenen Gebieten im Mittleren Osten, in Nordafrika und im subsaharischen Afrika die aktuellsten Kenntnisse aus der Parasitologie zu vermitteln. Gleichzeitig ging es darum, die Teilnehmenden untereinander nachhaltig zu vernetzen und dies über Grenzen hinweg – seien diese politischer, ethnischer oder religiöser Natur. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten vorgängig einen «Code of Conduct» unterschreiben, in dem sie sich verpflichteten, über die erwähnten Grenzen hinweg zu kommunizieren und zu kooperieren. Ein hochgestecktes Ziel, wenn man die Länder betrachtet, aus denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angereist waren: Ägypten, Burkina Faso, Ghana, Irak, Iran, Israel, Kamerun, Libanon, Nigeria, Oman, Palästina, Saudi-Arabien und Tunesien.

Begehrte Plätze in der Sommerschule

Isabel Roditi ist Professorin am Institut für Zellbiologie und leitet dort eine Forschungsgruppe, die sich mit Trypanosomen beschäftigt, mit einzelligen Organismen also, die die afrikanische Schlafkrankheit verursachen können. Man merkt, wie sehr ihr das Projekt MeBoP am Herzen liegt. Sie betont, dass die Sommerschule nicht von ihr sondern von Dr. Lilach Sheiner vom Wellcome Trust Centre for Molecular Parasitology an der University of Glasgow und Dr. Omar Harb von der University of Pennsylvania initiiert wurde. 

An einem internationalen Symposium zu Parasitologie haben die Beiden MeBoP vorgestellt und Kolleginnen und Kollegen aus der Community gebeten, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten aufzufordern, sich zu bewerben. Eingegangen sind schliesslich Bewerbungen von 60 Personen, was laut Roditi eine stattliche Anzahl ist für eine Sommerschule, die das erste Mal durchgeführt wird. Die geeignetsten 17 Bewerberinnen und Bewerber wurden zum zweiwöchigen Intensivkurs eingeladen. Darunter waren 12 Frauen. Ein so hoher Frauenanteil sei aber keine bewusste Entscheidung gewesen: «Die Bewerbungen dieser 12 Teilnehmerinnen gehörten halt einfach zu den besten», sagt Roditi.

Breite Unterstützung von der Uni Bern

Roditi hat das Projekt von Anfang unterstützt und dafür gesorgt, dass am Institut für Zellbiologie an der Uni Bern das Labor und Unterrichtsräume zur Verfügung gestellt und die Gelder verwaltet wurden. Sie hat zudem aus Institutsmitteln eine administrative Assistentin angestellt, die beispielsweise Unterkunft und Verpflegung organisiert hat – besonders beim Essen musste auf die diversen Vorlieben Rücksicht genommen werden: «Wir mussten zum Beispiel herausfinden, in welchen Restaurants das Fleisch ‚halal’ ist.» Roditi erzählt, dass auch das Internationale Büro an der Uni Bern Beachtliches geleistet habe und die Bewerberinnen und Bewerber unter anderem bei der Einholung der Visa unterstützt habe. «Besonders gefreut hat mich, dass Rektor Christian Leumann die Teilnehmenden am ersten Tag in einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache an der Uni Bern willkommen geheissen hat.» 

Erfolgreiche Vernetzung der Teilnehmenden

Der Fokus wurde dieses Jahr auf die beiden Krankheiten Malaria und Leishmaniose gelegt, eine Infektionskrankheit, die von infizierten Sandmücken auf Menschen übertragen werden kann. Vormittags fanden jeweils Vorlesungen von renommierten Parasitologinnen und Parasitologen statt, nachmittags wurde im Labor gearbeitet. 

Roditi zeigt sich erfreut über den Erfolg der Sommerschule. Freundschaftlich und intensiv sei der Austausch unter allen Beteiligten gewesen: «Ich wünschte mir, unsere Studierenden würden ebenso viel Aktivität und Interaktion mit den Dozierenden an den Tag legen wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule.» Roditi hofft, dass die Sommerschule MeBoP auch die nächsten zwei Jahre in Bern durchgeführt werden kann. Hier würde die Infrastruktur ja bereitstehen und es sei auch einfacher, ein Visum für die Schweiz zu bekommen als für eines der betroffenen Länder, erklärt Roditi. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten voneinander profitieren und Wissen mit nach Hause nehmen. Gerade was die Diagnostik betrifft konnten die Teilnehmenden viel profitieren, wie Roditi erzählt.

Sie hofft, dass mit Forschung Grenzen überschritten werden können: «Ich denke, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben wir viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Wenn man Menschen im geeigneten Raum wie dieser Sommerschule zusammenbringt, dann merken sie das auch. Die Situation in den betroffenen Ländern ist tragisch, und ich hoffe, dass wir etwas zur Verbesserung beitragen können.» Die Vernetzung habe über den Intensivkurs hinaus geklappt: mehrere der Teilnehmenden seien bestrebt, auch zukünftig eng zusammenzuarbeiten im Kampf gegen Parasiten. 

Die Sommerschule Middle Eastern Biology of Parasitism (MeBoP)

Initiiert und organisiert wurde MeBoP von Dr. Lilach Sheiner (University of Glasgow) und Dr. Omar Harb (University of Pennsylvania, USA. Stattgefunden hat der Intensivkurs in Parasitologie für Forschende und Gesundheitsfachleute aus dem Mittleren Osten, aus Nordafrika und dem subsaharischen Afrika vom 25. Juli bis am 7. August am Insititut für Zellbiologie an der Uni Bern.

Unterstützt wurde MeBoP von der Bill and Melinda Gates Foundation, dem Wellcome Trust Centre for Molecular Parasitology und privaten Gönnerinnen und Gönneren. Das Institut für Zellbiologie der Uni Bern stellte die Räumlichkeiten zur Verfügung und leistete administrative und technische Unterstützung.

Mehr Informationen zu MeBoP

MeBoP auf Twitter

Zur Person

Teaser

Isabel Roditi (Jahrgang 1956) ist Professorin am Instituts für Zellbiologie der Universität Bern. Sie promovierte 1983 an der Universität Cambridge (UK) und kam 1990 an die Universität Bern, wo sie sich 1993 habilitierte. Seit 1999 ist sie Ordinaria. Sie erhielt mehrere Preise, darunter 2001 den Cloëtta-Preis, 2005 einen ersten Howard Hughes Medical Institute Award, 2009 und 2012 erhielt sie, zusammen mit Reto Brun vom Swiss Tropical and Public Health Institute Basel, zwei Grand Challenges Exploration Awards von der Bill and Melinda Gates-Stiftung. In 2012 erhielt sie zudem vom Howard Hughes Medical Institute einen prestigeträchtigen «HHMI Senior International Research Scholar Award». In ihrer Forschung beschäftigt sich Roditi vorwiegend mit Trypanosomen, Parasiten welche die Afrikanische Schlafkrankheit auslösen.

Mehr Informationen zur Forschungsgruppe von Isabel Roditi

Kontakt:

Prof. Dr. Isabel Roditi
Institut für Zellbiologie
Baltzerstrasse 4
3012 Bern
isabel.roditi@izb.unibe.ch
+41 31 631 46 47

Das Institut für Zellbiologie

Das Institut für Zellbiologie der Universität Bern umfasst diverse Forschungsgruppen die sich mit einem breiten Spektrum an Organismen, experimentellen Techniken und aktuellen Themen befassen. Besondere Schwerpunkte liegen aber in der RNA Biologie, Molekulare Parasitologie und Entwicklungsbiologie.

Zur Autorin

Brigit Bucher arbeitet als Stv. Leiterin Corporate Communication an der Universität Bern und ist Redaktorin bei «uniaktuell».

05.09.2016